Berufepastoral
und Begleitung
Einleitung
Jeder
Redemptorist muss ein Leitbild für Berufepastoral
und für Begleitung von Kandidaten haben. Dazu
gibt es viele Vorlagen und Vorgehensweisen in
unserer Kongregation.
Das Generalsekretariat
für die Ausbildung hat sich bei den Einheiten
über die gemachten Erfahrungen erkundigt. Es
werden viele vorbildliche Methoden angewandt,
auch ganz neue Wege beschritten im Umgang mit
Kandidaten. Aber es gibt auch Provinzen, die
auf Impulse warten.
Dieses Schreiben
dient einfach zum Austausch von Erfahrungen.
Es ist keine amtliche Verlautbarung und will
auch keine amtlich bevorzugte Vorgehensweise
empfehlen. Dazu wäre das Generalsekretariat
für Jugend- und Berufepastoral zuständig.
Viele Vorschläge
und Anregungen findet man auch in der Ratio Formationis Generalis. Die Richtlinien für Jugend- und Berufepastoral, die das Generalsekretariat im Jahr 2000 herausgab, sind
ebenfalls nützlich für alle, die sich mit Berufepastoral
befassen.
Das Generalsekretariat
für die Ausbildung hat über 100 E-Mails versandt,
um sich zu erkundigen, wie die Berufepastoral
gehandhabt wird. Wir danken allen, die uns mit
ihren Berichten geholfen haben, ein neues Schreiben
zu verfassen.
Dimensionen der Berufepastoral
1.
Strukturen der Werbung und Begleitung
In
der Kongregation gibt es viele Strukturen in
diesem Bereich. Auch wenn sie verschieden sind,
haben etwas Gemeinsames. Die Einzelheiten müssen
in den Provinzen bereinigt werden.
Der Leiter
der Berufepastoral
Die Ratio Formationis C.Ss.R. verlangt, dass
in jeder Einheit wenigstens ein speziell ernannter
Leiter die Berufepastoral koordiniere. In vielen
Einheiten steht ihm ein Team zur Seite. Wesentlich
ist, dass wenigstens ein Mitbruder für diese
Aufgabe ernannt ist, am besten vollamtlich.
Diese Hauptverantwortlichen
haben je nach Provinzen verschiedene Namen:
Vocation Director(s), Coordinator(s) of Vocation
Ministry, Vocation Promoter(s), Vocational Minister(s),
usw. Manche Einheiten haben in jeder Kommunität
einen Spezialisten für Berufepastoral. In anderen
Provinzen besteht eine Kommission mit einem
vollamtlichen Leiter.
Büro für Berufepastoral
Die Erfahrung
hat gezeigt, dass es sich lohnt, ein Büro für
Berufepastoral mit der entsprechenden Ausstattung
einzurichten. Es ist besonders hilfreich, alle
Adressen, Telefonnummern und E-Mail zu speichern,
um den Kontakt mit allen Beteiligten zu sichern
und zu erleichtern.
Rechenschaft
und Unterstützung
Der Hauptverantwortliche
wird vom Provinzial ernannt und vom Provinzrat
unterstützt. Ihnen ist er Rechenschaft schuldig.
In manchen Provinzen läuft das über das Bildungssekretariat,
in anderen über das Sekretariat für Jugend-
und Berufepastoral oder es besteht eine besondere
Kommission für Berufepastoral. Es ist wichtig,
dass der Hauptverantwortliche von Mitarbeitern
und den Einrichtungen der Provinz unterstützt
wird.
2.
Berufeförderung
Es ist wesentlich
für das apostolische Leben der Kongregation,
dass jedes Mitglied sich um neue Mitglieder
bemüht. Wir glauben, dass Gott weiterhin Menschen
beruft, ihr Leben für Erlösung in Fülle einzusetzen
– und die Berufeförderung verkündet das offen
und klar. Die Kirche ruft alle Christen – besonders
Priester und Ordensleute – auf, zu einer Kultur
der Berufung in der heutigen Zeit beizutragen.
Zusammen mit
den Mitbrüdern
Damit jeder
Mitbruder sich bestens für neue Berufe einsetzen
kann, muss der Hauptverantwortliche Hilfe bieten.
Vorschläge:
1.
Veröffentlichung eines Briefes an unsere
Kommunitäten und alle Mitbrüder mit Informationen
über die aktuelle Berufepastoral in der Provinz,
speziell über Besinnungstage zum Thema Berufung,
Versammlungen usw.
2.
Verfassen und Verteilen von katechetischen
und homiletischen Unterlagen zum Gebrauch in
unseren Pfarreien, Missionen und Gemeinschaften.
3.
Spezielle Veranstaltungen wie Gebete
um Berufe, Gottesdienste und Bittage in diesem
Sinn, Gedanken zu monatlichen Gottesdiensten
mit diesem Anliegen. In einigen Provinzen sind
solche spezielle Messen jeweils am ersten Donnerstag.
4.
Besuche bei Gemeinschaften und Pfarreien
von Redemptoristen, um Kontakt aufzunehmen und
einander kennen zu lernen. Besondere Predigten
und Andachten, Treffen mit Jugendlichen, Tag
des gottgeweihten Lebens, Festtage der Redemptoristen.
Die speziell Beauftragten, Ausbilder, Lehrer
und Seminaristen sollen diese Anlässe leiten
und animieren. Unsere Seminaristen können mit
Altardienern und anderen Jugendgruppen gezielte
Versammlungen abhalten.
5.
Die Spezialisten für Berufepastoral können
auch an den Versammlungen der Missionare teilnehmen,
dieselben zur Propaganda für neue Berufe einspannen
und ihnen Schriften samt Programmen von Veranstaltungen
zum Verteilen mitgeben.
6.
Diese Spezialisten können auch eingeladen
werden zu Gastveranstaltungen im gewöhnlichen
Religionsunterricht und dabei Kontakte mit der
Jugend herstellen.
7.
Regelmässige Gebete um Berufe. Man könnte
in diesem Sinn auch Gebetsgruppen bilden in
den Pfarreien und Seminaren. Einige Provinzen
haben beschlossen, dass in den Kommunitäten
regelmässig an einem bestimmten Tag um neue
Berufe gebetet wird.
8.
Gewisse Einheiten haben ein Haus bereitgestellt,
um Kandidaten aufzunehmen und Berufsfragen abzuklären.
In einem solchen Haus können junge Leute verweilen
und mit den Redemptoristen leben.
Berufepastoral
und apostolisches Leben
Wir sollen
uns klar und öffentlich dazu bekennen, dass
Gott auch heute Menschen zu unserem Apostolischen
Leben beruft. Dazu gibt es viele Möglichkeiten:
1.
Veröffentlichungen der Redemptoristen,
Briefe an unsere Freunde, Flugblätter, Zeitschriften,
Bücher über Redemptoristen (ihre Spiritualität
und ihren historischen Hintergrund, namentlich
über den Heiligen Alfons und seine Spiritualität,
über unsere Heiligen und Seligen). Diese kann
man an Interessenten schicken, die sich überlegen,
ob sie bei uns eintreten wollen.
2.
Herstellung und Verteilung von Propagandamaterial:
Kreuze, Buchzeichen, Gebetstexte, Kalender,
Armbänder, Kordeln – Hinweise auf unser Website
mit all den Angaben über Beruf, Geschichte,
Spiritualität, Missionswerk.
a.
Wo
es möglich ist, benützen wir die Medien der
Redemptoristen. Dazu kann man besondere Sendereihen
entwerfen.
b.
Wir
können auch in katholischen Zeitungen, Universitäts-
und Schulzeitungen Propaganda machen.
c.
Sinnvoll
ist auch eine Webpage <www> über Berufung,
wo junge Menschen Informationen über mehrere
Berufe und Hinweise für Kontakte mit Redemptoristen
finden. Oft suchen die Jungen zuerst auf Internet.
Darum muss die Webseite attraktiv, auf heutigem
Stand und interaktiv sein. In vielen Ländern
haben Ordensleute eine gemeinsame Webpage mit
Informationen über verschiedene Charismen und
Ausrichtungen.
d.
Ein
spezielles Anschlagbrett könnte man in allen
unseren Kirchen einrichten mit allen treffenden
Informationen und Adressen. Gewisse Pfarreien
haben Vocation Corners mit allen Angaben über
unsere Lebensweise und über alle Anlässe, die
im Lauf des Jahres auf Berufswahl ausgerichtet
sind.
e.
Soweit
möglich bei Osterexerzitien an Universitäten
und ähnlichen Veranstaltungen über Berufswahl
sprechen.
f.
Es lohnt sich, an Universitäten gute
Beziehungen mit dem Stab zu pflegen, um dort
in Berufepastoral wirken zu können.
g.
Listen
möglicher Kandidaten aufstellen als Ergebnis
von Umfragen und Aktionen. Diese Daten müssen
abgesichert werden, damit sie weiterbestehen,
wenn unser Personal ändert.
h.
Die
Betreuer müssen Möglichkeiten schaffen, für
gezielte Abklärung von Berufungen.
i.
Unsere Präsenz durch Novenen
und Missionen gibt Zeugnis und weckt Interesse
bei Suchenden.
j.
Geistliche Begleitung und
Verwaltung des Bussakramentes gehören auch dazu.
k.
Mitwirken
in vielen katholischen Jugendgruppen ist ebenfalls
von grösster Wichtigkeit.
Zusammenarbeit
mit Diözese und Ordensgesellschaften
Die Kirche
ruft uns auf zu einer Kultur der Berufung in
einer säkularisierten Welt. Der Leiter unserer
Berufepastoral profitiert von der Zusammenarbeit
mit anderen Priestern und Ordensleuten.
1.
Zusammenarbeit
mit dem “Jugendsekretariat der Provinz"
bei Veranstaltungen der Jugend, sogar bei sportlichen
Anlässen.
2.
Mitwirken
bei Aktionen, die von der Bischofskonferenz
aus unternommen werden wie Websites, Jugendtreffen
usw.
3.
Mitgliedschaft
im Verband der Ordensleute.
4.
Teilnahme
an nationalen Versammlungen von Vertretern der
Berufepastoral.
3.
Begleitung
Erste Kontakte
Diese kommen
auf vielen Wegen zu Stande.
1.
Beim
Suchen auf Internet finden etwaige Kandidaten
den Weg zu den Redemptoristen in ihrem Land.
2.
Kontakte
entstehen bei unserer pastoralen Tätigkeit.
3.
Präsenz
an Universitäten und Studentenseelsorge bringt
Früchte.
4.
Besuche
in Pfarreien – Bekanntgabe von Besinnungstagen
zum Thema Berufung und Arbeit mit Jugendgruppen.
5.
Auch
im Religionsunterricht gibt es viele Gelegenheiten,
Kontakte anzuknüpfen.
6.
An
unseren Wallfahrtsorten ergeben sich herrliche
Gelegenheiten zu Kontakten und Gesprächen über
Berufung.
Klärungen
1.
Erfahrene,
unterscheidende Begleitung führt zur Klärung
der Berufsfrage. Dazu kann man den Kandidaten
besuchen und beobachten in seinem Alltag. Wir
können ihn auch einladen zum Mitarbeiten und
zu Besuchen bei den Redemptoristen. Am einfachsten
ist es wohl, zu beginnen mit einem Gespräch
bei einem Essen oder einem Kaffee.
2.
Der Kandidat sollte einen geistlichen Begleiter haben, am besten einen
Redemptoristen, aber nicht unbedingt.
3.
Den Kandidaten in der Jugendseelsorge beobachten.
4.
In
Gesprächen können wir dem Kandidaten helfen,
den Ruf Gottes genauer zu erkennen.
5.
Wir
können andere Mitbrüder beiziehen, die mit Erfahrung
und Weisheit zu Beziehungspersonen werden.
6.
Verschiedene
Arten von Exerzitien:
a)
Besinnungstage (4-5 Tage) in den Winter-
oder Sommerferien für Jugendliche.
b)
SERVE: Summer
Endeavour in a Redemptorist Volunteer Experience:
Mehrwöchiger freiwilliger Einsatz im Dienst
der Armen und zugleich Schnuppern am Leben und
Ideal der Redemptoristen.
c)
Besinnungstage am Jahresende oder auf Ostern hin.
7.
Redemptoristen
können Kandidaten einladen zu Aufenthalten in
der nächstgelegenen Kommunität von Redemptoristen,
besonders dort, wo die Reise zum nächsten Bildungshaus
zu weit wäre.
8.
Lager in der Natur, wo Buben selber
kochen, miteinander beten, singen, feiern...
und über Berufung sprechen.
9.
Besinnungstage
in Bildungshäusern der Redemptoristen im Lauf
des Schuljahrs.
10.
Tage
der offenen Tür für unsere Kandidaten - Begegnungen
mit unseren Seminaristen oder Kommunitäten.
11.
Regelmässiger
Briefwechsel (auch E-Mails, Telefongespräche
usw.).
12.
Regelmässige
Besuche bei den Kandidaten zu Hause. So kann
man das gesellschaftliche und religiöse Umfeld
des Kandidaten wahrnehmen.
13.
Zum
Mitmachen in einer Pfarrei der Redemptoristen
einladen.
14.
Kandidaten
könnten eine Woche, einen Monat oder ein Jahr
in einer Kommunität der Redemptoristen wohnen.
15.
Das
Lesen von Büchern empfehlen.
16.
Die Kandidaten auffordern, über den Sinn ihrer Berufung und ihre Lektüre
zu schreiben.
17.
Ihnen erlauben, an Vorlesungen in Philosophie und Theologie teilzunehmen.
18.
Einen Tag bei kontemplativen Ordensfrauen, am besten bei Redemptoristinnen,
verbringen.
19.
Jugendtreffen der Redemptoristen im Sommer. Wir könnten
Jugendliche zu gemeinschaftlichen Gebeten, Besinnung,
Sport und Erholung einladen.
20.
Einladen zur Teilnahme an Aktionen,
wo junge Interessenten Anleitung erhalten, um
ihren Beruf zu finden. Solche Aktionen dauern
ein Jahr lang mit wöchentlichen Sitzungen von
einigen Stunden.
Vorbereitung
zur Aufnahme in die Ausbildung
a.
Die Eignung der Kandidaten prüfen und dazu auch Laien beiziehen, um festzustellen,
ob er mit diesen arbeiten kann.
b.
Wohngemeinschaft: Der Kandidat wohnt 1 bis 8 Monate bei den Redemptoristen,
geht aber weiterhin zu seiner Arbeit oder in
die Schule. So kann er erfahren, um was es bei
den Redemptoristen geht, und sich an sie gewöhnen.
c.
Wenn das Vorhaben ernst wird, ist eine genauere, umfassende Beurteilung
des Kandidaten fällig und wird zur Unterlage
für die endgültige Aufnahme.
4. Inkulturation und Angewöhnung
Kenntnis der
Umgebung
Jeder soll
sich vor Augen halten, dass das inständige Gebet,
verbunden mit dem Beispiel des eigenen Lebens
und dem apostolischen Eifer, das beste und wirksamste
Mittel der Berufsförderung ist”
(Konstitution 80).
1.
Persönlicher Kontakt dient am besten zum Gedankenaustausch.
2.
Nach der ersten Kontaktaufnahme können wir den Interessenten zu Besuchen
und Anlässen bei den Redemptoristen einladen.
3.
Die Beziehungen des Kandidaten mit mehreren Redemptoristen um zu lernen,
zu hören, zu beobachten und zu erleben, zeitigen
gute Erfolge. Ähnliches geschieht, wenn mehrere
Kandidaten zusammenkommen bei Besinnungstagen,
wo sie voneinander lernen können.
4.
Auch Besinnungstage am Wochenende im Haus der Redemptoristen sind gute
Gelegenheiten zur Einführung.
Zielgruppen
In einigen
Einheiten hat man festgestellt, aus welchem
Umfeld die meisten Berufe stammen, zum Beispiel
Altardiener, Volksmissionen, Pfarreien, Jugendseelsorge,
Einwanderer. Das muss man wissen, um effizienter
vorzugehen.
5. Schlusswort
Wir müssen
daran erinnern, dass das nur Beispiele, Vorschläge
und Austausch von Erfahrungen sind. Wir haben verschiedene
Situationen je nach Erdteilen.
Diese Ausführungen wollen den neu ernannten Verantwortlichen und anderen klar
machen:
1.
Die allgemeinen
Prinzipien gelten für alle Einheiten.
-
Es braucht
Strukturen und Personal für Berufepastoral.
-
Berufeförderung
ist dringend in jeder Einheit.
-
Begleitung
ist wesentlich.
-
Berufepastoral muss den örtlichen Gegebenheiten angepasst werden.