Die Kirche der Redemptoristen am Schönenberg

Ein
Brief vom Schönenberg
An
alle, denen die Berufung zum
Redemptoristen
ein Herzensanliegen ist
Wir schreiben euch von
unserem Kloster am Schönenberg
(Ellwangen,
Deutschland) mit seiner wunderschönen
Kirche, wo wir im November 2006 das Jahrestreffen
des Generalsekretariats für die Redemptoristische
Jugend- und Berufepastoral (RJBP) abhielten.
Wir danken der Kommunität vom Schönenberg
sehr herzlich für die großartige Aufnahme
und Bewirtung während unseres Aufenthalts.
Wir senden herzliche Grüße an jeden und
jede in unserer großen redemptoristischen
Familie und meinen damit alle Ordensmänner
und Ordensfrauen sowie die Laien, die an
unserer Spiritualität und Sendung teilhaben,
insbesondere jene, die in unserer Jugend-
und Berufepastoral (RJBP) mitarbeiten.
Während dieser Woche haben wir
die vielen beeindruckenden Initiativen
in der Jugend- und Berufepastoral
in unseren Regionen Revue passieren lassen.
Der Weg der RJBP wird wahrlich von vielen
Lichtern erhellt: dem weit verbreiteten
Wunsch, auf diesem Gebiet zu arbeiten und
die vielen Initiativen, obwohl es da und
dort zahlreiche Schatten gibt, die den
Weg verdunkeln und unsicher machen und
die Aufgabe als aufgegeben erscheinen lassen.
Heute, zwanzig Jahre nach dem
Generalkapitel von 1985, das in der
Kongregation einen
prophetischen Aufbruch in Richtung Jugend
und Berufe bewirkte, möchten wir die Gültigkeit
jenes Aufbruchs betonen und mit euch allen
die Überzeugung teilen: über die RJBP zu
reden bedeutet über die Zukunft der Kongregation
zu reden. Wenn wir uns dem Dialog mit den
jungen Menschen verschließen, wenn unsere
Berufung die neue Generation nicht herausfordert,
dann müssen wir uns fragen, ob unsere Sendung
heute noch irgendeinen Sinn hat, und vor
allem, ob sie noch eine Zukunft hat.
Unter den Schatten, die den
Weg der RJBP in vielen Einheiten verdunkeln,
ist das Fehlen
einer klaren Unterscheidung zwischen Jugendpastoral
und Berufepastoral. Jugendseelsorgern wird
oft vorgeworfen, dass sie nur Jugendveranstaltungen
organisieren, statt Berufe zu suchen. Oft
gibt es auch eine Unklarheit bei den Strukturen.
Manche Einheiten betreiben Berufepastoral
und lassen die Jugendpastoral außer Acht.
Andere Einheiten leisten gute Jugendarbeit,
kümmern sich aber nicht um Berufe. Wieder
anderen haben getrennte Strukturen für
die Jugendpastoral und für die Berufepastoral
ohne irgendeine Form der Zusammenarbeit.
Wir möchten einen der wichtigsten
Punkte der Richtlinien für die RJBP (Rom 2000) in
Erinnerung rufen: „Ungeachtet schon vorhandener
Strukturen soll jede Einheit alles tun,
um für junge Menschen offen zu sein. Die
Jugendpastoral soll die Erziehung zu einem
Leben gemäß der Berufung im weitesten Sinn
zum Ziel haben mit Schwerpunkt auf der
Taufe als Quelle aller Dienste, die die
Kirche bereichern.“ Mit dieser Empfehlung
müssen wir die Verkündigung der besonderen
Berufung der Redemptoristen verbinden,
und alle jene ansprechen, die uns geeignet
erscheinen, und alle jene begleiten, die
positiv reagieren. Und wenn es viele sind,
wird unsere Freude umso größer sein.
Dieses Verständnis der RJBP scheint ungeheuerlich
zu sein, denn es verlangt von uns, in der
Jugendseelsorge von jedem Eigennutz frei
zu sein und nicht der ständigen Versuchung
zu erliegen, nur neue Mitglieder anzuwerben,
was uns von einer echten Kultur der Jugendarbeit
abhält. Das würde auch die Mentalität und
Routine durchbrechen, die nur allzu oft
unsere Sendung prägen. Dieses Verständnis
der Jugend- und Berufepastoral erfordert
ein Umdenken der ganzen Kommunität und überlässt
die Verantwortung aller nicht einem einzigen
Mitbruder. Alle sollen sich um das Apostolat
der Berufsförderung bemühen (Konst. 79).
Jede Kommunität muss sich ganz bewusst
für die RJBP entscheiden. Das macht Teamarbeit
notwendig (Richtlinien 20) und folglich auch eine
enge Zusammenarbeit zwischen der Jugendseelsorge
und der Berufepastoral, wo sie voneinander
getrennt sind.
Im Sinne unserer missionarischen Dynamik (Konst.
14) haben wir Redemptoristen daher nicht
das Recht, uns nur mit jenen jungen Menschen
abzugeben, die sich von vorne herein von
unseren Kommunitäten angezogen fühlen.
Im Gegenteil, wir müssen auch nach den
Marginalisierten und Verlassenen Ausschau
halten, nach jenen, für die das Evangelium
keine „gute Nachricht“ mehr ist (Konst.
3). Und wenn wir uns die Entwicklung seit
dem Generalkapitel von 1985 vor
Augen halten, müssen wir uns sagen, dass
diese zahlreicher geworden sind und der
Verkündigung der Erlösung mehr bedürfen.
Es wäre großartig, wenn wir mit diesem Brief
unser eigenes Gefühl für die Dringlichkeit
des Anliegens und unsere eigene Begeisterung
für die RJBP an euch weitergeben könnten.
Wir hätten gern, dass jeder sich von dieser
Aufgabe angesprochen fühlt, auch jene jungen
Erwachsenen, die an der RJBP bereits teilgenommen
haben, und für sie gewonnen wurden, und
jetzt vielleicht ihrerseits Leitungsaufgaben übernehmen
und bei der Ausbildung neuer Leiter mithelfen
könnten.
Wie auch immer, wir hoffen, dass dieses Schreiben
euch nicht gleichgültig oder apathisch
bleiben lässt, was ja ein Zeichen der Kapitulation,
wenn nicht des Todes, wäre. Wir würden
gern wissen, ob ihr mit dem dargelegten
Verständnis der RJBP übereinstimmt. Wenn
nicht, oder wenn ihr uns eure Zweifel und
Bedenken mitteilen wollt, wären wir sehr
daran interessiert, von euch zu hören.
Ihr findet unsere E-Mail-Adressen auf der
Website unserer Kongregation (http://www.cssr.com)
oder ihr könnt direkt an das Generalsekretariat
der RJBP, C.P.2458, 00100 Rom, Italien,
schreiben.
Mögen die Mutter von der Immerwährenden Hilfe,
unser Vater Alphonsus und alle Heiligen
und Seligen der Redemptoristen, vor allem
der sel. P. Kaspar Stanggassinger unsere
Fürsprecher sein und uns helfen uns
zu bemühen, dass unsere wunderbare Berufung
und Erwählung Bestand hat (2 Petr 1,10).
Generalsekretariat der RJBP
Schönenberg,
am 24. November 2006