Dokumente und Mitteilungen   

 

Rom, den 25. Februar 2006
Prot. N° 0000 132/04


An die Mitglieder der
Kongregation des Heiligsten Erlösers


Meine lieben Mitbrüder,

Mit Freude unterbreite ich Ihnen den Bericht  der Kommission für Neustrukturierung, der den Titel trägt: “Die Arbeit schreitet voran”. Sie werden feststellen, dass er das Ergebnis ausgedehnter Information und schöpferischer Überlegung ist. Die Mitglieder der Kommission haben hart gearbeitet! Es ist auch offenkundig, dass das Dokument keine sturen Behauptungen vorlegt, sondern nützliche Hilfe reichen will, um das Gespräch unter Redemptoristen anzuregen.

Sie erinnern sich, dass das letzte Generalkapitel verlangte, dass die Kommission für Neustrukturierung einen Zwischenbericht über ihre Arbeit vorlegt, der an den Versammlungen Mitte Sexennium diskutiert werden könne. (Orientierung 11.3). Eine erste Fassung dieses Berichtes wurde dem Generalrat im Dezember 2005 unterbreitet in einer Sitzung, an der alle Mitglieder der Kommission teilnahmen. Darauf arbeitete die Kommission hektisch, damit sie den Bericht termingerecht für die erste Regionalversammlung im Januar fertig hatte. Die weiteren Regionalversammlungen sind vorgesehen für die zweite Jahreshälfte 2006;  somit haben die Mitbrüder reichlich Zeit, um dieses Dokument zu studieren und ihrem Höheren Oberen Vorschläge zu machen.

Das Generalkapitel betrachtete die Neustrukturierung als ein Ergebnis breit angelegter Überlegung und Besprechung unter Redemptoristen. Mit diesem Ziel vor Augen bitte ich die Höheren Oberen, jedem Mitbruder seiner Einheit eine Abschrift von diesem Bericht zur Verfügung zu stellen. Das Dokument soll von den Kommunitäten studiert und eine Zusammenfassung der Eindrücke und Vorschläge an die Regionalversammlung gebracht werden. Auch in Nordamerika, wo die Regionalversammlung bereits stattgefunden hat, sollen die Gemeinschaften die Vorschläge dieses Dokumentes erörtern und ihre Ideen dem Kommissionsmitglied aus ihrer Region Pater Guy Pilote mitteilen.

Im Namen des Generalrates danke ich den Mitgliedern der Kommission für ihre harte Arbeit, die zu diesem Dokument geführt hat, und ich ermuntere sie, uns weiterhin ihre kostbare Unterstützung zu gewähren. Ich rechne auch, dass alle Redemptoristen bereit sind, diese Vorschläge zu studieren und uns zu helfen, damit wir Gottes Willen für unsere Kongregation erkennen.

Brüderlich,

Joseph W. Tobin, C.Ss.R.
Generaloberer

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Kommission für die Neustrukturierung

’Die Arbeit schreitet voran’
Einige Vorschläge und Anträge

Dezember 2005

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Vorwort

Das Thema „Unser Leben geben für die Erlösung in Fülle“, das das Generalkapitel von 2003 gewählt hat, will uns unsere Identität aufs Neue bewusst machen und unsere Berufung aufs Neue stärken. Es möchte uns einmal mehr das Leitprinzip unseres Lebens als Redemptoristen bewusst machen. Wir sollen mit unserem Lebensstil, mit unseren Worten und mit unseren apostolischen Arbeiten Zeugen für die Erlösung in Fülle sein.

In ebendiesem Geist befand das Generalkapitel, dass es an der Zeit wäre, eine Revision der Organisationsformen unserer Sendung ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Dieses Anliegen wurde als Notwendigkeit, eine Neustrukturierung in der Kongregation ins Auge zu fassen, allen geläufig.

Zurzeit gibt es 37 Provinzen, 24 Vizeprovinzen, 16 Regionen und 9 Missionen. Diese Einheiten sind in 6 Regionen zusammengefasst: Asien-Ozeanien, Afrika, Amerika (Nord und Süd) und Europa (Nord und Süd).

Die Kernfrage lautet nun: ist das die effizienteste Organisation für unsere Sendung in der heutigen Zeit?

Übrigens: verschiedene andere Kongregationen stellen sich dieselbe Frage über ihre Organisation in der heutigen Zeit.

Diese Strukturen sind historisch gewachsen, meist (aber nicht immer) als direkte Reaktion auf die Bedürfnisse der Menschen, etwa verschiedene Kulturen, verschiedene Sprachen, verschiedene pastorale Erfahrungen. „Meist als Reaktion auf die Bedürfnisse der Menschen“ – aber nicht immer – denn manchmal haben eigene interne Probleme und Zwänge zu den gegenwärtigen Strukturen geführt.

Wenn einmal vorhanden, sind diese Strukturen oft nur schwer zu ändern, selbst wenn sich die pastoralen Bedürfnisse der Menschen, für die sie ja da sind, drastisch geändert haben. Die Beibehaltung einer veralteten Struktur und der Versuch, darin zu arbeiten, kann ein großes Hindernis für einen wirksamen Einsatz aller Kräfte in unserer Sendung sein.

Aus diesem Grund gab das Generalkapitel eine diesbezügliche Überprüfung der Gesamtkongregation in Auftrag. Es ersuchte den Generalrat, eine Kommission für die Neustrukturierung einzusetzen, die am Generalkapitel 2009 entsprechende Anträge einbringen soll.

Die Kommission legt in diesem Papier allen Mitbrüdern erste Anträge vor. Diese Anträge wurden mit dem Generalrat besprochen und  im Lichte dieser Besprechungen modifiziert.

Sie werden hiermit für eine breite Diskussion unter allen Mitbrüdern und in den Treffen der (Vize)Provinzen [1] und in den sechs regionalen Treffen im Jahr 2006 veröffentlicht.

Die Diskussion auf breiter Basis ist sehr wichtig.

Im Grunde genommen gibt es einen gewichtigen Grund für die Neustrukturierung, und zwar: damit wir unsere Tradition fortsetzen können. Unsere Tradition ist alles, und unsere Tradition ist unsere Sendung. Wenn wir sagen, „Unsere Tradition ist unsere Sendung“, meinen wir nicht, dass wir alle aktiv, gesund und bereit sind, uns voll in die Arbeit zu stürzen. Viele sind alt; viele sind auf irgendeine Art bei schwacher Gesundheit. Aber nach wie vor gilt, dass für uns alle - ohne Ausnahme - „unser Leben geben für die Erlösung in Fülle“ der eigentliche Sinn des Lebens ist. Wir geben dieser Mitte unseres Lebens in den verschiedenen Lebensaltern verschiedenen Ausdruck. Das ist das Herz aller Dinge – für uns alle.

Wenn wir an uns selber glauben, dann müssen wir unsere Tradition fortsetzen und weiterentwickeln. Es genügt nicht, zu sagen, wir Redemptoristen haben in der Vergangenheit  Opfer gebracht, um den Armen das Evangelium von der Erlösung zu verkünden, den Armen, um die sich sonst niemand kümmerte. Wir müssen vielmehr sagen, wir Redemptoristen nehmen heute Opfer auf uns, um den Ärmsten und Verlassensten, das Evangelium von der Erlösung zu verkünden. Die Vorschläge für die Neustrukturierung zum Zweck einer wirksamen Ausübung unserer Sendung sind ohne Zweifel mit Opfern verbunden. Aus diesem Grund muss die Diskussion auf breiter Basis erfolgen, damit wir zu den besten Anträgen für eine wirksame Arbeit im Sinne unserer Sendung gemäß unserer Tradition kommen, denn sie wird Opfer und schwierige Entscheidungen mit sich bringen.

„Da sie verpflichtet sind, unter der Leitung der rechtmäßigen Autorität, unablässig neue pastorale Initiativen zu entwickeln, dürfen sie sich nicht an solchen Gegebenheiten und Strukturen festklammern, in denen ihre Tätigkeit nicht mehr missionarisch wäre. Vielmehr sollen sie mit missionarischem Gespür neue Wege suchen, um das Evangelium neu  zu verkünden“ (Konst. 15).

Die vorliegenden Ausführungen sind in drei Abschnitte gegliedert.

Der erste Abschnitt enthält fünf allgemeine Grundsätze. Wir bitten euch um eure Stellungnahme dazu: Sind dies die richtigen „allgemeinen Grundsätze“? Könnte man sie besser formulieren? Fehlen wichtige Grundsätze?

Der zweite Abschnitt behandelt Modelle und einige andere Auswirkungen der Neustrukturierung. Wir möchten euch fragen: Sind sie brauchbar? Gibt es andere? Was sagt ihr zur ersten noch unkonkreten Gestalt, die sich da herauszubilden beginnt?

Der dritte Abschnitt beschäftigt sich mit der Kongregation in den sechs derzeitigen geografischen Regionen. Er enthält Vorschläge und Anträge. Hier möchten wir euch bitten, zunächst eure eigenen Erfahrungen heranzuziehen: gibt es andere (bessere) Vorschläge, Anträge? Dann aber bitten wir euch, auch die anderen Bereiche zu begutachten - die Gesamtgestalt der Kongregation soll allen ein Anliegen sein.

Eure Stellungnahmen werden die Ausarbeitung dieser Anträge beeinflussen.

Euer Feedback wird von entscheidender Bedeutung für uns sein, wenn wir die Anträge für das Generalkapitel 2009 vorbereiten.

Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass die Möglichkeit besteht, mit Genehmigung der Generalleitung ad experimentum mit der Umsetzung jedes beliebigen Antrags zu beginnen.

Wir müssen zwischen Änderungen planen und Änderungen durchführen unterscheiden. Vorschläge für die Neustrukturierung gehören zur Planungsphase, und ihr alle seid eingeladen mitzudiskutieren. Das möchte dieses Papier erreichen.

Es ist wichtig, dass diese Ausführungen mit Blick auf die Communicanda 1 („Berufen, unser Leben zu geben für die Erlösung in Fülle“) gelesen werden, wo die spirituellen Beweggründe der diesbezüglichen Bemühungen in unserer Kongregation deutlicher erklärt sind.

Liebe Mitbrüder, unsere Zukunft als Redemptoristen wird so sein, wie wir sie wollen. Wir dürfen nicht einfach in Wartestellung verharren, denn unsere Entscheidungen bestimmen sie mit.

„Hoffnung bedeutet ihrem Wesen nach das Eingehen von Risiken. Ohne Hoffnung wird man kaum ein Risiko eingehen und lieber auf dem gewohnten Weg bleiben, selbst wenn es der falsche ist. Die Hoffnung jedoch gibt uns einen schöpferischen Kampfgeist und befähigt uns, dem Verlangen, uns ständig anzupassen, zu widerstehen, und Veränderungen zu wagen.“

Juan Lasso de la Vega, C.Ss.R. (Europa-Süd)
Con J. Casey, C.Ss.R. (Europe-Nord)
Brendan J. Kelly, C.Ss.R. (Asien-Ozeanien)
José Ulysses da Silva, C.Ss.R. (Lateinamerika)
Guy Pilote, C.Ss.R. (Nordamerika)
Larry Kaufmann, C.Ss.R. (Afrika)

I. Abschnitt
Fünf Leitprinzipien

1.  Wir leben heute in einer sich rasch ändernden Welt. Und genau in dieser Welt bemühen wir uns um bessere Strukturen, um im Sinne unserer Sendung tätig zu sein, nämlich mit den Armen zu sein und ihnen die Frohe Botschaft von der Erlösung in Fülle zu verkünden. Das ist der Hauptgrund und das erste Leitprinzip der Neustrukturierung der Kongregation.

I.      Die Neustrukturierung geschieht für unsere Sendung.

2.  Die Neustrukturierung führt zu einer neuen Gesinnung oder es wird nichts aus ihr. Unsere fundamentale Identität als Redemptoristen muss uns durch die sich rasch ändernde Welt, in der wir leben, neu bewusst werden. Wer sind wir? Wir sind Menschen, die im Glauben an Jesus Christus gemeinschaftlich leben und dieses Leben dem redemptoristischen Charisma geweiht haben – viel tiefer noch als jeder Bindung an eine Kultur oder Nation.

II.     Die Neustrukturierung muss ein neues Bewusstsein für unsere Identität hervorrufen und tragen, eine Änderung unserer Gesinnung im Sinne unserer Berufung, eine neue Verfügbarkeit – oder sie führt zu nichts.

3.  Einst war die Kongregation eine einzige organisatorische Einheit im Dienst unserer Sendung: der hl. Alfons und seine ersten Bemühungen, die ersten Kapitel 1743. Bald kam eine Zeit, in der die Kongregation im Wesentlichen aus zwei organisatorischen Einheiten bestand: das Werk des hl. Klemens M. Hofbauer jenseits der Alpen und die Kongregation in den Ursprungsländern Neapel und Rom. Im Jahr 1841 gab es eine Neuorganisation: die Kongregation wurde in verschiedene Provinzen geteilt, zuerst in Europa, dann auf der Welt. Diese Provinzen wurden Mitte der Siebzigerjahre, ohne dass sie ihre Identität verloren, noch einmal neu organisiert, indem die sechs geografischen Regionen gebildet wurden: Asien-Ozeanien, Afrika, Nordamerika, Lateinamerika, Europa-Süd und Europa-Nord und Ost. Man kann mit gutem Grund sagen, dass die Kongregation ohne diese Neuorganisationen im Lauf ihrer Geschichte nicht überlebt hätte.

Heute gibt es die Regionen der Kongregation aufgrund der geografischen Gegebenheiten.  In diesen geografischen Einheiten kann der heutige Mensch ein gewisses Heimatgefühl entwickeln. Doch infolge der Wanderbewegungen unserer Zeit werden diese Grenzen deutlich überschritten.

III.    Die Neustrukturierung für unsere Sendung sollte sich nach den Menschen richten. Sie sollte sowohl innerhalb der Regionen als auch die regionalen Grenzen überschreitend erfolgen, je nach den demographischen Veränderungen.

4.  In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass die Generalleitung ermächtigt wird, Mitbrüder – und, wo möglich, auch Laienmitarbeiter – zusammenzuziehen und Geldmittel bereitzustellen, wenn neue Initiativen zu ergreifen sind. Wir müssen neue Möglichkeiten finden, einen Ausgleich zwischen fixen Standorten für unsere schöpferischen Kräfte und Mittel und ihrer angemessenen Zentralisierung zu schaffen, wenn neue Initiativen oder Notstände ihren Einsatz erforderlich machen.

IV.    Die Möglichkeit, personelle und materielle Ressourcen für unsere Sendung zusammenzuziehen und sie mit einer neuen Struktur zu versehen, ist sehr wichtig.

In manchen Fällen werden sich Provinzen zusammentun, um die Arbeit in einer neuen pastoralen Notsituation aufzunehmen, um deretwillen diese neue Konzentration der Ressourcen erfolgt ist. In anderen Fällen wird die Generalleitung, mit ihrer umfassenden Verantwortung für die Sendung der Kongregation, aufgrund derer sie die Ressourcen mobilisieren kann, die notwendigen Tätigkeiten veranlassen.

V.     Ein ganz wichtiger Teil unserer Sendung einst und heute ist die theologische Aufarbeitung unserer pastoralen Erfahrungen: eine gewisse Neuverteilung unserer Ressourcen ist in dieser Hinsicht ein maßgeblicher Teil der Herausforderung zur Neustrukturierung für unsere Sendung heute.

5.  Bei den folgenden Anträgen für die Regionen Asien-Ozeanien und Afrika werden einige maßvolle Vorschläge dazu gemacht.

Die bedrohte Existenz vieler Institute des geweihten Lebens in der Kirche ist heutzutage leicht zu erkennen. Das trifft auch auf unsere Kongregation zu. Wir werden unsere Zeit kaum gut bestehen können, wenn wir uns den neuen Herausforderungen unserer Welt nicht stellen, so gut wir können.

Die Lösungen werden nicht herbeigezaubert. Wir können uns diesen Forderungen nicht stellen, ohne für die Zusammenarbeit mit den Laien und anderen Kongregationen  offen zu sein. Und es ist wohl richtig, dass wir anfangen, und dass wir beherzt anfangen. Zu diesem Zweck und Ende werden die folgenden Anträge gemacht – Region für Region.

II. Abschnitt
Die Neustrukturierung:
Einige Aspekte und Implikationen

A.    Modelle Für Die Neustrukturierung

In diesem Abschnitt stellen wir euch verschiedene Modelle für Strukturen zur Begutachtung und Stellungnahme vor. Als Modelle sollen sie einfach Denk- und Arbeitsunterlagen sein, die uns bei der Errichtung von Strukturen helfen, die unserer Sendung gemäß sind. Die Wirkung von Modellen besteht darin, dass sie unsere Phantasie ansprechen und uns befähigen, eine Verbindung herzustellen zwischen Charisma, Spiritualität und unserer Sendung auf der einen Seite und einer entsprechenden strukturellen Organisation auf der anderen. In diesem Abschnitt des vorliegenden Dokuments bilden die Modelle eine Brücke zwischen den Leitprinzipien des vorausgegangen Abschnitts und den Anträgen für die Regionen im folgenden Abschnitt. Man muss sie also in diesem Zusammenhang lesen.

Die fünf Modelle, die wir vorstellen, basieren auf den Erfahrungen der Gegenwart und der Vergangenheit, aber sie vermögen uns auch eine Vorstellung von unserem Leben als Redemptoristen im 21. Jahrhundert zu geben. Kein Modell wird dem anderen vorgezogen. (Im Gegenteil, wir laden euch ein, andere mögliche Modelle vorzuschlagen). Dabei wird uns weiterbringen, wenn wir einen Blick auf das werfen, was sie miteinander verbindet, und was nicht, angefangen vom Konzept der „Fusionierung“ zweier Einheiten (Modell 1) bis zu einem größeren Netzwerk von Einheiten, die sogar über die Grenzen der Regionen hinausgehen (Modell 5).

Die Strukturen sollen unserer Sendung dienen. Die Neustrukturierung dient der Erneuerung unserer Sendung. Wir sind daher aufgerufen, immer wieder neue Wege in der Zusammenarbeit und der gegenseitigen Hilfe im Apostolat, in der Ausbildung und bei den Finanzen zu suchen und zu finden. Die nun folgenden fünf Modelle werden als ein möglicher Ansatz für die gemeinsame Aufgabe, Änderungen zu entwickeln, vorgestellt.

1.  Die Fusionierung von Einheiten

Hier schließen sich zwei oder mehr Provinzen zu einer Provinz zusammen. Beispiele aus den letzten Jahrzehnten sind: Provinz Denver (Zusammenschluss von St. Louis und Oakland); Provinz Edmonton-Toronto (Zusammenschluss von Edmonton und Toronto); Burkina-Niger (Zusammenschluss von zwei Vizeprovinzen); Bolivien (Zusammenschluss von La Paz, Reyes, Tupiza).

Eine nähere Betrachtung dieses Werdegangs könnte hilf- und aufschlussreich sein: Was führte dazu? Hat er zu einem effektiveren Einsatz für unsere Sendung geführt? Sind die Lebens- und Arbeitsbedingungen für jüngere Mitbrüder besser geworden?

2.  Union von Einheiten unter Beibehaltung der regionalen Identität

In der neu errichteten Provinz St. Clemens sind vier Provinzen zusammenschlossen, wobei jede ihre Identität in Form einer Region mit entsprechenden Strukturen beibehält.

Es ist noch zu früh, die Effektivität dieses Modells zu beurteilen. Trotzdem wäre ein Bericht über seine Geschichte bis heute recht aufschlussreich, denn es ist ein innovatives und mutiges Experiment.

3.  Föderation von Einheiten

Diese kann man als relativ neues Modell betrachten, obwohl es schon einige Ansätze gegeben hat. Beispiele dafür sind zwei Einheiten im Nordosten Brasiliens (Fortaleza und Recife), vier Einheiten in Südostasien (Ipoh, Cebu, Manila, Bangkok), die zwei Vizeprovinzen in Paraguay und die Wiener und die Münchener Provinz. Auch hier ist der Hauptzweck des Modells (wie bei den anderen auch) der Dienst an unserer Sendung durch die Schaffung neuer Ressourcen und nicht einfach die Bewahrung alter.

In der Föderation sind die Provinzen relativ stabil zusammengeschlossen, haben aber eine losere Organisation, in der bei sonstiger Zusammenarbeit ihre Identität gewahrt bleibt, wodurch eine übermäßige Abkapselung vermieden wird. Auf diese Weise können sie Risiken auf sich nehmen und neue Initiativen ergreifen.

Die Grundzüge dieses Modells sind:

(1)    Die Mitbrüder lernen die Lebensumstände der anderen einigermaßen genau kennen. Dabei kommt es zu einem fruchtbaren Austausch von Ideen, zu Solidarität und zu gegenseitiger Unterstützung und Ermutigung, was in der praktischen Zusammenarbeit seinen Niederschlag findet.

(2)    Es gibt in den Strukturen laufend Möglichkeiten, die Ziele unserer Sendung zu klären, wobei die pastoralen Bedürfnisse der Menschen den Vorrang haben.

(3)    Es gibt ein adäquates Minimum an Strukturen für Entscheidungen: vielleicht ein „Präses“, der ernannt wird, oder eine ständige Kommission und eine jährliche Versammlung nach Art eines Kapitels mit Entscheidungsbefugnis.

Auch hier sind eure Stellungnahmen sehr willkommen, insbesondere auch zur Frage, wie die entscheidungstragenden Strukturen zu verbessern sind. Welche Implikationen hat dieses Modell im Hinblick auf die Vielzahl an Sprachen und die Pluralität an Kirchen (wie in Konst. 1 beschrieben)?

4.  Konferenzen

Hier beschreiben wir ein neues Modell, das in unseren Beratungen als Kommission entwickelt wurde. Der Gedanke zu diesem Modell kam uns bei den Besprechungen der sechs großen Regionen. Wie bereits im Vorwort erwähnt, sind diese Regionen eine relativ neue Struktur in der Kongregation (ca. aus den 70er-Jahren) und sind in unseren Konstitutionen noch nicht erwähnt. Wir haben uns die Frage gestellt: dienen die Regionen unserer Sendung? Wenn ja, oder wenn wir bei den größeren regionalen Strukturen bleiben wollen, welcher Aspekt würde dann unsere Sendung am meisten unterstützen?

Als Antwort schlagen wir das kirchliche Konzept einer „Konferenz“ vor, die der Zusammenschluss der Einheiten in einer Region oder Subregion wäre (oder, im Fall von ganz Europa, der Zusammenschluss zweier Regionen), mit größeren Entscheidungs- und Durchführungsbefugnissen als derzeit innerhalb der Regionen. Diese Konferenz würde durch die Auseinandersetzung mit größeren pastoralen Anliegen und Herausforderungen motiviert, wie z.B. die Säkularisation und die Migrationen. So könnte man von einer Konferenz der Redemptoristen Brasiliens, einer Konferenz der Redemptoristen ganz Europas usw. sprechen.

Kurz gesagt, der Hauptunterschied zwischen einer bereits existierenden Region und einer Konferenz besteht in der Befugnis, Beschlüsse zu fassen und auszuführen. Das kann auch Auswirkungen auf die Zusammensetzung des Generalkapitels und der Generalleitung haben.

Da dieses und das nächste Modell relativ neu sind – und in gewissem Maß an die Stelle der Regionen treten – ersuchen wir euch hier um ein gutes Durchdenken dieser Modelle, um euer Feedback und um Vorschläge für weitere Überlegungen.

5.  Netzwerk von Einheiten

Hier ist ein internationales Netzwerk, oder „Bündnis“ aller Einheiten ins Auge gefasst, die der Sendung der Kongregation in einem bestimmten Gebiet bereits verpflichtet sind, oder sich dafür interessieren.

Mit „ einem bestimmten Gebiet“ beziehen wir uns auf zwei Möglichkeiten: (1) ein bestimmtes geografisches Gebiet, wie z.B. der Kontinent Afrika; (2) ein pastorales Notstandsgebiet mit speziellen Herausforderungen, wie z.B. die Evangelisierung in einer säkularisierten Welt.

Der Punkt (1) wird später genauer behandelt, wenn wir für Afrika den folgenden Antrag stellen:

Wir beantragen die Errichtung eines internationalen Netzwerks aller Einheiten, die in Afrika im Sinne der Sendung unserer Kongregation bereits engagiert sind, und anderer, die sich in der Zukunft eventuell in Afrika engagieren wollen.

Das Vernetzungsgremium würde sich regelmäßig treffen, um die Herausforderungen an unsere Sendung in diesem Gebiet besser kennen zu lernen, um sich über gemeinsame Anliegen und Vorgangsweisen auszutauschen, um finanzielle Mittel zu verteilen, und um eine Einrichtung zur Einführung verschiedener Initiativen und Strukturen zu werden. Dies würde sowohl für ein Netzwerk für ein geografisches Gebiet als auch für ein Netzwerk für eine bestimmte pastorale Herausforderung gelten.

Wir sind überzeugt, dass dieses Netzwerk-Modell effektiver wäre und die Solidarität deutlicher zum Ausdruck bringen würde, als wenn Einheiten parallel nebeneinander arbeiten würden, wie es in der Vergangenheit der Fall war.

Eure Stellungnahme zu diesen Modellen

Wir appellieren noch einmal an euch, diese Modelle in euren Kommunitäten, Einheiten und Regionaltreffen zu besprechen und uns mitzuteilen, ob und wie sie am effektivsten der Weiterführung der Sendung der Kongregation dienen können.

B.    Die Generalleitung

Um uns für unsere Sendung neu und besser zu organisieren, müssen wir die Autorität, die der Generalleitung in unseren Konstitutionen verliehen wurde, anerkennen. Daher werden wir, was unsere Antwort auf neue pastorale Herausforderungen, neue Missionsmethoden oder neue Modelle für die Strukturierung unserer Sendung betrifft, die Initiativen der Generalleitung akzeptieren und unterstützen. Das ist sehr wichtig. Wir sind eine internationale Kongregation, die in einem Zeitalter wachsender Globalisierung lebt. Die internationale Solidarität bei der Ausübung unserer Sendung ist auf dem Weg in das 21. Jahrhundert von entscheidender Bedeutung, und die Generalleitung hat eine besondere Aufgabe und Sendung dabei.

Wenn wir das sagen, möchten wir den Initiativen und der Verantwortung der Einheiten für unsere Sendung keinen Abbruch tun. Wir sind überzeugt, dass dieses Dokument das ausreichend tut. Dennoch wird ein wesentlicher Aspekt der Neustrukturierung in der Beachtung der Rolle und Autorität der Generalleitung liegen.

C.    Internationale Kommunitäten Und Mit Anderen Kongregationen Gemeinsame Kommunitäten

Wo unsere Sendung es erforderlich macht, müssen wir bereit sein, unter Beachtung der verschiedenen oben vorgeschlagenen Modelle internationale Kommunitäten zu bilden. Das Konzept internationaler Kommunitäten regt nach wie vor die Fantasie vieler Mitbrüder an, muss aber im Hinblick auf eine entsprechende Vorbereitung und im Hinblick auf die Frage, wer die Autorität und die Verantwortung hat, und wie die finanziellen Mittel zu verteilen sind, noch genauer geprüft werden.

Was würdet ihr hinsichtlich internationaler Kommunitäten raten und vorschlagen?

Damit verbunden, wobei aber immer die Dringlichkeit unserer Aufgabe und Sendung das Hauptmotiv bleibt, sind das Konzept von mit anderen Kongregationen gemeinsamen Kommunitäten und die damit gemachten Erfahrungen, die noch weiter geprüft werden müssen. Wir müssen auch der Zusammenarbeit mit den Laien und ihren Möglichkeiten in den Überlegungen in unserem apostolischen Gemeinschaftsleben große Aufmerksamkeit schenken.

III. Abschnitt
Die Regionen

Einleitung

In diesem Abschnitt unterbreiten wir Anträge für jede Region. Wir bitten euch, diese Anträge zu überdenken, und würden uns über Rückmeldungen freuen. Sehr willkommen sind auch Vorschläge für andere Anträge, die uns helfen würden, unsere Sendung effektiver zu restrukturieren. Es wird vielleicht am besten sein, mit den Anträgen für eure eigene Region zu beginnen, aber wir möchten euch auch einladen, über die Anträge bezüglich aller Regionen nachzudenken.

Euriopa-Nord Und Europa-Süd

In Europa sind unsere Provinzen zurzeit in zwei Regionen organisiert, Europa-Nord und Europa-Süd. Die Kommission behandelt im Folgenden diese zwei Regionen wie eine: das ist wichtig. Wir sind der Meinung, dass die Provinzen dieser Regionen neue Arten der Zusammenarbeit über die Regionen hinweg finden müssen, und schließlich zu einer einzigen Region werden.

Anträge

1.  Ein Blick auf Europa als Ganzes zeigt, dass die größte Herausforderung für die Kongregation darin besteht, die Mitbrüder von der Zersplitterung, Isolation und dem Überlebenskampf zu einem gemeinsamen Sendungsbewusstsein zu führen.

Wir dürfen nicht vergessen, dass die Gefahr besteht, dass die Kongregation in weiten Teilen Europas ausstirbt.

Wir dürfen auch nicht vergessen, dass viele Menschen im Herzen Europas regelrecht verarmt sind - religiös, kulturell und wirtschaftlich.

Wir stellen den Antrag, dass die (Vize)Provinzen in Europa (beide Regionen gemeinsam), von der kirchlichen Führung dazu gerufen, nach Strategien für einen Beitrag der Redemptoristen zu einer „neuen Evangelisierung Europas“ suchen, und bitten, dass die regionalen Treffen 2006 in Europa-Nord und Europa-Süd eine Kommission einsetzen, um ein Kolloquium zum Thema „Der Beitrag der Redemptoristen zu einer Neuevangelisierung Europas“ zu veranstalten.

Wir schlagen vor, dass dieses Kolloquium 2007 stattfindet.

Wobei – neben vielem Anderen – zu beachten wären:

-    die Möglichkeiten, die die Heiligtümer und Wallfahrtsorte den Redemptoristen in diesem Zusammenhang bieten;

-    die religiös, kulturell und wirtschaftlich verarmten Gebiete gerade im Herzen Europas (z.B. gewisse Gegenden im Osten Deutschlands und in der Tschechischen Republik): die besondere Sorge der Redemptoristen um die Verlassensten hat hier eine zentrale Bedeutung.

Wir wissen um die Schwierigkeit, ein derartiges Kolloquium zu veranstalten. Es besteht die Gefahr, dass es bloß zu einer oberflächlichen und realitätsfernen Quatscherei wird. Man wird ein beträchtliches Geschick brauchen, um diese Gefahr zu vermeiden. Wir sind jedoch der Meinung, dass dieses Risiko trotz der möglichen Fallstricke eingegangen werden muss.

2.  Wir beantragen den Aufbau einer neuen, einheitlichen Migrantenseelsorge der Redemptoristen in ganz Europa, vornehmlich bei den Katholiken.

Es ist klar, dass diese Seelsorge in Zusammenarbeit mit Laienmitarbeitern und mit anderen Kongregationen durchgeführt werden muss. Es ist auch klar, dass die (Vize)Provinzen für diese einheitliche Seelsorge in ganz Europa neue Wege der Zusammenarbeit finden müssen. Sie wird auch eine Zusammenarbeit mit den Provinzen anderer Regionen erforderlich machen.

3.  Wir stellen den Antrag, dass die (Vize)Provinzen Europas ein internationales Netzwerk für die Jugendseelsorge errichten.

4.  Wir stellen den Antrag, dass die beiden Regionen vorläufig so bleiben wie sie sind.

Der Grund dafür liegt darin, dass die Zwei-Regionen-Struktur gegenwärtig doch auch gewisse Früchte zeitigt. In Südeuropa trägt sie die erste Ausbildung und bis zu einem gewissen Grad auch die Weiterbildung. In Nordeuropa knüpft sie nützliche Bande zwischen (Vize)Provinzen, die in der jüngsten Vergangenheit voneinander getrennt oder isoliert waren.

Es gibt jedoch andere wichtige Funktionen und andere wichtige organisatorische Erfordernisse, die von der gegenwärtigen Zwei-Regionen-Struktur nicht gut abgedeckt werden. Es fehlt eine neue einheitliche Vision für unsere Sendung in Europa. Wir sind der Meinung, dass die Provinzen dieser Regionen neue Wege der Zusammenarbeit über die Grenzen der Regionen hinweg finden müssen - und letztendlich vielleicht zu einer Region werden. Wir bitten um einen diesbezüglichen Ratschlag eurerseits.

Asien-Ozeanien

Die Mitbrüder der Region Asien-Ozeanien arbeiten in einem Gebiet von großer kultureller Vielfalt, großer räumlicher Ausdehnung und inmitten riesiger Bevölkerungen. Die Kommission ist sich der Komplexität dieser Gegebenheiten bewusst. Diese Komplexität führt zu bestimmten Herausforderungen und Schwierigkeiten, wenn eine Reorganisierung oder Restrukturierung ansteht. Zur Förderung einer besseren Kommunikation und Interaktion wurde die Region in den letzten Jahren in vier (4) Subregionen unterteilt. Diese Subregionen waren bei der Ermöglichung einer größeren Zusammenarbeit zwischen den Einheiten der Region bis zu einem gewissen Grad erfolgreich. Dennoch ist die Kommission der festen Überzeugung, dass die Reorganisation in den Subregionen durch eine Zusammenarbeit der Einheiten auf der Ebene der Gesamtregion und nicht auf der Ebene der Subregionen erleichtert würde. Wir sind überzeugt, dass dies zu einem ausgeprägteren Sendungsbewusstsein der Redemptoristen in Asien-Ozeanien führen würde. Es würde auch die Gefahr vermieden, dass sich irgendeine bestimmte Einheit der Kongregation isoliert oder ohne Rückhalt fühlt. Diese Reorganisation würde auch eine größere Zusammenarbeit und Solidarität innerhalb der Region, den Austausch von Ideen und Strategien für die Evangelisierung fördern, und die Region befähigen, über ihre eigenen Grenzen zu blicken.

Die Kommission stellt folgende Anträge:

1.  Dass die gegenwärtige Region Asien-Ozeanien in die Konferenz der Redemptoristen von Asien-Ozeanien umgewandelt werde. Alle Einheiten der derzeitigen Region gehören zu dieser Konferenz, deren höhere Obere sich regelmäßig (jährlich) treffen, um Entscheidungen bezüglich des apostolischen Lebens der Redemptoristen im Zuständigkeitsbereich dieser Konferenz zu treffen, zu überwachen, zu überdenken und zu diskutieren. Die interne Leitungs- und Entscheidungsgewalt erfordert noch weitere Überlegungen und Diskussionen. Dazu möchten wir euch um euren Rat bitten.

1.1     Es gibt da noch spezielle Erfordernisse im Bereich der Konferenz, die angesprochen werden müssen wie z.B. die erste Ausbildung, neue pastorale Initiativen, Finanzen und die Möglichkeit, auf Bitten um Neugründungen in Ländern, in denen wir noch nicht vertreten sind, einzugehen. Die Kommission stellt den Antrag, dass im Bereich der Konferenz eine „Föderation“ zwischen bestimmten Einheiten gebildet werde, um auf diese Erfordernisse wirksamer reagieren zu können. Beispiele einer derartigen Föderation wären die derzeitigen Vereinbarungen zwischen Cebu, Manila, Bangkok, Ipoh und Canberra bezüglich der ersten Ausbildung und zwischen Ipoh, Indonesien und Cebu, was die Mission in Borneo betrifft. Allerdings sind weitere Überlegungen über die Entscheidungsgewalt in solchen Föderationen erforderlich. Auch in dieser Angelegenheit bitten wir euch um euren Rat.

1.2     Es gibt spezielle Herausforderungen für die Verkündigung des Evangeliums in manchen Ländern dieser Region, die total säkularisiert und konsumorientiert sind, wie Australien, Japan und Neuseeland. Die Kommission stellt den Antrag, dass ein „Netzwerk“ errichtet werde, in dem Mitbrüder aus diesen Einheiten einander treffen und sich mit Mitbrüdern aus anderen Regionen, die in ähnlichen Situationen leben und arbeiten, austauschen, z.B. Mitbrüdern in Südafrika, London, Dublin und die Region Nordamerika. Ein ähnliches Netzwerk könnte errichtet werden, um z.B. die Frage zu überlegen, wie man am besten auf die pastoralen Bedürfnisse der indigenen Bevölkerung dieser Region eingehen könnte.

2.  Gemäß unserem Leitprinzip Nr. 5 ersucht die Kommission das regionale Treffen im Juli 2006, eine Kommission einzusetzen mit dem Auftrag, ein Kolloquium unter dem Titel „Die Sendung der Redemptoristen in Asien-Ozeanien im 21. Jahrhundert“ zu veranstalten, um den Einheiten der Region Mittel und Wege aufzuzeigen, wie sie am besten auf die pastoralen Bedürfnisse der Menschen der Region eingehen können, und um Strategien zur Förderung ihres Engagements zu entwickeln, aber immer mit dem Bewusstsein, dass wir den Auftrag haben, das Evangelium den Armen und Verlassensten zu verkünden.

2.1     Das Kolloquium wird auch der Bedeutung der Heiligtümer Baclaran und Singapur   gebührende Aufmerksamkeit schenken und konkrete Entscheidungen darüber im Auge behalten, wie wir unsere Präsenz an diesen Orten verstärken und unser Engagement für diese beiden wichtigen Aspekte unserer Tradition und Sendung in Asien-Ozeanien erneuern können. Wir hoffen, dass schlussendlich eine Kommission auf der Ebene der Kongregation aufgestellt wird, um eine umfassende Entwicklung unserer Heiligtümer zu fördern.

Wir wissen um die Schwierigkeit, ein derartiges Kolloquium zu veranstalten. Es besteht die Gefahr, dass es bloß zu einer oberflächlichen und realitätsfernen Quatscherei wird. Man wird ein beträchtliches Geschick brauchen, um diese Gefahr zu vermeiden. Wir sind jedoch der Meinung, dass dieses Risiko trotz der möglichen Fallstricke eingegangen werden muss.

3.  Die theologische Reflexion pastoraler „Grenz“-Erfahrungen ist ein wichtiger Teil unseres alfonsianischen Erbes. In Asien-Ozeanien sehen sich die Mitbrüder ständig entwürdigender Armut, religiösem Fundamentalismus, militantem Nationalismus, der Missachtung der Menschenrechte und der Zerstörung der Umwelt gegenüber. Der Dialog des Christentums mit anderen Religionen ist ein zentrales Anliegen.

Wir beantragen die Errichtung eines theologischen Zentrums für die Reflexion von Fragen, die für die heutige Missiologie von entscheidender Bedeutung sind, insbesondere für den Dialog mit den Kulturen, den Religionen und den Armen. Dieses Zentrum wird zwar in Asien-Ozeanien errichtet, soll aber als Projekt der Gesamtkongregation im Dienst der Gesamtkongregation betrachtet werden. Dies soll bei der Zuteilung von Geldmittel und Personal bedacht werden.

Nordamerika

Was wir in der Kongregation die nordamerikanische Region nennen, zeigt sich in einer Inhomogenität und Komplexität, die wir nicht aus den Augen verlieren dürfen. Wir haben da z. B. die (Vize)Provinzen in den Vereinigten Staaten, in Kanada, die Provinz Yorkton (die praktisch eine Kirche für sich ist). Es gibt Kommunitäten brasilianischer Mitbrüder und polnischer Mitbrüder im Dienst spezieller Erfordernisse, und da gibt es auch noch die Mitbrüder der Vizeprovinz Extra Patriam. Ein gutes Programm einer Neustrukturierung für die Zukunft darf diese Inhomogenität nicht übersehen.

Die (Vize)Provinzen der nordamerikanischen Region haben in den letzten Jahren eine wichtige Neustrukturierung ihrer (Vize)Provinzen, ihrer Ausbildungsstätten und ihrer Seelsorge durchgeführt. Dies geschah infolge eines drastischen Mitgliederschwunds, war aber auch – o felix culpa – der Beginn von neuen seelsorglichen Initiativen und viel effizienter Zusammenarbeit z.B. in der Ausbildung.

Man hat sich sehr um die Neustrukturierung innerhalb der Provinzen und um die Bildung einer Union von Provinzen bemüht. Das erforderte einen großen Kraftaufwand und fast zwangsläufig mussten viele Anstrengungen für interne Vereinbarungen unternommen werden.

1.  Wir stellen den Antrag, dass die (Vize)Provinzen der Region ein Kolloquium veranstalten über das Thema „Die Sendung der Redemptoristen im heutigen Nordamerika: eine Suche nach einer gemeinsamen Vision“.

Unter Bedachtnahme auf (neben vielem Anderen, das zu bedenken wäre):

·       die Inhomogenität der „Region“;

·       das redemptoristische Gespür für Menschen, die nicht zur Kirche gehören, sollte eine zentrale Bedeutung einnehmen, ebenso die neuen Evangelisierungsbewegungen;

·       die Herausforderung, das Evangelium in säkularisierten und konsumorientierten Kulturen zu verkünden.

Wir wissen um die Gefahr, dass dieses Kolloquium bloß zu einer oberflächlichen und realitätsfernen Quatscherei wird, und dass man ein beträchtliches Geschick brauchen wird, um diese Gefahr zu vermeiden. Wir geben auch zu, dass dies viel Energie braucht, die man nicht immer aufbringen kann. Trotz der möglichen Fallstricke machen wir diesen Vorschlag, weil wir überzeugt sind, dass man dieses Risiko eingehen kann.

2.  Die Neustrukturierung für die Zukunft sollte die Inhomogenität in der Region sowie die Zusammenarbeit aller auf regionaler Ebene unterstützen.

Könnte es sein, dass in manchen Fällen eine Zusammenarbeit nach dem vorgeschlagenen Modell der „Föderation“ für manche Gruppen von (Vize)Provinzen eine gute Lösung wäre?

Das würde durchaus zu den Vorteilen der Zusammenarbeit auf regionaler Ebene passen (als regionale „Konferenz“), die in den letzten Jahren so erfolgreich entwickelt wurde.

3.  Nordamerika ist ein wichtiges Ziel für Zuwanderer, von denen viele katholisch sind.

Wir beantragen die Bildung einer nordamerikanischen Kommission für den Ausbau der Migrantenseelsorge der Redemptoristen in ganz Nordamerika.

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird dies die Zusammenarbeit mit (Vize)Provinzen in anderen Regionen erforderlich machen, und es ist auch klar, dass diese Aufgabe auch in Zusammenarbeit mit Laienmitarbeitern und mit anderen Kongregationen angegangen werden müsste. Man wird auch mit den Migrantenseelsorgern der Redemptoristen in anderen Regionen Verbindung aufnehmen müssen.

Ein Teil dieser Seelsorgsarbeit wird auch die Berufepastoral bei den Zuwanderern sein.

4.  Die Provinzen von Nordamerika haben eine lange Tradition in der Unterstützung der Entwicklung anderer Provinzen besonders solcher, die es am meisten brauchen. Eine Möglichkeit der Weiterführung dieser Tradition könnte die Überlegung sein, mit anderen Provinzen bei bestimmten Unternehmen zusammenzuarbeiten.

Im Abschnitt über Afrika wird beantragt, dass Provinzen, die die Verantwortung für Projekte in dieser Region tragen (oder Provinzen, die diese Region betreuen und unterstützen wollen) als Bündnis oder Netzwerk zusammenarbeiten. Dieses Netzwerk wäre ein Medium für die Entfaltung, Unterstützung und Sorge für die Sendung der Redemptoristen in Afrika und ein Forum für wechselseitiges Lernen und gegenseitige Bereicherung.

5.  Wir stellen den Antrag, dass der Beschluss, eine internationale Kommunität für das Apostolat am Heiligtum von Sainte-Anne de Beaupré zu gründen, unterstützt wird.

6.  Die Mitbrüder der Vizeprovinz Extra Patriam arbeiten in besonderen pastoralen Notständen, doch besteht die Gefahr der Isolation. Wir stellen den Antrag, dass die Leitung der Vizeprovinz Extra Patriam Mitbrüder aus anderen (Vize)Provinzen der Region einlädt, sie zu besuchen, damit sie ihr Leben und Arbeiten besser kennen lernen. Manche Gemeinschaftsunternehmen, aus denen beide Seiten Nutzen ziehen könnten, sollten überlegt werden.

Lateinamerika und die Karibik

In dieser Region lebt ungefähr ein Drittel der Mitglieder der Kongregation. Ihre Weiterentwicklung ist besonders bedeutungsvoll, ihre Strukturen sind für eine effiziente Ausübung unserer Sendung besonders wichtig.

Die Region Lateinamerika und die Karibik ist nicht viel auf der Ebene regionaler Zusammenkünfte tätig. Erfolgreiche Bemühungen um die gemeinsame Organisation der Ausbildung und der Arbeit im Sinne unserer Sendung über die Grenzen der Provinzen hinweg werden vielmehr auf der Ebene der drei Subregionen unternommen. Diese Subregionen sind: Die Union der Redemptoristen Brasiliens (Union of Redemptorists of Brazil – URB), die Subregion Nord-Lateinamerika und die Karibik, und die Union der Redemptoristen Süd-Lateinamerikas (Union of Redemptorists of South Latin America – URSAL). In diesen Subregionen findet eine effiziente Zusammenarbeit statt, und zwar in der ersten Ausbildung, in der Weiterbildung und in der Bereitschaft, auftauchende Probleme gemeinsam zu lösen.

Allerdings muss noch viel getan werden. In jeder Subregion gibt es Einheiten, die in ihrer Existenz bedroht sind, und gibt es Einheiten, die sich bei der Zusammenarbeit schwer tun (wegen unterschiedlicher Mentalitäten oder Vorgeschichten). Es gibt auch Schwierigkeiten auf regionaler und subregionaler Ebene bei der Fassung und Durchführung von Beschlüssen für eine wirksame Ausübung unserer Sendung.