Was wir tun

 

Die Zusammenarbeit von
Redemptoristen und Laien


Seit Alfons von Liguori in den ersten Jahren seines Priesterlebens obdachlose und am Rand der Gesellschaft stehende Jugendliche in Neapel betreute, haben Redemptoristen und Laien mitsammen gebetet und bei den Missionen eng zusammengearbeitet.
Doch in unserer Zeit schafft der Herr etwas Neues.

In aller Welt schließen sich Redemptoristen und Laien zusammen und gehen neue Wege bei der Verkündigung der Frohen Botschaft und in der Sorge um die Armen.

·       In Kolumbien leben Patres und Laienkatechisten in einfachen Hütten neben den ärmsten Familien, um bei ihrer Betreuung ihr hartes Dasein wirklich mitzubekommen.

·       In Irland haben sich idealistische Jugendliche und unternehmungslustige, ältere Patres zusammengetan, um in von Gewalttätigkeiten verwüsteten Gegenden Belfasts Missionen zu halten und den Menschen neue Hoffnung zu geben.

·       Auf den Philippinen gehen unsere Missionare und ihre Laienmitarbeiter oft monatelang von zuhause und ihren Freunden weg, um in abgelegenen Gegenden von Dorf zu Dorf zu ziehen und christliche Gemeinschaften zu bilden.

·       In Kanada haben Verheiratete und Alleinstehende mit unseren Patres Missionsteams gebildet, um verlassene Katholiken in entlegenen Gegenden des Landes aufzusuchen und zu betreuen.

·       In den Vereinigten Staaten betreuen unsere Patres und junge ehrenamtliche Mitarbeiter Hunderte Obdachlose und Hungernde in Philadelphia, auf den karibischen Inseln und in Appalachia (ein Armutsgebiet im Östlich der USA).

·       In Italien haben unsere Patres und junge Mitarbeiter Seelsorgsteams gebildet, um verwahrloste, missbrauchte und drogenabhängige Jugendliche zu betreuen.

·       In Afrika veranstalten unsere Patres und Laienkatechisten abendliche Versammlungen, um Menschen auf ihrer Suche nach Hoffnung und Licht spirituelle Perspektiven aufzuzeigen.

Das sind nur ein paar Beispiele für die dynamische neue Zusammenarbeit in unserer gemeinsamen Sendung der Evangelisierung. Oder wie ein brasilianischer Mitbruder es ausdrückte: „Es ist der Same eines neues Kirchenmodells, ein Same, der vom Gründer der Redemptoristen ausgesät wurde.“

Das Vermächtnis des hl. Alfons

Alfons von Liguori war allumfassend, praktisch veranlagt und schöpferisch in seiner Seelsorgsarbeit. Er war risikofreudig und bereit, Neues auszuprobieren, um die Menschen am Rand der Gesellschaft ansprechen zu können.

Sein oberstes Ziel war, die Frohe Botschaft jenen Menschen zu bringen, die von der Institution Kirche abgelehnt und vergessen waren, Menschen, die weder Hoffnung noch Hilfe hatten. So wie Jesus nicht in den Synagogen saß und auf die Leute wartete, genau so beschränkte sich der hl. Alfons nicht auf die herkömmlichen Orte und Formen der Seelsorge. Er ließ ein bequemes und sicheres Leben hinter sich, um „zu suchen und zu retten, was verloren war“ (Lk 19,10).

Ein konkretes Beispiel für die Kreativität und Universalität des hl. Alfons ist sein Verhältnis zu den Laien. Unser Gründer war auf diesem Gebiet seiner Zeit voraus:

· „Die Abendkapellen“

Alfons sammelte Laien als Mitarbeiter in den ärmsten Gegenden Neapels in christlichen Gemeinschaften, die unter dem Namen „Abendkapellen“ bekannt wurden. Gemeinsam mit einem engagierten Laien namens Pietro bildete er gewöhnliche Laien zu Katechisten, Predigern und Leitern der Gemeinschaften aus.

Die Abendkapellen wurden ein riesiger Erfolg und hatten großen Einfluss auf  tausende von Menschen. Man beschrieb sie als „Zentren der Bekehrung“ und „Gewächshäuser für Heilige“. Und was sehr wichtig ist, sie standen weiter in Blüte, schon lange nachdem Alfons sich zurückgezogen hatte, denn die Laien vor Ort hatten die Verantwortung übernommen.

Die Laien waren das Rückgrat dieses großen Werks. Alfons sah sich selbst nur als Mitarbeiter der Laien, die die eigentliche Autorität und Glaubwürdigkeit bei den Mitgliedern der Gemeinschaft innehatten, da sie dem gleichen Lebenskampf in der Stadt unterworfen waren.

· Ausbildungsstätte für Frauen

Alfons erkannte das Führungspotential der Frauen in einer Zeit, in der Frauen in der Institution Kirche nur wenig galten und wenig zu sagen hatten. Er gründete eine Ausbildungsstätte für Frauen und bestellte eine Frau zur Leiterin.

Leider konnte diese Schule nicht lange bestehen, weil die Frauen, die ja arm waren, den ganzen Tag arbeiten und in der Nacht sich um ihre Kinder kümmern mussten. Sie bekamen aber Selbstvertrauen und ein persönliches Sendungsbewusstsein, weil er sie nicht links liegen ließ und sich auch für sie einsetzte.

· Tägliche gemeinsame Betrachtung

Es war Alfons ein großes Anliegen, dass die Mitglieder der Kommunitäten regelmäßig mit den Laien beteten. Zweimal am Tag pflegten sie in die Kirche zu gehen und gemeinsam mit den Laien die Betrachtung zu halten. Das war im 18. Jahrhundert unter Ordensleuten und Laien keineswegs so üblich. Es war eine kühne Idee, die die spirituelle Praxis in den örtlichen Kommunitäten erneuerte.

Unser Erbe und unsere Hoffnung

Heute greifen die Redemptoristen diese Praxis der kreativen Zusammenarbeit mit den Laien voll Tatendrang wieder auf.

Das Generalkapitel 1991 widmete einen ganzen Abschnitt seines Schlussdokuments der „Zusammenarbeit mit den Laien auf partnerschaftlicher Basis“ und führte die neue Kategorie „Der Laienmissionar des Heiligsten Erlösers als aktiver Mitarbeiter und Teilnehmer am apostolischen Leben der Kongregation der Redemptoristen“ ein. Auch forderte dieses Dokument unsere Kommunitäten nachdrücklich auf, „sich den Laien zu öffnen, so dass sie vermehrt an unseren Lebenserfahrungen, an unserer Arbeit und an unserer Spiritualität teilnehmen können“ (XXI. Generalkapitel, Schlussdokument, Nr.60).

Heute leiten Laien internationale und regionale Komitees, die sich mit einer effizienten redemptoristischen Laienseelsorge befassen und sie fördern. Gemeinsam entwickeln wir umfassende Ausbildungs- und Schulungsprogramme. Gemeinsam suchen wir neue Wege, unsere Spiritualität zu teilen, indem wir regelmäßig miteinander beten und die Gemeinschaft brüderlich pflegen.

Ein multi-kultureller Mix von Männern und Frauen aller Lebensalter und aller sozialen Schichten schließen sich zum Dienst an unserer Sendung zusammen: in dieser Vielfalt liegt eine große Schlagkraft und ein Zeugnis für die Vitaltät unseres Charismas heute.

Eine Mitarbeiterin von Dominica (Insel der kleinen Antillen, Anm. d. Übers.) hat unseren Hoffnungen für die gemeinsame Seelsorge folgenden Ausdruck verliehen:

„Als die Redemptoristen auf unsere Insel kamen, wurden wir aktiv wie ein schlafender Vulkan. Sie haben mir geholfen, mich selbst und mein Volk zu führen. Ich bin gern ein Teil dieser Familie, einer Familie, die offen ist für Änderungen, einer Familie, die voranschreitet. Ich danke Gott für den hl. Alfons. Ich glaube, es freut ihn zu wissen, dass sein Werk weitergeführt wird.“

 P. Joseph W. Tobin C.Ss.R.
Generaloberer der Redemptoristen

„Wir alle sind berufen, die Frohe Botschaft den Armen und Verlassensten im Geist des hl. Alfons von Liguori zu verkünden. Die Zusammenarbeit zwischen Redemptoristen und Laien ist weder die krankhafte Suche nach „Helfern“ für eine schwindende Zahl eigener Mitgliedern noch die Geltendmachung der Rechte einer lange Zeit vernachlässigten Laienschaft. Laienseelsorge wurzelt in einer wieder erwachten Hochschätzung unserer Berufung als Christen, die wir in der Taufe bekommen haben, und die daher nicht mehr eine Ausnahme ist, sondern die Regel, wenigstens im größten Teil der 77 Länder, in denen unsere Kongregation im Sinne ihrer Sendung tätig ist. Und was noch wichtiger ist: ich bin überzeugt, dass es nicht nur einfach darum geht, auf welche Weise die Laien im dritten Jahrtausend der Christenheit für die Seelsorge bevollmächtigt werden können, sondern auch darum, welche Bedeutung das geweihte Leben für eine Kirche haben wird, in der die Laien mehr und mehr führende Rollen einnehmen. Das 2. Vatikanum unterstreicht nicht nur den Wert der Berufung der Laien, es spricht auch davon, dass das geweihte Leben als Lebensform für die Kirche wesentlich ist. Unser Dialog mit den Laien soll uns helfen, unsere eigene Berufung besser zu verstehen.“