Generalsekretariat für die Brüder


Brief von Aparecida

Aparecida, den 14. November 2008

Liebe Mitbrüder im Herrn!

·  Herzliche Grüße aus Aparecida! Vom 12.-15. November 2008 traf sich das Generalsekretariat für die Brüder im Seminar „Santo Afonso“ in Aparecida, Sao Paulo (Brasilien). Wir tagten sozusagen zu Füßen Unserer Lieben Frau von Aparecida, deren Heiligtum von unseren Patres betreut wird. Es war die letzte Sitzung im Sexennium. Wir konnten dort gemeinsam mit unseren brasilianischen Mitbrüdern das 276-jährige Bestehen der Kongregation und den Abschluss des „Jahres der Besinnung auf das apostolische Leben der Redemptoristen“ feiern. Es war ein schönes Erlebnis der Mitbrüderlichkeit, des gegenseitigen Austauschs und der Erneuerung unseres Engagements als Redemptoristen.

·  Am Vormittag des 12. November trafen sich die Mitglieder des Sekretariats mit den brasilianischen Brüdern. Dieses Treffen fand im Seminar „Sao Geraldo“, einer Ausbildungsstätte für Brüder in Potim, einer Stadt in der Nähe von Sao Paulo (Provinz Sao Paulo) statt. Alle fanden den Austausch persönlicher, seelsorglicher sowie spiritueller Erfahrungen sehr bereichernd. Mit Freude erlebten wir den Enthusiasmus unserer Mitbrüder aus den verschiedenen Einheiten des „terra de Santa Cruz“, ihre Hingabe und starke Verbundenheit untereinander. Wir freuen uns, dass so viele Brüder im Leben der Kirche Brasiliens präsent sind und so viel zur Sendung der Kongregation in diesem Land beitragen. Viele Anliegen und Herausforderungen der Brüder in Brasilien werden vom Generalsekretariat und den anderen Brüdern in aller Welt mitgetragen.

·  Ebenfalls im Seminar „Sao Geraldo“ kamen wir zu unserer großen Freude am 13. November mit den dreizehn Brüderkandidaten zusammen. Wir feierten gemeinsam die hl. Messe und kamen anschließend zu einem zwanglosen Gespräch zusammen. Die Begeisterung, die Spontaneität und Kreativität und die Visionen dieser jungen Menschen, die sich auf den Brüderberuf in unserem Orden vorbereiten, machten einen großen Eindruck auf uns. Auch ihre Zahl ist beachtlich. Das ist das Zeichen einer großen Vitalität der Provinz und erfüllte uns mit Hoffnung. Diese Begegnung wirkte wie eine spirituelle Erneuerung.

·  Diese Zeichen der Hoffnung ließen uns während der ganzen Tagung nicht los, während wir die Berichte aus den Regionen und unseren eigenen Bericht an das Generalkapitel besprachen. Auch die positiven Erfahrungen und die Erfolge, aber auch die Schwierigkeiten und Herausforderungen des vergangenen Sexenniums, kamen zur Sprache. Wir machten auch Vorschläge für die Arbeit des Sekretariats im nächsten Sexennium. Im Folgenden möchten wir Ihnen einige dieser Erfahrungen und Ideen zur Kenntnis bringen.

Zeichen der Hoffnung

·  Wir Mitglieder des Generalsekretariats für die Brüder haben im vergangenen Sexennium durchwegs gute Erfahrungen gemacht. Aber es war nicht immer leicht. Der treue Einsatz und die Liebe zur Kongregation so vieler Brüder, denen wir begegnen durften, haben einen großen Eindruck auf uns gemacht. Die Hingabe und die geistige Einstellung dieser Brüder waren und sind eine große Quelle der Inspiration für uns alle.

·  Wir möchten an die Mitglieder des nächsten Generalkapitels weitergeben, dass wir einen neuen Geist sowohl bei den Brüdern als auch in der Kongregation als solcher erkennen können, obwohl wir gegenwärtig erleben müssen, dass die Zahl der Brüder zurückgeht. Es gibt bei den älteren Brüdern eine neue Vision und eine neue Hochschätzung des Lebens, des Opfergeistes, der Hingabe, der brüderlichen Demut und der Beharrlichkeit eines Bruders in unserer Kongregation, und bei den jüngeren Brüdern herrscht missionarischer Eifer. In den vergangenen Jahren konnten wir eine Zunahme der Wertschätzung der Berufung zum Bruder in unserem Orden – auch als Ergebnis der Arbeit früherer Jahre – feststellen.

·  Das „Jahr des hl. Gerhard“ (Oktober 2004 - Oktober 2005) und das „Jahr der Besinnung auf das apostolische Leben der Redemptoristen“ (November 2007- November 2008) waren eine gute Gelegenheit, uns dankbar auf die Berufung zum Bruder zu besinnen. Es gab viele Brüderversammlungen, Tagungen und andere Gelegenheiten zum Austausch persönlicher Erfahrungen. Es gab viele Einkehrtage und Begegnungen in den Regionen und (Vize)Provinzen. Die Gestalt des hl. Gerhard, aber auch anderer Brüder unseres Ordens wurden in besonderer Weise behandelt. Dies war eine Gelegenheit, das Leben und das Wirken der ersten Redemptoristenbrüder besser kennen zu lernen. Das alles führte zu einem vertieften Verständnis der besonderen Identität und Sendung der Brüder in der Kongregation und in der Kirche.

·  Die verschiedenen Treffen von Brüdern und Studenten erleichterten und begünstigten den Dialog und Austausch persönlicher und pastoraler Erfahrungen. Wir sind fest davon überzeugt, dass die Brüder häufige Treffen dieser Art haben sollten.

·  Es gab eine ausgesprochen gute Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern des Generalsekretariats für die Brüder und den Mitgliedern der regionalen Sekretariate.

·  Wir danken der Generalleitung für die ständige Unterstützung. Sie stand hinter allen unseren Vorschlägen und Vorhaben. Wir danken auch dem Zentrum für redemptoristische Spiritualität und den anderen Generalsekretariaten für die fruchtbare Zusammenarbeit und ihre Beiträge.

·  Die Lebenserfahrungen vieler Brüder, die als Beispiele eines gelungenen Lebens in unserer Kongregation publik gemacht wurden, trugen erfolgreich dazu bei, die Berufung zum Bruder und seinen Beitrag zur Sendung der Kongregation besser zu verstehen.

Schwierigkeiten und Herausforderungen

·  Die Motivation und Ermutigung der Brüder war nicht immer einfach. Die regionalen Sekretariate leisteten zwar gute Arbeit, aber Tatsache ist, dass kein Bruder für diese Aufgabe freigestellt ist. So taten wir, was wir konnten, und wir glauben, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

·  Die Förderung der Brüderberufe ist besser geworden, bleibt aber noch immer eine große Herausforderung. Wir haben nicht so viele Brüderkandidaten wie wir hofften. Wir ermuntern auch an dieser Stelle alle, sich mehr für die Berufeförderung einzusetzen.

·  Wir können sagen, dass die Programme für die Ausbildung der Brüder schon viel besser geworden sind. Wir halten jedoch dafür, dass diese Programme noch weiter intensiviert werden müssen, besonders was die Ausbildung der Brüder mit zeitlicher Profess betrifft. Die Einheiten der Kongregation sollten, wenn möglich, ein spezielles Ausbildungsprogramm für Brüder ausarbeiten. Wir schlagen vor, dass die Einheiten mit wenigen Brüdern sich zusammentun und miteinander ein Ausbildungsprogramm durchführen oder ihre Kandidaten zumindest in jene Einheiten schicken, die ein entsprechendes spezielles Ausbildungsprogramm für Brüder schon haben. Wir halten es auch für äußerst wichtig, dass die Brüder mit ewiger Profess, die Möglichkeit haben, sich auf den verschiedensten Gebieten zu spezialisieren. Solcherart wird es ihnen gelingen, noch mehr zur Sendung der Kongregation beizutragen.

·  Die regionalen Sekretariate für Europa-Süd und für Afrika hatten aus den verschiedensten Gründen eine Menge Schwierigkeiten, Brüdertreffen auf der regionalen Ebene zu organisieren. Ferner gab es auch so manche finanzielle Schwierigkeit für die Veranstaltung von Brüdertreffen in bestimmten Regionen.

·  Immer wieder müssen wir Klagen über Vorurteile und kritische Bemerkungen gegenüber Brüdern hören, die eigentlich der Vergangenheit angehören sollten. In manchen Einheiten haben die Brüder das Gefühl, von ihren Mitbrüdern und/oder Oberen nicht ausreichend unterstützt zu werden. Manche sind verzagt und mutlos, wohl auch weil sie schon älter oder krank sind. Wir machen uns große Sorgen über die Tatsache, dass manche Mitbrüder ganz offen sagen, dass der Brüderberuf im Aussterben begriffen ist, und deswegen jede Hoffnung verloren haben. Immer wieder müssen wir auch die Beobachtung machen, dass bei verschiedenen Mitbrüdern noch immer ein gewisser klerikaler Dünkel vorherrscht. Diese Mitbrüder scheinen noch immer nicht begriffen zu haben, was es bedeutet, als Ordensmann und Missionar zu leben.

·  Unsere größte Herausforderung ist jedoch die Tatsache, dass die Zahl der Brüder laufend abnimmt. Viele Brüder befinden sich im fortgeschrittenen Alter. Wir machen uns auch Sorgen über das mangelnde Durchhaltevermögen einer großen Zahl von jungen Brüdern und über die Tatsache, dass so wenige bei uns eintreten, um Bruder zu werden. Wir schlagen vor, dass das nächste Generalsekretariat diese Situation einer genauen Prüfung unterzieht, Empfehlungen ausspricht und mögliche Maßnahmen vorschlägt, um diesem Trend entgegenzusteuern.

·  Wir machen uns auch Sorgen darüber, dass die Neustrukturierung der Kongregation mit allen ihren Konsequenzen in vielen Hauskommunitäten so wenig ernst genommen wird. Oft hat man den Eindruck, dass sie nur wenigen am Herzen liegt und nicht wirklich alle Mitbrüder berührt. Solchen möchten wir dringend ans Herz legen, die Communicanda 1 dieses Sexenniums noch einmal zu lesen.

Zukunftsperspektiven

·  Wir glauben, dass es notwendig sein wird, einen ständigen Sekretär in Rom zu haben, der die Brüder intensiver begleitet, und auch mit dem Generalsekretariat und den regionalen Sekretariaten für die Brüder enger zusammenarbeitet. Das würde zu einem ständigen Dialog zwischen der Generalleitung und den Brüdern führen.

·  Es wäre gut, wenn zumindest ein Bruder – soweit möglich – Mitglied der anderen Generalsekretariate sein könnte.

·  Wir empfehlen zumindest eine Jahresversammlung der Brüder aller Einheiten der Kongregation und alle zwei bis drei Jahre ein Brüdertreffen auf regionaler Ebene. Wir schlagen auch vor, dass die Brüder aus Einheiten mit geringer Brüderanzahl an den Treffen der Brüder anderer Einheiten teilnehmen dürfen.

Schlussbetrachtungen

·  Wir danken allen Mitgliedern des Generalsekretariats und der regionalen Sekretariate für die Begleitung der Brüder. Wir danken für die Unterstützung der Generalleitung. Wir danken allen Brüdern, die mit Interesse und Enthusiasmus an so vielen Treffen teilgenommen haben und durch ihre Anwesenheit und Mitarbeit so viel zur Erneuerung der Identität des Redemptoristen-Bruders beigetragen haben.

·  Ferner möchten wir alle daran erinnern, dass die Kongregation im Jahr 2009 die 100-Jahr-Feier der Heiligsprechung des hl. Klemens M. Hofbauer, des großen Missionars und „Apostels von Wien“, sowie den 200. Geburtstag des sel. Petrus Donders, des Apostels der Aussätzigen in Surinam, begeht. Möge der missionarische Geist dieser Mitbrüder unserem Ordensleben einen neuen Schwung verleihen!

·  Schließlich möchten wir im Geist des hl. Alfons, des hl. Gerhard und aller anderen Heiligen unseres Ordens die Mitbrüder ermuntern, unsere Berufung als Ordensmänner und Missionare in Kirche und Welt treu zu leben. Wir ermuntern auch alle, ihr „Leben zu geben für die Erlösung in Fülle“ und sich für den Prozess der Neustrukturierung einzusetzen, der die persönliche Bekehrung und eine neue Geisteshaltung erfordert. Möge unsere Liebe Frau von Aparecida uns segnen und mit ihrer Fürsprache begleiten!

Eure Brüder im Heiligsten Erlöser,

Br. Jeffrey Rolle, C.Ss.R. (Vorsitzender)

Br. Michael Duxbury, C.Ss.R.

Br. Joao Batista de Viveiros, C.Ss.R.

Br. Joel de Guzmann, C.Ss.R.

Br. Benjamin Posvo, C.Ss.R.

P. Samuel Torres, C.Ss.R.

P. Enrique López, C.Ss.R. (Generalkonsultor)