Generalsekretariat
für die
Aus- und Weiterbildung

 

HINFÜHRUNG ZUM LEBEN
ALS REDEMPTORISTEN


Viele unserer Auszubildenden
einschließlich der Klerikerstudenten und der Brüdererhalten ihre akademische und geistige Formung in Instituten und Lehranstalten, die nicht mehr uns gehören. Dies stellt für die Kongregation im Allgemeinen und für die Ausbilder im Besonderen eine Herausforderung dar. Daher muss die Hinführung sowohl der Kleriker als auch der Brüder zum Leben als Redemptoristen bewusst und gezielt ins Auge gefasst werden.

Die Hinführung zum Leben als Redemptoristen muss den gesamten Ausbildungsweg durchdringen. Er beginnt im Postulat mit einer Vorstellung der Kongregation, des hl. Alfons und einer Einführung in das Gebet. Das wird im Noviziat vertieft. In der Zeit nach der zeitlichen Profess wird es noch mehr vertieft und in das spirituelle und pastorale Leben des jungen Redemptoristen integriert – nicht nur durch das tägliche Gebet und die täglichen Übungen, sondern auch durch das Studium der Moraltheologie, der Predigtwissenschaft und der Pastoraltheologie. In der Übergangsphase in den Dienst beginnt es, Früchte zu tragen.

Das apostolische Leben der Redemptoristen ist geprägt von der Sorge um die Verlassensten und von der Option für die Armen. Es zeichnet sich mehr durch seine missionarische Dynamik als durch irgendwelche besondere Strukturen und Arbeiten aus. Mit anderen Worten: es ist durch die eigentliche Verkündigung des Evangeliums und den Dienst an jenen Menschen und Gruppen gekennzeichnet, die in Kirche und menschlicher Gesellschaft besonders vernachlässigt und arm sind (vgl. Konst. 14).

Die im Folgenden angeführten Themenbereiche sind nicht sehr detailliert ausgeführt. Sie weisen jedoch auf einige Bereiche, die von den Ausbildern in Zusammenarbeit mit dem Ausbildungssekretariat der (Vize)Provinzen in den ganzen Ausbildungsweg eingebaut werden müssen. Die redemptoristische Spiritualität, der Lebensstil und die Geschichte der Redemptoristen sollten auf jeder Ausbildungsstufe behandelt werden, und nicht nur im Noviziat. Moraltheologie, Predigen, Versöhnung und geistliche Begleitung sollen für alle Auszubildenden in das gesamte Theologiestudium integriert werden. Behelfe und Kursunterlagen werden vom Generalsekretariat für die Aus- und Weiterbildung zur Verfügung gestellt. Der gegenseitige Austausch dieser Unterlagen wird für die Ausbildung unserer neuen Mitglieder in der ganzen Kongregation gewiss von Nutzen sein.

1.  Die redemptoristische Spiritualität

Die redemptoristische Spiritualität enthält die alfonsianische Spiritualität, umfasst aber mehr. Das Generalkapitel von 1997 nannte die Spiritualität den besonderen redemptoristischen Geist, der unsere Lebensweise beseelt und formt. Er ist das Vergrößerungsglas, durch das wir die Welt betrachten und auf den Schrei der Verlassenen antworten. Die redemptoristische Spiritualität ist sowohl die Quelle als auch die Frucht unserer Sendung.

Die Spiritualität des hl. Alfons, einschließlich seines Instinkts für die Vita devota, seine Einstellung zum Gebet, besonders zum betrachtenden Gebet, die „Geheimnisse unserer Erlösung“ und das Wort Gottes haben die Spiritualität der Redemptoristen von Anfang an geprägt. Es ist eine missionarische Spiritualität, denn die Redemptoristen setzen die Sendung Jesu fort, die Frohe Botschaft den Armen zu verkünden.

Diese Spiritualität prägte auch das Leben der ersten Redemptoristen und wurde von ihnen gestaltet (Sarnelli, Gerhard, Klemens). Es ist eine gelebte Spiritualität, die in den Konstitutionen und Statuten, in den Dokumenten der Generalkapitel und in den Communicanda der Generaloberen ihren Niederschlag gefunden hat.

1.1    Die Hinführung zur redemptoristischen Spiritualität muss die Hinführung zu den spirituellen und aszetischen Werken des hl. Alfons beinhalten. Allen Redemptoristen sollten folgende Schriften vertraut sein: Jesus lieben lernen, Vertrauliche Zwiesprache mit Gott, Die Menschwerdung, Betrachtungen über die Passion, Die Heilige Eucharistie, und Die Herrlichkeiten Mariens. Englischsprachige Redemptoristen können sich leicht eine Ausgabe von Alphonsus Liguori: Selected Writings aus der Classics of Western Spirituality series besorgen. Unsere Studenten sollten die Schriften des hl. Alfons selbst lesen. Es ist nicht nur wichtig, in der Spiritualität unseres Ordensgründers unterrichtet zu werden, sondern auch seine eigenen Worte zu lesen.

1.2    Die Hinführung zur redemptoristischen Spiritualität wird auch durch das Studium des Lebens beispielhafter Redemptoristen unterstützt, vor allem des Lebens unserer Heiligen und Seligen.

1.3    Dazu gehören auch Reflexionen über den Geist der Kongregation, der in der Kommunität herrscht. Diese Reflexionen werden unterstützt:

-vom Studium, der Betrachtung und der Diskussion über unsere Konstitutionen und Statuten;

-vom Studium, der Betrachtung und der Diskussion über die Dokumente der Generalkapitel (besonders von 1991, 1997, 2003) und die Communicanda der Generalleitung (insbesondere Spiritualität, unsere wichtigste Herausforderung);

-von der Reihe Charisma 2000 und Charisma 3.

2.  Die redemptoristische Spiritualität in der Praxis:      Lebensstil

Die Spiritualität der Redemptoristen ist eine besondere Lebensweise, die zu einem „Lebensstil“ wird (vgl. Botschaft des Generalkapitels von 1997). Es genügt nicht, die Schriften des hl. Alfons, die Spiritualität und das Leben der ersten Redemptoristen und die Konstitutionen und Statuten zu kennen. Es geht um eine ganzheitliche  Lebensweise durch die gewissenhafte Übung des betrachtenden Gebets, durch das besondere Kommunitätsleben der Redemptoristen in den (Vize)Provinzen, durch das Verständnis der Gelübde im Licht unseres Charismas und durch die Option für die Armen und Verlassenen.

Unsere Auszubildenden müssen Schritt für Schritt in die Praxis des täglichen Gebets gemäß unseren Konstitutionen eingeführt werden. Dies bedeutet die Praxis des gemeinschaftlichen Gebets gemäß der Praxis in den einzelnen Hauskommunitäten der (Vize)Provinz. Das gemeinsame betrachtende Gebet ist eine große Hilfe für die Einübung der Gewohnheit des betrachtenden Gebets, das für den hl. Alfons so wichtig war und für das Leben des Redemptoristen so wichtig ist. Die Einübung dieser Gewohnheit erfordert eine schrittweise Einführung, Übung und geistliche Begleitung. Regelmäßige Workshops und Einkehrtage können viel dazu beitragen.

Gleichermaßen werden die traditionellen Frömmigkeitsübungen in den Ausbildungskommunitäten, vor allem die Besuchungen des Allerheiligsten Altarsakraments, der Kreuzweg, der Rosenkranz und die Verehrung der Muttergottes (insbesondere der Mutter von der Immerwährenden Hilfe) allmählich eine redemptoristische Identität herausbilden, die das, was der junge Redemptorist in Konferenzen, Lesungen, Workshops und Kursen für redemptoristische Spiritualität hört, festigt und vertieft.

Die Auszubildenden werden in der Ausbildungskommunität auch in die Gelübde als gelebte Realität eingeführt. Die Darstellung der Gelübde als Ausdruck unserer missionarischen Identität bedeutet ihre Integration in die Art und Weise, wie die Kommunität die Armut, die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen und den Gehorsam lebt (vgl. Konst., Kap. III).Diese Integration wird gefördert durch Diskussionen und Gespräche in der Kommunität über das tatsächliche Leben gemäß den Gelübden und deren Bedeutung in der Kultur, in der die neuen Redemptoristen gerade leben. Die Vorbereitung für das Gelübde und den Eid der Beharrlichkeit muss auch die heutigen Herausforderungen für eine Bindung auf Dauer in Betracht ziehen.

Für eine brüderliche Gemeinschaft ist es auch wichtig, zu bedenken, wie unser apostolisches Leben in vielen Einheiten durch die Präsenz und den Dienst der Brüder bereichert wird. Obwohl die Konstitutionen von uns als einer Klerikergemeinschaft sprechen, waren die Brüder schon immer eine wichtige Dimension in unserem apostolischen Leben und sind es immer noch.

Da wir zu den Verlassensten, insbesondere den Armen, gesandt sind (vgl. Konst. 3-5), müssen die Auszubildenden allmählich und schrittweise mit dem Lebensstil bekannt gemacht werden, der dem einfachen Lebensstil derer gleicht, denen zu dienen sie gesandt sind. Dies muss in das Gebet, das Gemeinschaftsleben und die pastoralen Dimensionen der Ausbildungskommunität einfließen. Das wird sich auch in der Wahl der materiellen Güter zeigen. Das einfache Leben wird in der Wahl der Kleidung, der Transportmittel, des Essens und Trinkens, der Häuser und der Einrichtungsgegenstände und des regelmäßigen Umgangs mit dem einfachen Volk zum Ausdruck kommen.

3.  Die Geschichte der Kongregation

Die Geschichte der Kongregation erzählt uns nicht nur die Geschichte unserer Gründung und Ausbreitung. Sie stellt die Kongregation auch in einen historischen Kontext, was uns hilft, unsere Sendung und den Grund unseres Daseins besser zu verstehen. Das Historische Institut hat bereits den ersten Band der Geschichte der Kongregation veröffentlicht. Es hat auch weitere Bände zur Ergänzung dieser Geschichte veröffentlicht.

Die Biografien unseres Stifters, vor allem jene von Telleria, Rey-Mermet und Jones erzählen auch unsere Gründungsgeschichte. Die Biografien unserer Heiligen setzen diese Geschichte fort. Es ist eine gute Hilfe, auch den historischen Hintergrund der jeweiligen Zeit aufzuzeigen, wenn das Leben des hl. Gerhard oder des hl. Klemens oder des hl. Johann N. Neumann oder der ukrainischen Märtyrer beschrieben wird.

Viele Einheiten haben Werke über ihre Geschichte herausgegeben. Andere haben noch die Möglichkeit, ihre Gründungsgeschichte mündlich zu erzählen, vor allem die neueren Gründungen.

Oft ist es möglich, Vorlesungen über die Geschichte der Kongregation anzubieten, selbst dort, wo unsere Studenten an einer von mehreren Orden und einer (oder mehreren) Diözese(n) gemeinsam geführten theologischen Lehranstalt oder Hochschule studieren. Die Unterlagen für derartige Vorlesungen sind in letzter Zeit leichter verfügbar geworden und manchmal kann auch ein Mitbruder einen Lehrauftrag für Kongregationsgeschichte bekommen.

4.  Die Moraltheologie
     in der redemptoristischen Tradition

Die Moraltheologie war den Redemptoristen schon immer ein besonderes Anliegen. Der hl. Alfons war zu seiner Zeit eine Kapazität auf diesem Gebiet. In jüngster Vergangenheit haben Redemptoristen wie zum Beispiel Häring, Capone, Vidal und viele andere große Beiträge geleistet. An der Alfonsianische Akademie ist man weiterhin bemüht, dieser theologischen Disziplin eine besondere Bedeutung in der Kongregation zu verleihen.

Falls möglich, sollte jeder Redemptorist das Studium der Moraltheologie besonders pflegen. Das wird sich vor allem auf folgende Bereiche beziehen:

-  die Moraltheologie des hl. Alfons;

-  historische Einordnung des Jansenismus, Rigorismus, Probabilismus, usw.;

-  Theologie des Gewissens;

-  die heutige Moraltheologie und die Bioethik mit Bezug auf die Seelsorge.

5.  Predigttätigkeit
     in der redemptoristischen Tradition

Unsere Predigttätigkeit ist eine ausdrückliche Verkündigung der Frohen Botschaft. Sie ist ein Schwerpunkt unseres Dienstes. Daher verlangt sie mehr, als die meisten theologischen Fakultäten bieten.

Unser Schwerpunkt auf der Predigttätigkeit wird folgende Bereiche beinhalten:

-  die Lehre des hl. Alfons über das „apostolische Predigen“;

-  nachhaltige Kommunikation: rhetorisches Können, Beredsamkeit, Erwachsenenbildung;

-  die Anlasspredigt und die „Pfarrmissionen“: ihre Ziele, ihre Methoden, ihre Geschichte, ihre Beurteilung als Mittel unserer Sendung;

-  die Predigt und die Begleitung von Exerzitien;

-  die „gewöhnliche“ Predigt und die ordentliche Seelsorge: das liturgische Jahr, das Lektionar, die Botschaft von der Erlösung.

6.  Das Sakrament der Versöhnung
     in der redemptoristischen Tradition

Das Sakrament der Versöhnung war auch immer ein Schwerpunkt unserer Seelsorge – zu Hause, bei Pfarrmissionen, an unseren Wallfahrtsorten. Dieses Sakrament bedarf dringend einer Erneuerung in der heutigen Kirche. Welchen besonderen Beitrag können wir Redemptoristen dazu leisten?

Unsere Ausbildung wird auf der theologischen und praktischen Ausbildung aufbauen, die jede theologische Fakultät den zukünftigen Beichtvätern angedeihen lässt. Zusätzlich werden wir uns in folgenden Bereichen besonders einbringen:

-  die Lehre des hl. Alfons über das Sakrament und die Rolle des Beichtvaters - niedergelegt vor allem in der Praxis Confessarii;

-  Studium und Reflexion der fundamentalen, tief greifenden und nachhaltigen Umkehr, sowohl aus geistlicher als auch psychologischer Sicht;

-  eine eindrucksvolle Vorbereitung und Feier des Sakraments bei Pfarrmissionen und an Wallfahrtskirchen;

-  Teilnahme an Predigtwochen mit allgemeiner Beichtgelegenheit;

-  Studium und Erörterung von Einzelfällen aus moraltheologischer Sicht.

7.  Geistliche Begleitung und Unterscheidung
     der Geister in der redemptoristischen Tradition

Geistliche Begleitung und Unterscheidung der Geister haben in unserer Geschichte schon immer eine große Rolle gespielt. Der hl. Alfons war einer der bedeutendsten geistlichen Begleiter seiner Zeit. Seine fachliche Kompetenz auf diesem Gebiet zeigt sich in seinem Briefverkehr mit zahlreichen Menschen, die sich an ihn um geistliche Begleitung gewandt hatten. Sie zeigt sich auch in seinen Schriften, etwa in der Praxis Cofessarii und in seinen Arbeiten über das betrachtende Gebet. Dies geht auch aus einigen Untersuchungen und Veröffentlichungen der letzten Zeit hervor.

Der hl. Alfons wurde von den Vinzentinern, Oratorianern und den Jesuiten in das geistliche Leben eingeführt und machte auch seine „geistlichen Übungen“ bei ihnen. Er machte jedoch in seinem Verständnis des geistlichen Lebens eine bedeutsame Wendung vom diskursiven zum affektiven betrachtenden Gebet. Diese Wendung zeigt sich in der geistlichen Begleitung, die er anderen anbietet, wie aus seinem Briefverkehr und anderen Schriften hervorgeht.

Es gibt einen Unterschied zwischen seelsorglicher Beratung und geistlicher Begleitung. Fachliche Kompetenz kann man sich bei verschiedenen Instituten und Programmen, Workshops und Kursen erwerben. Die Kenntnis der Schriften, der Spiritualität und des Gebetslebens des hl. Alfons wird dem Studenten eine Hilfe sein, diese fachliche Kompetenz in das Charisma und die Identität der Redemptoristen zu integrieren.

8.  Partnerschaft in unserer Sendung und      Zusammenarbeit mit den Laien

Die Zusammenarbeit mit den Laien hat im apostolischen Leben der Redemptoristen schon immer eine bedeutende Rolle gespielt. Von allem Anfang an hat der hl. Alfons mit anderen bei der Gründung und Betreuung der „Abendkapellen“ in Neapel zusammengearbeitet, bei Missionen und bei der Herausgabe seiner geistlichen Schriften. Der hl. Klemens gründete eine Oblatengemeinschaft, die ihm bei der Verkündigung des Wortes Gottes zur Seite stand, insbesondere auch durch Öffentlichkeitsarbeit und die Universitäten.

Am XXI. Generalkapitel (1991, Itaici) führte die Kongregation die Bezeichnung „Laienmissionare des Heiligsten Erlösers“ offiziell ein. Im darauf folgenden Sexennium brachte die Generalleitung die Communicanda 4 heraus, die Richtlinien und Normen für die Zusammenarbeit mit den Laien festlegten.

Das Generalsekretariat für die Zusammenarbeit mit den Laien möchte uns einmal mehr darauf aufmerksam machen, dass so wie die Laienmissionare und andere Mitarbeiter eine Ausbildung für ihre Tätigkeit brauchen, auch wir Redemptoristen für die Zusammenarbeit mit den Laien ausgebildet werden müssen. Die Erstausbildung unserer Kandidaten muss in den Leitlinien und Normen sowie in der Praxis der (Vize)Provinzen und der gesamten Kongregation sich dieser Frage annehmen.

9.  Hinführung zur apostolischen Gemeinschaftsarbeit

Das Ausbildungsprogramm jeder (Vize)Provinz muss unsere Kandidaten in die Arbeit als apostolische Arbeitsgemeinschaft einführen. Dies bedeutet die Einübung in die Teamarbeit, die Gemeinschaftsbildung und Mitverantwortung.

Die pastoralen Schwerpunkte und der Pastoralplan jeder Einheit müssen sich in ihrem Ausbildungsprogramm, besonders in den pastoralen Praktika während der Erstausbildung, niederschlagen.