Rom, den 25. Februar 2006
Prot. N° 0000 132/04
An die Mitglieder der
Kongregation des Heiligsten Erlösers
Meine lieben Mitbrüder,
Mit Freude unterbreite ich Ihnen den Bericht der Kommission für Neustrukturierung, der den
Titel trägt: “Die Arbeit schreitet voran”.
Sie werden feststellen, dass er das Ergebnis
ausgedehnter Information und schöpferischer
Überlegung ist. Die Mitglieder der Kommission
haben hart gearbeitet! Es ist auch offenkundig,
dass das Dokument keine sturen Behauptungen
vorlegt, sondern nützliche Hilfe reichen will,
um das Gespräch unter Redemptoristen anzuregen.
Sie erinnern sich, dass das letzte Generalkapitel verlangte,
dass die Kommission für Neustrukturierung
einen Zwischenbericht über ihre Arbeit vorlegt,
der an den Versammlungen Mitte Sexennium diskutiert
werden könne. (Orientierung 11.3). Eine erste
Fassung dieses Berichtes wurde dem Generalrat
im Dezember 2005 unterbreitet in einer Sitzung,
an der alle Mitglieder der Kommission teilnahmen.
Darauf arbeitete die Kommission hektisch,
damit sie den Bericht termingerecht für die
erste Regionalversammlung im Januar fertig
hatte. Die weiteren Regionalversammlungen
sind vorgesehen für die zweite Jahreshälfte
2006; somit
haben die Mitbrüder reichlich Zeit, um dieses
Dokument zu studieren und ihrem Höheren Oberen
Vorschläge zu machen.
Das Generalkapitel betrachtete die Neustrukturierung als
ein Ergebnis breit angelegter Überlegung und
Besprechung unter Redemptoristen. Mit diesem
Ziel vor Augen bitte ich die Höheren Oberen,
jedem Mitbruder seiner Einheit eine Abschrift
von diesem Bericht zur Verfügung zu stellen.
Das Dokument soll von den Kommunitäten studiert
und eine Zusammenfassung der Eindrücke und
Vorschläge an die Regionalversammlung gebracht
werden. Auch in Nordamerika, wo die Regionalversammlung
bereits stattgefunden hat, sollen die Gemeinschaften
die Vorschläge dieses Dokumentes erörtern
und ihre Ideen dem Kommissionsmitglied aus
ihrer Region Pater Guy Pilote mitteilen.
Im Namen des Generalrates danke ich den Mitgliedern der
Kommission für ihre harte Arbeit, die zu diesem
Dokument geführt hat, und ich ermuntere sie,
uns weiterhin ihre kostbare Unterstützung
zu gewähren. Ich rechne auch, dass alle Redemptoristen
bereit sind, diese Vorschläge zu studieren
und uns zu helfen, damit wir Gottes Willen
für unsere Kongregation erkennen.
Brüderlich,
Joseph W. Tobin, C.Ss.R.
Generaloberer
______________________
Kommission
für die Neustrukturierung
’Die Arbeit schreitet voran’
Einige Vorschläge und Anträge
Dezember
2005
_______________________
Vorwort
Das Thema „Unser Leben geben für die Erlösung in
Fülle“, das das Generalkapitel von 2003 gewählt
hat, will uns unsere Identität aufs Neue bewusst
machen und unsere Berufung aufs Neue stärken.
Es möchte uns einmal mehr das Leitprinzip
unseres Lebens als Redemptoristen bewusst
machen. Wir sollen mit unserem Lebensstil,
mit unseren Worten und mit unseren apostolischen
Arbeiten Zeugen für die Erlösung in Fülle
sein.
In ebendiesem Geist befand das Generalkapitel, dass
es an der Zeit wäre, eine Revision
der Organisationsformen unserer Sendung ernsthaft
in Erwägung zu ziehen. Dieses Anliegen wurde
als Notwendigkeit, eine Neustrukturierung
in der Kongregation ins Auge zu fassen, allen
geläufig.
Zurzeit gibt es 37 Provinzen, 24 Vizeprovinzen, 16
Regionen und 9 Missionen. Diese Einheiten
sind in 6 Regionen zusammengefasst: Asien-Ozeanien,
Afrika, Amerika (Nord und Süd) und Europa
(Nord und Süd).
Die Kernfrage lautet nun: ist das die effizienteste
Organisation für unsere Sendung in der heutigen
Zeit?
Übrigens: verschiedene andere Kongregationen stellen
sich dieselbe Frage über ihre Organisation
in der heutigen Zeit.
Diese Strukturen sind historisch gewachsen, meist
(aber nicht immer) als direkte Reaktion auf
die Bedürfnisse der Menschen, etwa verschiedene
Kulturen, verschiedene Sprachen, verschiedene
pastorale Erfahrungen. „Meist als Reaktion
auf die Bedürfnisse der Menschen“ – aber nicht
immer – denn manchmal haben eigene interne
Probleme und Zwänge zu den gegenwärtigen Strukturen
geführt.
Wenn einmal vorhanden, sind diese Strukturen oft
nur schwer zu ändern, selbst wenn sich die
pastoralen Bedürfnisse der Menschen, für die
sie ja da sind, drastisch geändert haben.
Die Beibehaltung einer veralteten Struktur
und der Versuch, darin zu arbeiten, kann ein
großes Hindernis für einen wirksamen Einsatz
aller Kräfte in unserer Sendung sein.
Aus diesem Grund gab das Generalkapitel eine diesbezügliche
Überprüfung der Gesamtkongregation in Auftrag.
Es ersuchte den Generalrat, eine Kommission
für die Neustrukturierung einzusetzen, die
am Generalkapitel 2009 entsprechende Anträge
einbringen soll.
Die Kommission legt in diesem Papier allen Mitbrüdern
erste Anträge vor. Diese Anträge wurden mit
dem Generalrat besprochen und im
Lichte dieser Besprechungen modifiziert.
Sie werden hiermit für eine breite Diskussion unter
allen Mitbrüdern und in den Treffen der (Vize)Provinzen
[1]
und in den sechs regionalen
Treffen im Jahr 2006 veröffentlicht.
Die Diskussion auf breiter Basis ist sehr wichtig.
Im Grunde genommen gibt es einen gewichtigen Grund
für die Neustrukturierung, und zwar: damit
wir unsere Tradition fortsetzen können. Unsere
Tradition ist alles, und unsere Tradition
ist unsere Sendung. Wenn wir sagen, „Unsere
Tradition ist unsere Sendung“, meinen wir
nicht, dass wir alle aktiv, gesund und bereit
sind, uns voll in die Arbeit zu stürzen. Viele
sind alt; viele sind auf irgendeine Art bei
schwacher Gesundheit. Aber nach wie vor gilt,
dass für uns alle - ohne Ausnahme - „unser
Leben geben für die Erlösung in Fülle“ der
eigentliche Sinn des Lebens ist. Wir geben
dieser Mitte unseres Lebens in den verschiedenen
Lebensaltern verschiedenen Ausdruck. Das ist
das Herz aller Dinge – für uns alle.
Wenn wir an uns selber glauben, dann müssen wir unsere
Tradition fortsetzen und weiterentwickeln.
Es genügt nicht, zu sagen, wir Redemptoristen
haben in der Vergangenheit Opfer gebracht, um den Armen das Evangelium von
der Erlösung zu verkünden, den Armen, um die
sich sonst niemand kümmerte. Wir müssen vielmehr
sagen, wir Redemptoristen nehmen heute
Opfer auf uns, um den Ärmsten und Verlassensten,
das Evangelium von der Erlösung zu verkünden.
Die Vorschläge für die Neustrukturierung zum
Zweck einer wirksamen Ausübung unserer Sendung
sind ohne Zweifel mit Opfern verbunden. Aus
diesem Grund muss die Diskussion auf breiter
Basis erfolgen, damit wir zu den besten Anträgen
für eine wirksame Arbeit im Sinne unserer
Sendung gemäß unserer Tradition kommen, denn
sie wird Opfer und schwierige Entscheidungen
mit sich bringen.
„Da sie verpflichtet sind, unter der Leitung der rechtmäßigen Autorität,
unablässig neue pastorale Initiativen zu entwickeln,
dürfen sie sich nicht an solchen Gegebenheiten
und Strukturen festklammern, in denen ihre
Tätigkeit nicht mehr missionarisch wäre. Vielmehr
sollen sie mit missionarischem Gespür neue
Wege suchen, um das Evangelium neu
zu verkünden“ (Konst. 15).
Die vorliegenden Ausführungen sind in drei Abschnitte gegliedert.
Der erste Abschnitt enthält fünf allgemeine Grundsätze. Wir bitten euch
um eure Stellungnahme dazu: Sind dies die
richtigen „allgemeinen Grundsätze“? Könnte
man sie besser formulieren? Fehlen wichtige
Grundsätze?
Der zweite Abschnitt behandelt Modelle und einige andere Auswirkungen der
Neustrukturierung. Wir möchten euch fragen:
Sind sie brauchbar? Gibt es andere? Was sagt
ihr zur ersten noch unkonkreten Gestalt, die
sich da herauszubilden beginnt?
Der dritte Abschnitt beschäftigt sich mit der Kongregation in den sechs
derzeitigen geografischen Regionen. Er enthält
Vorschläge und Anträge. Hier möchten wir euch
bitten, zunächst eure eigenen Erfahrungen
heranzuziehen: gibt es andere (bessere) Vorschläge,
Anträge? Dann aber bitten wir euch, auch die
anderen Bereiche zu begutachten - die Gesamtgestalt
der Kongregation soll allen ein Anliegen sein.
Eure Stellungnahmen werden die Ausarbeitung dieser
Anträge beeinflussen.
Euer Feedback wird von entscheidender Bedeutung für
uns sein, wenn wir die Anträge für das Generalkapitel
2009 vorbereiten.
Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass die Möglichkeit
besteht, mit Genehmigung der Generalleitung
ad experimentum mit der Umsetzung jedes beliebigen
Antrags zu beginnen.
Wir müssen zwischen Änderungen planen und Änderungen durchführen unterscheiden. Vorschläge
für die Neustrukturierung gehören zur Planungsphase,
und ihr alle seid eingeladen mitzudiskutieren.
Das möchte dieses Papier erreichen.
Es ist wichtig, dass diese Ausführungen mit Blick
auf die Communicanda
1 („Berufen, unser Leben zu geben für
die Erlösung in Fülle“) gelesen werden, wo
die spirituellen Beweggründe der diesbezüglichen
Bemühungen in unserer Kongregation deutlicher
erklärt sind.
Liebe Mitbrüder, unsere Zukunft als Redemptoristen
wird so sein, wie wir sie wollen. Wir dürfen
nicht einfach in Wartestellung verharren,
denn unsere Entscheidungen bestimmen sie mit.
„Hoffnung bedeutet ihrem Wesen nach das Eingehen
von Risiken. Ohne Hoffnung wird man kaum ein
Risiko eingehen und lieber auf dem gewohnten
Weg bleiben, selbst wenn es der falsche ist.
Die Hoffnung jedoch gibt uns einen schöpferischen
Kampfgeist und befähigt uns, dem Verlangen,
uns ständig anzupassen, zu widerstehen, und
Veränderungen zu wagen.“
Juan Lasso de la Vega, C.Ss.R. (Europa-Süd)
Con J. Casey, C.Ss.R. (Europe-Nord)
Brendan J. Kelly, C.Ss.R. (Asien-Ozeanien)
José Ulysses da Silva, C.Ss.R. (Lateinamerika)
Guy Pilote, C.Ss.R. (Nordamerika)
Larry Kaufmann, C.Ss.R. (Afrika)
I. Abschnitt
Fünf Leitprinzipien
1. Wir leben heute
in einer sich rasch ändernden Welt. Und genau
in dieser Welt bemühen wir uns um bessere
Strukturen, um im Sinne unserer Sendung tätig
zu sein, nämlich mit den Armen zu sein und
ihnen die Frohe Botschaft von der Erlösung
in Fülle zu verkünden. Das ist der Hauptgrund
und das erste Leitprinzip der Neustrukturierung
der Kongregation.
I. Die Neustrukturierung geschieht für unsere
Sendung.
2. Die Neustrukturierung führt zu einer neuen Gesinnung oder es wird
nichts aus ihr. Unsere fundamentale Identität
als Redemptoristen muss uns durch die sich rasch ändernde Welt,
in der wir leben, neu bewusst werden.
Wer sind wir? Wir sind Menschen, die im Glauben
an Jesus Christus gemeinschaftlich leben und
dieses Leben dem redemptoristischen Charisma
geweiht haben – viel tiefer noch als jeder
Bindung an eine Kultur oder Nation.
II. Die Neustrukturierung muss
ein neues Bewusstsein für unsere Identität
hervorrufen und tragen, eine Änderung unserer
Gesinnung im Sinne unserer Berufung, eine
neue Verfügbarkeit – oder sie führt zu nichts.
3. Einst war die
Kongregation eine einzige organisatorische
Einheit im Dienst unserer Sendung: der hl.
Alfons und seine ersten Bemühungen, die ersten
Kapitel 1743. Bald kam eine Zeit, in der die
Kongregation im Wesentlichen aus zwei organisatorischen
Einheiten bestand: das Werk des hl. Klemens
M. Hofbauer jenseits der Alpen und die Kongregation
in den Ursprungsländern Neapel und Rom. Im
Jahr 1841 gab es eine Neuorganisation: die
Kongregation wurde in verschiedene Provinzen
geteilt, zuerst in Europa, dann auf der Welt.
Diese Provinzen wurden Mitte der Siebzigerjahre,
ohne dass sie ihre Identität verloren, noch
einmal neu organisiert, indem die sechs geografischen
Regionen gebildet wurden: Asien-Ozeanien,
Afrika, Nordamerika, Lateinamerika, Europa-Süd
und Europa-Nord und Ost. Man kann mit gutem
Grund sagen, dass die Kongregation ohne diese
Neuorganisationen im Lauf ihrer Geschichte
nicht überlebt hätte.
Heute gibt es die Regionen der Kongregation aufgrund der geografischen Gegebenheiten.
In
diesen geografischen Einheiten kann der heutige
Mensch ein gewisses Heimatgefühl entwickeln.
Doch infolge der Wanderbewegungen unserer Zeit
werden diese Grenzen deutlich überschritten.
III. Die Neustrukturierung für unsere Sendung sollte
sich nach den Menschen richten. Sie sollte
sowohl innerhalb der Regionen als auch die regionalen Grenzen überschreitend erfolgen, je nach den demographischen
Veränderungen.
4. In diesem Zusammenhang
ist es wichtig, dass die Generalleitung ermächtigt
wird, Mitbrüder – und, wo möglich, auch Laienmitarbeiter
– zusammenzuziehen und Geldmittel bereitzustellen,
wenn neue Initiativen zu ergreifen sind. Wir
müssen neue Möglichkeiten finden, einen Ausgleich
zwischen fixen Standorten für unsere schöpferischen
Kräfte und Mittel und ihrer angemessenen Zentralisierung
zu schaffen, wenn neue Initiativen oder Notstände
ihren Einsatz erforderlich machen.
IV. Die Möglichkeit, personelle und materielle
Ressourcen für unsere Sendung zusammenzuziehen
und sie mit einer neuen Struktur zu versehen,
ist sehr wichtig.
In manchen Fällen werden sich Provinzen zusammentun, um die Arbeit in einer
neuen pastoralen Notsituation aufzunehmen,
um deretwillen diese neue Konzentration der
Ressourcen erfolgt ist. In anderen Fällen
wird die Generalleitung, mit ihrer umfassenden
Verantwortung für die Sendung der Kongregation,
aufgrund derer sie die Ressourcen mobilisieren
kann, die notwendigen Tätigkeiten veranlassen.
V. Ein ganz wichtiger Teil unserer Sendung einst und heute ist die theologische
Aufarbeitung unserer pastoralen Erfahrungen:
eine gewisse Neuverteilung unserer Ressourcen
ist in dieser Hinsicht ein maßgeblicher Teil
der Herausforderung zur Neustrukturierung
für unsere Sendung heute.
5. Bei den folgenden
Anträgen für die Regionen Asien-Ozeanien und
Afrika werden einige maßvolle Vorschläge dazu
gemacht.
Die bedrohte Existenz vieler
Institute des geweihten Lebens in der Kirche
ist heutzutage leicht zu erkennen. Das trifft
auch auf unsere Kongregation zu. Wir werden
unsere Zeit kaum gut bestehen können, wenn
wir uns den neuen Herausforderungen unserer
Welt nicht stellen, so gut wir können.
Die Lösungen werden nicht herbeigezaubert.
Wir können uns diesen Forderungen nicht stellen,
ohne für die Zusammenarbeit mit den Laien
und anderen Kongregationen offen zu sein. Und es ist wohl richtig, dass
wir anfangen, und dass wir beherzt anfangen.
Zu diesem Zweck und Ende werden die folgenden
Anträge gemacht – Region für Region.
II.
Abschnitt
Die
Neustrukturierung:
Einige Aspekte und Implikationen
A. Modelle Für Die Neustrukturierung
In diesem Abschnitt stellen wir euch verschiedene Modelle für Strukturen zur Begutachtung und Stellungnahme vor. Als Modelle sollen sie einfach Denk-
und Arbeitsunterlagen sein, die uns bei der
Errichtung von Strukturen helfen, die unserer
Sendung gemäß sind. Die Wirkung von Modellen
besteht darin, dass sie unsere Phantasie ansprechen
und uns befähigen, eine Verbindung herzustellen
zwischen Charisma, Spiritualität und unserer
Sendung auf der einen Seite und einer entsprechenden
strukturellen Organisation auf der anderen.
In diesem Abschnitt des vorliegenden Dokuments
bilden die Modelle eine Brücke zwischen den
Leitprinzipien des vorausgegangen Abschnitts
und den Anträgen für die Regionen im folgenden
Abschnitt. Man muss sie also in diesem Zusammenhang
lesen.
Die fünf Modelle, die wir vorstellen, basieren auf den Erfahrungen der Gegenwart
und der Vergangenheit, aber sie vermögen uns
auch eine Vorstellung von unserem Leben als
Redemptoristen im 21. Jahrhundert zu geben.
Kein Modell wird dem anderen vorgezogen. (Im
Gegenteil, wir laden euch ein, andere mögliche
Modelle vorzuschlagen). Dabei wird uns weiterbringen,
wenn wir einen Blick auf das werfen, was sie
miteinander verbindet, und was nicht, angefangen
vom Konzept der „Fusionierung“ zweier Einheiten
(Modell 1) bis zu einem größeren Netzwerk
von Einheiten, die sogar über die Grenzen
der Regionen hinausgehen (Modell 5).
Die Strukturen sollen unserer Sendung dienen. Die Neustrukturierung dient
der Erneuerung unserer Sendung. Wir sind daher
aufgerufen, immer wieder neue Wege in der
Zusammenarbeit und der gegenseitigen Hilfe
im Apostolat, in der Ausbildung und bei den
Finanzen zu suchen und zu finden. Die nun
folgenden fünf Modelle werden als ein möglicher
Ansatz für die gemeinsame Aufgabe, Änderungen
zu entwickeln, vorgestellt.
1. Die Fusionierung
von Einheiten
Hier schließen sich zwei oder mehr Provinzen zu einer Provinz zusammen.
Beispiele aus den letzten Jahrzehnten sind:
Provinz Denver (Zusammenschluss von St. Louis
und Oakland); Provinz Edmonton-Toronto (Zusammenschluss
von Edmonton und Toronto); Burkina-Niger (Zusammenschluss
von zwei Vizeprovinzen); Bolivien (Zusammenschluss
von La Paz, Reyes, Tupiza).
Eine nähere Betrachtung dieses Werdegangs könnte hilf- und aufschlussreich
sein: Was führte dazu? Hat er zu einem effektiveren
Einsatz für unsere Sendung geführt? Sind die
Lebens- und Arbeitsbedingungen für jüngere
Mitbrüder besser geworden?
2. Union von Einheiten
unter Beibehaltung der regionalen Identität
In der neu errichteten Provinz St. Clemens sind vier Provinzen zusammenschlossen,
wobei jede ihre Identität in Form einer Region
mit entsprechenden Strukturen beibehält.
Es ist noch zu früh, die Effektivität dieses Modells zu beurteilen. Trotzdem
wäre ein Bericht über seine Geschichte bis
heute recht aufschlussreich, denn es ist ein
innovatives und mutiges Experiment.
3. Föderation von
Einheiten
Diese kann man als relativ neues Modell betrachten, obwohl es schon einige
Ansätze gegeben hat. Beispiele dafür sind
zwei Einheiten im Nordosten Brasiliens (Fortaleza
und Recife), vier Einheiten in Südostasien
(Ipoh, Cebu, Manila, Bangkok), die zwei Vizeprovinzen
in Paraguay und die Wiener und die Münchener
Provinz. Auch hier ist der Hauptzweck des
Modells (wie bei den anderen auch) der Dienst
an unserer Sendung durch die Schaffung neuer
Ressourcen und nicht einfach die Bewahrung
alter.
In der Föderation sind die Provinzen relativ stabil zusammengeschlossen,
haben aber eine losere Organisation, in der
bei sonstiger Zusammenarbeit ihre Identität
gewahrt bleibt, wodurch eine übermäßige Abkapselung
vermieden wird. Auf diese Weise können sie
Risiken auf sich nehmen und neue Initiativen
ergreifen.
Die Grundzüge dieses Modells sind:
(1) Die Mitbrüder
lernen die Lebensumstände der anderen einigermaßen
genau kennen. Dabei kommt es zu einem fruchtbaren
Austausch von Ideen, zu Solidarität und zu
gegenseitiger Unterstützung und Ermutigung,
was in der praktischen Zusammenarbeit seinen
Niederschlag findet.
(2) Es gibt in
den Strukturen laufend Möglichkeiten, die
Ziele unserer Sendung zu klären, wobei die
pastoralen Bedürfnisse der Menschen den Vorrang
haben.
(3) Es gibt ein
adäquates Minimum an Strukturen für Entscheidungen:
vielleicht ein „Präses“, der ernannt wird, oder eine ständige
Kommission und eine jährliche Versammlung
nach Art eines Kapitels mit Entscheidungsbefugnis.
Auch hier sind eure Stellungnahmen
sehr willkommen, insbesondere auch zur Frage,
wie die entscheidungstragenden Strukturen
zu verbessern sind. Welche Implikationen hat
dieses Modell im Hinblick auf die Vielzahl
an Sprachen und die Pluralität an Kirchen
(wie in Konst. 1 beschrieben)?
4. Konferenzen
Hier beschreiben wir ein neues Modell, das in unseren Beratungen als Kommission
entwickelt wurde. Der Gedanke zu diesem Modell
kam uns bei den Besprechungen der sechs großen
Regionen. Wie bereits im Vorwort erwähnt,
sind diese Regionen eine relativ neue Struktur
in der Kongregation (ca. aus den 70er-Jahren)
und sind in unseren Konstitutionen noch nicht
erwähnt. Wir haben uns die Frage gestellt:
dienen die Regionen unserer Sendung? Wenn
ja, oder wenn wir bei den größeren regionalen
Strukturen bleiben wollen, welcher Aspekt
würde dann unsere Sendung am meisten unterstützen?
Als Antwort schlagen wir das kirchliche Konzept einer „Konferenz“ vor, die
der Zusammenschluss der Einheiten in einer
Region oder Subregion wäre (oder, im Fall
von ganz Europa, der Zusammenschluss zweier
Regionen), mit größeren Entscheidungs- und
Durchführungsbefugnissen als derzeit innerhalb
der Regionen. Diese Konferenz würde durch
die Auseinandersetzung mit größeren pastoralen
Anliegen und Herausforderungen motiviert,
wie z.B. die Säkularisation und die Migrationen.
So könnte man von einer Konferenz der Redemptoristen
Brasiliens, einer Konferenz der Redemptoristen
ganz Europas usw. sprechen.
Kurz gesagt, der Hauptunterschied zwischen einer bereits existierenden Region
und einer Konferenz besteht in der Befugnis,
Beschlüsse zu fassen und auszuführen. Das
kann auch Auswirkungen auf die Zusammensetzung
des Generalkapitels und der Generalleitung
haben.
Da dieses und das nächste Modell
relativ neu sind – und in gewissem Maß an
die Stelle der Regionen treten – ersuchen
wir euch hier um ein gutes Durchdenken dieser
Modelle, um euer Feedback und um Vorschläge
für weitere Überlegungen.
5. Netzwerk von Einheiten
Hier ist ein internationales Netzwerk, oder „Bündnis“ aller Einheiten ins
Auge gefasst, die der Sendung der Kongregation
in einem bestimmten Gebiet bereits verpflichtet
sind, oder sich dafür interessieren.
Mit „ einem bestimmten Gebiet“ beziehen wir uns auf zwei Möglichkeiten:
(1) ein bestimmtes geografisches
Gebiet, wie z.B. der Kontinent Afrika; (2)
ein pastorales Notstandsgebiet mit speziellen Herausforderungen, wie z.B.
die Evangelisierung in einer säkularisierten
Welt.
Der Punkt (1) wird später genauer behandelt, wenn wir für Afrika den folgenden
Antrag stellen:
Wir beantragen die Errichtung
eines internationalen
Netzwerks aller Einheiten, die in Afrika
im Sinne der Sendung unserer Kongregation
bereits engagiert sind, und anderer, die sich
in der Zukunft eventuell in Afrika engagieren
wollen.
Das Vernetzungsgremium würde sich regelmäßig treffen, um die Herausforderungen
an unsere Sendung in diesem Gebiet besser
kennen zu lernen, um sich über gemeinsame
Anliegen und Vorgangsweisen auszutauschen,
um finanzielle Mittel zu verteilen, und um
eine Einrichtung zur Einführung verschiedener
Initiativen und Strukturen zu werden. Dies
würde sowohl für ein Netzwerk für ein geografisches
Gebiet als auch für ein Netzwerk für eine
bestimmte pastorale Herausforderung gelten.
Wir sind überzeugt, dass dieses Netzwerk-Modell effektiver wäre und die
Solidarität deutlicher zum Ausdruck bringen
würde, als wenn Einheiten parallel nebeneinander
arbeiten würden, wie es in der Vergangenheit
der Fall war.
Eure Stellungnahme zu diesen
Modellen
Wir appellieren noch einmal
an euch, diese Modelle in euren Kommunitäten,
Einheiten und Regionaltreffen zu besprechen
und uns mitzuteilen, ob und wie sie am effektivsten
der Weiterführung der Sendung der Kongregation
dienen können.
B. Die Generalleitung
Um uns für unsere Sendung neu und besser zu organisieren, müssen wir die
Autorität, die der Generalleitung in unseren
Konstitutionen verliehen wurde, anerkennen.
Daher werden wir, was unsere Antwort auf neue
pastorale Herausforderungen, neue Missionsmethoden
oder neue Modelle für die Strukturierung unserer
Sendung betrifft, die Initiativen der Generalleitung
akzeptieren und unterstützen. Das ist sehr
wichtig. Wir sind eine internationale Kongregation,
die in einem Zeitalter wachsender Globalisierung
lebt. Die internationale Solidarität bei der
Ausübung unserer Sendung ist auf dem Weg in
das 21. Jahrhundert von entscheidender Bedeutung,
und die Generalleitung hat eine besondere
Aufgabe und Sendung dabei.
Wenn wir das sagen, möchten wir den Initiativen und der Verantwortung der
Einheiten für unsere Sendung keinen Abbruch
tun. Wir sind überzeugt, dass dieses Dokument
das ausreichend tut. Dennoch wird ein wesentlicher
Aspekt der Neustrukturierung in der Beachtung
der Rolle und Autorität der Generalleitung
liegen.
C. Internationale Kommunitäten Und Mit Anderen Kongregationen Gemeinsame
Kommunitäten
Wo unsere Sendung es erforderlich macht, müssen wir bereit sein, unter Beachtung
der verschiedenen oben vorgeschlagenen Modelle
internationale Kommunitäten zu bilden. Das
Konzept internationaler Kommunitäten regt
nach wie vor die Fantasie vieler Mitbrüder
an, muss aber im Hinblick auf eine entsprechende
Vorbereitung und im Hinblick auf die Frage,
wer die Autorität und die Verantwortung hat,
und wie die finanziellen Mittel zu verteilen
sind, noch genauer geprüft werden.
Was würdet ihr hinsichtlich
internationaler Kommunitäten raten und vorschlagen?
Damit verbunden, wobei aber immer die Dringlichkeit unserer Aufgabe und
Sendung das Hauptmotiv bleibt, sind das Konzept
von mit anderen Kongregationen gemeinsamen
Kommunitäten und die damit gemachten Erfahrungen,
die noch weiter geprüft werden müssen. Wir
müssen auch der Zusammenarbeit mit den Laien
und ihren Möglichkeiten in den Überlegungen
in unserem apostolischen Gemeinschaftsleben
große Aufmerksamkeit schenken.
III. Abschnitt
Die Regionen
Einleitung
In diesem Abschnitt unterbreiten
wir Anträge für jede Region. Wir bitten euch,
diese Anträge zu überdenken, und würden uns
über Rückmeldungen freuen. Sehr willkommen
sind auch Vorschläge für andere Anträge, die
uns helfen würden, unsere Sendung effektiver
zu restrukturieren. Es wird vielleicht am
besten sein, mit den Anträgen für eure eigene
Region zu beginnen, aber wir möchten euch
auch einladen, über die Anträge bezüglich
aller Regionen nachzudenken.
Euriopa-Nord
Und Europa-Süd
In Europa sind unsere Provinzen zurzeit in zwei Regionen
organisiert, Europa-Nord und Europa-Süd. Die
Kommission behandelt im Folgenden diese zwei
Regionen wie eine: das ist wichtig. Wir sind
der Meinung, dass die Provinzen dieser Regionen
neue Arten der Zusammenarbeit über die Regionen
hinweg finden müssen, und schließlich zu einer
einzigen Region werden.
Anträge
1. Ein Blick auf
Europa als Ganzes zeigt, dass die größte Herausforderung
für die Kongregation darin besteht, die Mitbrüder
von der Zersplitterung, Isolation und dem
Überlebenskampf zu einem gemeinsamen Sendungsbewusstsein
zu führen.
Wir dürfen nicht vergessen, dass die Gefahr besteht, dass die Kongregation
in weiten Teilen Europas ausstirbt.
Wir dürfen auch nicht vergessen, dass viele Menschen im Herzen Europas regelrecht
verarmt sind - religiös, kulturell und wirtschaftlich.
Wir stellen den Antrag, dass
die (Vize)Provinzen in Europa (beide Regionen
gemeinsam), von der kirchlichen Führung dazu
gerufen, nach Strategien für einen Beitrag
der Redemptoristen zu einer „neuen Evangelisierung
Europas“ suchen, und bitten, dass die regionalen
Treffen 2006 in Europa-Nord und Europa-Süd
eine Kommission einsetzen, um ein Kolloquium
zum Thema „Der Beitrag der Redemptoristen
zu einer Neuevangelisierung Europas“ zu veranstalten.
Wir schlagen vor, dass dieses
Kolloquium 2007 stattfindet.
Wobei – neben vielem Anderen – zu beachten wären:
- die Möglichkeiten, die die Heiligtümer und Wallfahrtsorte den Redemptoristen
in diesem Zusammenhang bieten;
- die religiös, kulturell und wirtschaftlich verarmten Gebiete gerade
im Herzen Europas (z.B. gewisse Gegenden im
Osten Deutschlands und in der Tschechischen
Republik): die besondere Sorge der Redemptoristen
um die Verlassensten hat hier eine zentrale
Bedeutung.
Wir wissen um die Schwierigkeit,
ein derartiges Kolloquium zu veranstalten.
Es besteht die Gefahr, dass es bloß zu einer
oberflächlichen und realitätsfernen Quatscherei
wird. Man wird ein beträchtliches Geschick
brauchen, um diese Gefahr zu vermeiden. Wir
sind jedoch der Meinung, dass dieses Risiko
trotz der möglichen Fallstricke eingegangen
werden muss.
2. Wir beantragen den Aufbau einer neuen, einheitlichen Migrantenseelsorge
der Redemptoristen in ganz Europa, vornehmlich
bei den Katholiken.
Es ist klar, dass diese Seelsorge in Zusammenarbeit mit Laienmitarbeitern
und mit anderen Kongregationen durchgeführt
werden muss. Es ist auch klar, dass die (Vize)Provinzen
für diese einheitliche Seelsorge in ganz Europa
neue Wege der Zusammenarbeit finden müssen.
Sie wird auch eine Zusammenarbeit mit den
Provinzen anderer Regionen erforderlich machen.
3. Wir stellen den Antrag, dass die (Vize)Provinzen Europas ein internationales
Netzwerk für die Jugendseelsorge errichten.
4. Wir stellen den Antrag, dass die beiden Regionen vorläufig so bleiben wie
sie sind.
Der Grund dafür liegt darin, dass die Zwei-Regionen-Struktur gegenwärtig
doch auch gewisse Früchte zeitigt. In Südeuropa
trägt sie die erste Ausbildung und bis zu
einem gewissen Grad auch die Weiterbildung.
In Nordeuropa knüpft sie nützliche Bande zwischen
(Vize)Provinzen, die in der jüngsten Vergangenheit
voneinander getrennt oder isoliert waren.
Es gibt jedoch andere wichtige Funktionen und andere wichtige organisatorische
Erfordernisse, die von der gegenwärtigen Zwei-Regionen-Struktur
nicht gut abgedeckt werden. Es fehlt eine neue einheitliche Vision für unsere Sendung in Europa.
Wir sind der Meinung, dass die Provinzen dieser
Regionen neue Wege der Zusammenarbeit über
die Grenzen der Regionen hinweg finden müssen
- und letztendlich vielleicht zu einer Region
werden. Wir bitten um einen diesbezüglichen
Ratschlag eurerseits.
Asien-Ozeanien
Die Mitbrüder der Region Asien-Ozeanien arbeiten in einem Gebiet von großer
kultureller Vielfalt, großer räumlicher Ausdehnung
und inmitten riesiger Bevölkerungen. Die Kommission
ist sich der Komplexität dieser Gegebenheiten
bewusst. Diese Komplexität führt zu bestimmten
Herausforderungen und Schwierigkeiten, wenn
eine Reorganisierung oder Restrukturierung
ansteht. Zur Förderung einer besseren Kommunikation
und Interaktion wurde die Region in den letzten
Jahren in vier (4) Subregionen unterteilt.
Diese Subregionen waren bei der Ermöglichung
einer größeren Zusammenarbeit zwischen den
Einheiten der Region bis zu einem gewissen
Grad erfolgreich. Dennoch ist die Kommission
der festen Überzeugung, dass die Reorganisation
in den Subregionen durch eine Zusammenarbeit
der Einheiten auf der Ebene der Gesamtregion
und nicht auf der Ebene der Subregionen erleichtert
würde. Wir sind überzeugt, dass dies zu einem
ausgeprägteren Sendungsbewusstsein der Redemptoristen
in Asien-Ozeanien führen würde. Es würde auch
die Gefahr vermieden, dass sich irgendeine
bestimmte Einheit der Kongregation isoliert
oder ohne Rückhalt fühlt. Diese Reorganisation
würde auch eine größere Zusammenarbeit und
Solidarität innerhalb der Region, den Austausch
von Ideen und Strategien für die Evangelisierung
fördern, und die Region befähigen, über ihre
eigenen Grenzen zu blicken.
Die Kommission stellt folgende Anträge:
1. Dass die gegenwärtige Region Asien-Ozeanien in die Konferenz der
Redemptoristen von Asien-Ozeanien umgewandelt
werde. Alle Einheiten der derzeitigen Region
gehören zu dieser Konferenz, deren höhere
Obere sich regelmäßig (jährlich) treffen,
um Entscheidungen bezüglich des apostolischen
Lebens der Redemptoristen im Zuständigkeitsbereich
dieser Konferenz zu treffen, zu überwachen,
zu überdenken und zu diskutieren. Die interne
Leitungs- und Entscheidungsgewalt erfordert
noch weitere Überlegungen und Diskussionen.
Dazu möchten wir euch um euren Rat bitten.
1.1 Es gibt da noch spezielle Erfordernisse im
Bereich der Konferenz, die angesprochen werden
müssen wie z.B. die erste Ausbildung, neue
pastorale Initiativen, Finanzen und die Möglichkeit,
auf Bitten um Neugründungen in Ländern, in
denen wir noch nicht vertreten sind, einzugehen.
Die Kommission stellt den Antrag, dass im
Bereich der Konferenz eine „Föderation“ zwischen
bestimmten Einheiten gebildet werde, um auf
diese Erfordernisse wirksamer reagieren zu
können. Beispiele einer derartigen Föderation
wären die derzeitigen Vereinbarungen zwischen
Cebu, Manila, Bangkok, Ipoh und Canberra bezüglich
der ersten Ausbildung und zwischen Ipoh, Indonesien
und Cebu, was die Mission in Borneo betrifft.
Allerdings sind weitere Überlegungen über
die Entscheidungsgewalt in solchen Föderationen
erforderlich. Auch in dieser Angelegenheit
bitten wir euch um euren Rat.
1.2 Es gibt spezielle Herausforderungen für die
Verkündigung des Evangeliums in manchen Ländern
dieser Region, die total säkularisiert und
konsumorientiert sind, wie Australien, Japan
und Neuseeland. Die Kommission stellt den
Antrag, dass ein „Netzwerk“ errichtet werde,
in dem Mitbrüder aus diesen Einheiten einander
treffen und sich mit Mitbrüdern aus anderen
Regionen, die in ähnlichen Situationen leben
und arbeiten, austauschen, z.B. Mitbrüdern
in Südafrika, London, Dublin und die Region
Nordamerika. Ein ähnliches Netzwerk könnte
errichtet werden, um z.B. die Frage zu überlegen,
wie man am besten auf die pastoralen Bedürfnisse
der indigenen Bevölkerung dieser Region eingehen
könnte.
2. Gemäß unserem Leitprinzip Nr. 5 ersucht die Kommission das regionale
Treffen im Juli 2006, eine Kommission einzusetzen
mit dem Auftrag, ein Kolloquium unter dem
Titel „Die Sendung der Redemptoristen in Asien-Ozeanien
im 21. Jahrhundert“ zu veranstalten, um den
Einheiten der Region Mittel und Wege aufzuzeigen,
wie sie am besten auf die pastoralen Bedürfnisse
der Menschen der Region eingehen können, und
um Strategien zur Förderung ihres Engagements
zu entwickeln, aber immer mit dem Bewusstsein,
dass wir den Auftrag haben, das Evangelium
den Armen und Verlassensten zu verkünden.
2.1 Das Kolloquium wird auch der Bedeutung der
Heiligtümer Baclaran und Singapur
gebührende Aufmerksamkeit schenken
und konkrete Entscheidungen darüber im Auge
behalten, wie wir unsere Präsenz an diesen
Orten verstärken und unser Engagement für
diese beiden wichtigen Aspekte unserer Tradition
und Sendung in Asien-Ozeanien erneuern können.
Wir hoffen, dass schlussendlich eine Kommission
auf der Ebene der Kongregation aufgestellt
wird, um eine umfassende Entwicklung unserer
Heiligtümer zu fördern.
Wir wissen um die Schwierigkeit,
ein derartiges Kolloquium zu veranstalten.
Es besteht die Gefahr, dass es bloß zu einer
oberflächlichen und realitätsfernen Quatscherei
wird. Man wird ein beträchtliches Geschick
brauchen, um diese Gefahr zu vermeiden. Wir
sind jedoch der Meinung, dass dieses Risiko
trotz der möglichen Fallstricke eingegangen
werden muss.
3. Die theologische
Reflexion pastoraler „Grenz“-Erfahrungen ist
ein wichtiger Teil unseres alfonsianischen
Erbes. In Asien-Ozeanien sehen sich die Mitbrüder
ständig entwürdigender Armut, religiösem Fundamentalismus,
militantem Nationalismus, der Missachtung
der Menschenrechte und der Zerstörung der
Umwelt gegenüber. Der Dialog des Christentums
mit anderen Religionen ist ein zentrales Anliegen.
Wir beantragen die Errichtung
eines theologischen Zentrums für die Reflexion
von Fragen, die für die heutige Missiologie
von entscheidender Bedeutung sind, insbesondere
für den Dialog mit den Kulturen, den Religionen
und den Armen. Dieses Zentrum wird zwar in
Asien-Ozeanien errichtet, soll aber als Projekt
der Gesamtkongregation im Dienst der Gesamtkongregation
betrachtet werden. Dies soll bei der Zuteilung
von Geldmittel und Personal bedacht werden.
Nordamerika
Was wir in der Kongregation die nordamerikanische Region nennen, zeigt sich
in einer Inhomogenität und Komplexität, die
wir nicht aus den Augen verlieren dürfen.
Wir haben da z. B. die (Vize)Provinzen in
den Vereinigten Staaten, in Kanada, die Provinz
Yorkton (die praktisch eine Kirche für sich
ist). Es gibt Kommunitäten brasilianischer
Mitbrüder und polnischer Mitbrüder im Dienst
spezieller Erfordernisse, und da gibt es auch
noch die Mitbrüder der Vizeprovinz Extra Patriam.
Ein gutes Programm einer Neustrukturierung
für die Zukunft darf diese Inhomogenität nicht
übersehen.
Die (Vize)Provinzen der nordamerikanischen Region haben in den letzten Jahren
eine wichtige Neustrukturierung ihrer (Vize)Provinzen,
ihrer Ausbildungsstätten und ihrer Seelsorge
durchgeführt. Dies geschah infolge eines drastischen
Mitgliederschwunds, war aber auch – o felix culpa – der Beginn von neuen seelsorglichen Initiativen und
viel effizienter Zusammenarbeit z.B. in der
Ausbildung.
Man hat sich sehr um die Neustrukturierung innerhalb der Provinzen und um
die Bildung einer Union von Provinzen bemüht.
Das erforderte einen großen Kraftaufwand und
fast zwangsläufig mussten viele Anstrengungen
für interne Vereinbarungen unternommen werden.
1. Wir stellen den Antrag, dass die (Vize)Provinzen
der Region ein Kolloquium veranstalten über
das Thema „Die Sendung der Redemptoristen
im heutigen Nordamerika: eine Suche nach einer
gemeinsamen Vision“.
Unter Bedachtnahme auf (neben vielem Anderen, das zu bedenken wäre):
·
die Inhomogenität der „Region“;
·
das redemptoristische Gespür für Menschen, die nicht zur Kirche gehören,
sollte eine zentrale Bedeutung einnehmen,
ebenso die neuen Evangelisierungsbewegungen;
·
die Herausforderung, das Evangelium in säkularisierten und konsumorientierten
Kulturen zu verkünden.
Wir wissen um die Gefahr, dass
dieses Kolloquium bloß zu einer oberflächlichen
und realitätsfernen Quatscherei wird, und
dass man ein beträchtliches Geschick brauchen
wird, um diese Gefahr zu vermeiden. Wir geben
auch zu, dass dies viel Energie braucht, die
man nicht immer aufbringen kann. Trotz der
möglichen Fallstricke machen wir diesen Vorschlag,
weil wir überzeugt sind, dass man dieses Risiko
eingehen kann.
2. Die Neustrukturierung
für die Zukunft sollte die Inhomogenität in
der Region sowie die Zusammenarbeit aller
auf regionaler Ebene unterstützen.
Könnte es sein, dass in manchen Fällen eine Zusammenarbeit nach dem vorgeschlagenen
Modell der „Föderation“ für manche Gruppen
von (Vize)Provinzen eine gute Lösung wäre?
Das würde durchaus zu den Vorteilen der Zusammenarbeit auf regionaler Ebene
passen (als regionale „Konferenz“), die in
den letzten Jahren so erfolgreich entwickelt
wurde.
3. Nordamerika ist
ein wichtiges Ziel für Zuwanderer, von denen
viele katholisch sind.
Wir beantragen die Bildung einer
nordamerikanischen Kommission für den Ausbau
der Migrantenseelsorge der Redemptoristen
in ganz Nordamerika.
Aller Wahrscheinlichkeit nach wird dies die Zusammenarbeit mit (Vize)Provinzen
in anderen Regionen erforderlich machen, und
es ist auch klar, dass diese Aufgabe auch
in Zusammenarbeit mit Laienmitarbeitern und
mit anderen Kongregationen angegangen werden
müsste. Man wird auch mit den Migrantenseelsorgern
der Redemptoristen in anderen Regionen Verbindung
aufnehmen müssen.
Ein Teil dieser Seelsorgsarbeit wird auch die Berufepastoral bei den Zuwanderern
sein.
4. Die Provinzen
von Nordamerika haben eine lange Tradition
in der Unterstützung der Entwicklung anderer
Provinzen besonders solcher, die es am meisten
brauchen. Eine Möglichkeit der Weiterführung
dieser Tradition könnte die Überlegung sein,
mit anderen Provinzen bei bestimmten Unternehmen
zusammenzuarbeiten.
Im Abschnitt über Afrika wird
beantragt, dass Provinzen, die die Verantwortung
für Projekte in dieser Region tragen (oder
Provinzen, die diese Region betreuen und unterstützen
wollen) als Bündnis oder Netzwerk zusammenarbeiten.
Dieses Netzwerk wäre ein Medium für die Entfaltung,
Unterstützung und Sorge für die Sendung der
Redemptoristen in Afrika und ein Forum für
wechselseitiges Lernen und gegenseitige Bereicherung.
5. Wir stellen den Antrag, dass der Beschluss, eine
internationale Kommunität für das Apostolat
am Heiligtum von Sainte-Anne de Beaupré zu
gründen, unterstützt wird.
6. Die Mitbrüder
der Vizeprovinz Extra Patriam arbeiten in
besonderen pastoralen Notständen, doch besteht
die Gefahr der Isolation. Wir
stellen den Antrag, dass die Leitung der Vizeprovinz
Extra Patriam Mitbrüder aus anderen (Vize)Provinzen
der Region einlädt, sie zu besuchen, damit
sie ihr Leben und Arbeiten besser kennen lernen.
Manche Gemeinschaftsunternehmen, aus denen
beide Seiten Nutzen ziehen könnten, sollten
überlegt werden.
Lateinamerika
und die Karibik
In dieser Region lebt ungefähr ein Drittel der Mitglieder der Kongregation.
Ihre Weiterentwicklung ist besonders bedeutungsvoll,
ihre Strukturen sind für eine effiziente Ausübung
unserer Sendung besonders wichtig.
Die Region Lateinamerika und die Karibik ist nicht viel auf der Ebene regionaler
Zusammenkünfte tätig. Erfolgreiche Bemühungen
um die gemeinsame Organisation der Ausbildung
und der Arbeit im Sinne unserer Sendung über
die Grenzen der Provinzen hinweg werden vielmehr
auf der Ebene der drei Subregionen unternommen.
Diese Subregionen sind: Die Union der Redemptoristen
Brasiliens (Union of Redemptorists of Brazil
– URB), die Subregion Nord-Lateinamerika und
die Karibik, und die Union der Redemptoristen
Süd-Lateinamerikas (Union of Redemptorists
of South Latin America – URSAL). In diesen
Subregionen findet eine effiziente Zusammenarbeit
statt, und zwar in der ersten Ausbildung,
in der Weiterbildung und in der Bereitschaft,
auftauchende Probleme gemeinsam zu lösen.
Allerdings muss noch viel getan werden. In jeder Subregion gibt es Einheiten,
die in ihrer Existenz bedroht sind, und gibt
es Einheiten, die sich bei der Zusammenarbeit
schwer tun (wegen unterschiedlicher Mentalitäten
oder Vorgeschichten). Es gibt auch Schwierigkeiten
auf regionaler und subregionaler Ebene bei
der Fassung und Durchführung von Beschlüssen
für eine wirksame Ausübung unserer Sendung.