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| Communicanda
III - 1997-2003 |
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Den besten
Wein am Schluss entdeckend
Besinnung über das dritte Alter
COMMUNICANDA 3
8. Dezember 2000
Prot. Nr. 0000 0265/99
Liebe Mitbrüder,
1. Jeden von Ihnen grüsse ich
brüderlich in Christus Jesus. Die Mitglieder
des Generalrates schließen sich an und wünschen
Ihnen Gottes reichen Segen für das neue Jahr.
Möge die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
mit Ihnen allen sein.
Schon in den zweiten Communicanda dieses Generalrates Weh mir, wenn ich
das Evangelium nicht verkünde (14. Januar
1999) stellte ich einen späteren Brief über
die besonderen geistlichen Bedürfnisse des
“dritten Alters” (Nr. 41) in Aussicht. Nun
versuche ich, mein Versprechen zu halten.
2. Erlauben Sie mir zu erklären, was
ich unter drittem Alter verstehe. Wenn es
stimmt, dass das erste Alter eines Menschen
Erziehung und Ausbildung umfasst, das zweite
produktiv ist und das Lebenswerk darstellt,
dann ist wohl mit dem dritten Alter, wie man
oft sagt, der Lebensabschnitt gemeint, in
dem das Hauptwerk eines Menschen abgeschlossen
ist. Obwohl ich vor allem an Sie denke, die
bereits im dritten Alter sind, richte ich
diese Botschaft an jeden Mitbruder in der
Kongregation. Ohne Rücksicht auf das Alter
sind wir alle, wie die Konstitution 55 es
uns sagt, Brüder derselben Familie und haben
dieselbe Berufung: jeder ist Missionar, und
wir bleiben es unser Leben lang. In jedem
Lebensabschnitt und in allen Situationen,
in denen wir uns befinden, sollen wir danach
streben, unsere Weihe an Gott zu verstärken.
Ferner ist es unser Grundsatz (Konstitution
21), in Gemeinschaft zu leben und auch so
unseren Sendungsauftrag zu erfüllen. Dieselbe
Konstitution betont, dass Gemeinschaft nicht
einfach dort besteht, wo Mitglieder miteinander
wohnen, sondern auch verlangt, dass wir ehrlich
miteinander menschlich und geistlich austauschen.
Das heißt, dass wir unsere Stärken und Schwächen,
unsere Talente und Grenzen in die Gemeinschaft
einbringen mit dem Blick auf das Charisma
und die Sendung, die unserem Leben Sinn geben.
Darum sollte sich jede Gemeinschaft mit der
Frage des Alterns befassen und daraus die
Konsequenzen für unsere Missionare ziehen.
Warum sollen wir auf diese Frage eingehen?
3. Wie andere ganze Gesellschaften steht
auch unsere Kongregation vor einer neuen Gegebenheit:
die Zahl der betagten Mitbrüder wächst beträchtlich
an. Während ich schreibe, sind unter den 5,569
Mitgliedern der Kongregation 520 Mitbrüder
achtzig oder mehr Jahre alt; zugleich haben
948 die 70 Jahre erreicht. Das heißt, dass
26% der Kongregation siebzig oder mehr Jahre
alt sind. Wir dürfen uns zwar immer noch an
vielen jungen Mitgliedern freuen – denn die
Professen in Zwanzigerjahren sind zahlreicher
als die in den Achtzigern und die in den Dreißigerjahren
sind zahlreicher als die in den Siebzigern
– aber die Kongregation hatte noch nie eine
so große Zahl von betagten Mitgliedern. Niemand
darf das übersehen, denn es stellt neue Anforderungen
an uns, damit wir miteinander im Glauben wachsen
als eine Gemeinschaft, die berufen ist, die
Frohe Botschaft vom Reich Gottes zu predigen
und vorzuleben.
4. Nicht nur leben Redemptoristen länger,
sondern sie erreichen das Alter von siebzig
oder achtzig Jahren mit besserer Gesundheit
und Kraft als früher. Zugleich aber ist auch
größerer Bedarf an ärztlicher Betreuung für
die ernsthaft Erkrankten. Doch die eigentliche
Forderung an ältere Redemptoristen liegt nicht
im Bereich der Gesundheit, sondern dort, wo
es um ihre Hingabe a Gott geht, gerade dann,
wenn sie ihre gewohnte apostolische Tätigkeit
einschränken oder aufgeben müssen. In diesem
Lebensabschnitt könnte das Gewahrwerden der
neuen konkreten Identität eines Missionars
deprimierend wirken.
5. Je nach Kulturkreisen ist das Verhalten
den Betagten gegenüber verschieden. Manche
verehren ihre Ältesten; schon die Tatsache,
dass jemand ein gewisses Alter erreicht hat,
verleiht ihm eine solche Würde, dass er der
Ehrfurcht von Seiten der Gemeinde sicher sein
kann. Hingegen sehe ich mit Sorge, dass in
der Welt eine Kultur aufkommt, in der die
Jugend, die Kraft und die Beweglichkeit vergöttert
werden, während man die alten Menschen “verbirgt”.
Diese Entwicklung verursacht so viel Angst,
dass viele Menschen alles unternehmen, um
jung zu “bleiben”. Die Senioren werden veranlasst,
das Geschäft und die Politik zu verlassen.
Man will zwar sorgen, dass sie ihre Ruhe und
Freude haben, aber sie nicht weiter ernst
nehmen und schon gar nicht auffordern, noch
einen Beitrag an die Gesellschaft zu leisten.
Namentlich bei Männern sind Leistung und Wert
so verbunden, dass ohne Leistung das Leben
keinen Sinn hat. Und schließlich ist der Tod
an sich zum Tabu geworden; darüber diskutiert
man nicht in gehobener Gesellschaft, und sicher
ist er kein Übergang, auf den man sich bewusst
vorbereiten soll.
Die Verhältnisse der Kongregation
6. Wir müssen zugeben, dass die Kongregation
beeinflusst wird von diesem zwielichtigen
Verhalten den Betagten gegenüber. In einigen
Gebieten der Welt hat der zivile Begriff “Ruhestand”
deutliche Auswirkungen auf die Redemptoristen.
Dort ist es selbstverständlich, dass die Pflichten
eines Mitbruders erleichtert werden sollten,
sobald er ein gewisses Alter erreicht hat.
Da und dort erwartet man von älteren Mitbrüdern
nicht mehr, dass sie wichtige Verantwortung
in der Gemeinschaft übernehmen, ganz abgesehen
von ihrer körperlichen oder geistigen Gesundheit.
Manche Redemptoristen betrachten ihren Ruhestand
als ein Recht und somit erwarten sie, dass
sie von einem gewissen Alter ab keine Aufgaben
in der Gemeinschaft mehr haben, sondern ihren
eigenen Interessen nachgehen können. Es gibt
Provinzen in der entwickelten Welt, wo die
Altersrente zum Problem wird, wenn der Mitbruder
dieses Einkommen als sein persönliches Eigentum
betrachtet. Manchmal ist die Pflege betagter
Mitbrüder fast ganz auf ihre Gesundheit ausgerichtet,
ohne dass man an die geistigen Bedürfnisse
denkt, die das Alter mit sich bringt.
7. Wenn wir, meine Kollegen aus dem Generalrat
und ich, die Provinzen besuchen, werden wir
immer wieder beeindruckt von älteren Mitbrüdern,
die mit den Jahren zu ausgeprägten missionarischen
Persönlichkeiten geworden sind und nun gern
bereit sind ihre Erfahrung mit anderen besonders
jüngeren zu teilen. Jedes Jahr erhalte ich
Briefe von Jubilaren: Brüdern und Priestern,
die ihre 50 oder mehr Jahre, die sie in der
Kongregation gelebt haben, feiern. Diese Briefe
sind Ausdruck von Dankbarkeit, Bescheidenheit
und Eifer. Oft muss ich diese wunderbaren
Bekenntnisse den Mitgliedern des Generalrates
zeigen.
8. Leider löst das Alter nicht von selbst
solche Gefühle aus. Auf unseren Besuchen treffen
wir auch Redemptoristen an, die enttäuscht,
frustriert oder gar verbittert sind. Noch
mehr tun jene Mitbrüder leid, die verunsichert
wurden durch die raschen Veränderungen in
der Kirche und in unserem Institut. Einige
meinen, dass die Kongregation ihrem Charisma
und ihrer Sendung in der Kirche untreu geworden
ist und glauben, dass der Segen Gottes nun
der Kongregation versagt ist.
9. Das sind Situationen
und Sorgen, die mich zu diesem Schreibe veranlasst
haben. Dabei denke ich an die Erwägungen des
letzten Generalkapitels, das uns die Spiritualität
vor Augen hielt als “Linse, durch die wir
alle Aspekte unseres Lebens betrachten”
(Botschaft Nr. 5). Ich möchte jeden von Ihnen
einladen, auch darüber nachzudenken, wie wir
in den letzten Jahren unsere aus dem Glauben
gelebte Beziehung zu Jesus vertiefen und ausdrücken
(Botschaft Nr. 3), und zwar als Gemeinschaft
und als Grund zur Umstellung, um Jesus besser
nachzufolgen in jedem Abschnitt unseres missionarischen
Lebens.
10. Es gibt auch persönliche Gründe, die
mich zu diesem Schreiben bewegen. Ich hatte
das Glück und die Gnade, meine fünf ersten
Jahre in der Kongregation als junger Pater
unter wunderbaren Mitbrüdern zu verbringen,
die schon in ihrem dritten Alter waren. Ihre
Worte und ihr Beispiel wirken heute noch auf
mich. Sie führten mich ein in ihre Art und
Weise, das Wort Gottes zu predigen, verbanden
mich mit der Vergangenheit der Provinz und
lehrten mich die Liebe zur Kongregation und
die Hoffnung für die Zukunft unseres Institutes.
Die meisten von ihnen sind gestorben, und
ich bete, dass sie die vollkommene Freude
Gottes genießen. Aus tiefer Dankbarkeit widme
ich diesen Brief jenen treuen Zeugen und hoffe,
dass meine Überlegungen mir helfen, in meinen
letzten Jahren ein guter Redemptorist zu sein,
falls auch ich dann Gelegenheit habe, einen
jungen Mitbruder am Anfang seines Pilgerweges
zu begleiten.
Das Leben, ein Pilgern
11. Wallfahren ist ein heiliges
Erlebnis, das in den meisten großen Religionen
und Kulturen vorkommt. Es wird sogar dann
noch weiter betrieben, wenn das übrige religiöse
Brauchtum verschwunden ist. Vielleicht ist
das so, weil das Pilgern irgendwie dem entspricht,
was die Leute sich unter dem Menschenleben
vorstellen. Wir spüren oder erwarten, dass
unser Leben nicht bloß ein zufälliges Zusammentreffen
von Atomen ist, ein blindes Schicksal oder
das Ergebnis biologischer Abläufe. Wir empfinden,
dass unser Leben einen Anfang und ein Ziel
hat. Wie die Pilger auf ein noch nicht sichtbares
Heiligtum zustreben, so suchen wir Sinn für
unseren Lebensweg, indem wir auf einen Ort
oder eine Person zugehen, die wir oft wie
in einem Spiegel in rätselhaften Umrissen
(1 Kor. 13,12) aufleuchten sehen.
12. Das Heilige am Pilgern wird nicht
erst am Ziel der Reise empfunden. Die Berufung
des Pilgers wird schon unterwegs erlebt, jeden
Tag, jede Stunde, jede Minute: jeder Schritt
geschieht aus dem Glauben. Indem wir unseren
Lebensweg gehen, werden wir einen Gegensatz
inne, nämlich, dass wir uns zutiefst verändern
und trotzdem dieselben bleiben. Das heißt,
wir können wichtige Etappen oder klare Abschnitte
in unserem Leben feststellen, obwohl der Kern
unserer Persönlichkeit sich auf geheimnisvolle
Weise unveränderlich treu bleibt. Zum Vergleich
für diesen Gegensatz dient der Tag, der einen
Morgen, einen Mittag und einen Abend hat,
die wir zwar klar unterscheiden, während sie
doch zu einer Einheit zusammenfließen. Unsere
Lebensabschnitte sind zwar miteinander verbunden,
aber jeder hat seinen eigenen kostbaren Wert
und ist nicht bloß Vorbereitung für die folgende
Etappe.
13. Es kann vorkommen, dass jemand
verfrüht durch die Umstände gezwungen wird,
einen Lebensabschnitt zu beginnen. Denken
Sie an die herzzerbrechende Situation von
Kindern, die wie Erwachsene in der Not ihre
Familie ernähren oder für kranke Eltern sorgen
müssen. Uns mutet es tragisch an, wenn ein
Menschenleben frühzeitig erlischt, bevor die
Person sich entfalten und wirklich “leben”
konnte. Man kann sich auch sträuben gegen
den Aufbruch auf eine neue Etappe des Lebensweges,
wie jemand der ewig jung bleiben will. Doch
das ist verlorene Mühe und enttäuschend, da
wir ja fortwährend feststellen müssen – ob
es uns passt oder nicht – dass wir effektiv
durch verschiedene Lebensabschnitte gehen.
Mit anderen Worten, wir müssen eingestehen,
dass wir älter werden.
14. Einsichten über die Altersstufen
finden wir auch bei geistlichen Schriftstellern
wie dem Apostel Paulus oder dem Papst Johannes
Paul II. Paulus benützte das menschliche Wachsen
und Zunehmen an Alter als Vergleich, um das
geistliche Reifen der Christen zu beschreiben
(1. Kor. 3,1-2; 13,11). Johannes Paul ermuntert
die Ordensleute in seinem Schreiben Vita
Consecrata (1996), ihre verschiedenen
Lebensalter wahrzunehmen und in ihrem Streben
als Menschen sowie als gottgeweihte Personen
nicht nachzulassen. Denn “keine Lebensphase
kann sich für so sicher und eifrig halten,
dass man die Notwendigkeit besonderer Vorsichtsmassnahmen
ausschließen soll, um so das Ausharren in
der Treue zu gewährleisten, ebenso wie es
kein Alter gibt, das die Reifung der Person
als beendet ansehen könnte” (Nr. 69).
15. Was hat es noch für einen
Sinn, Redemptorist zu sein, wenn man nicht
mehr apostolisch tätig sein kann wie einst
in den besten Jahren? Dank sei Gott, dass
die Antwort der Kongregation nicht erst in
diesem Brief kommt. Manche (Vize)Provinzen
haben bereits treffende Maßnahmen ergriffen,
um den körperlichen und seelischen Bedürfnissen
der betagten Mitbrüder zu entsprechen. Man
kann auch auf eine große Auswahl von Büchern
moderner Schriftsteller, auch Redemptoristen,
hinweisen, die auf die besonderen Anforderungen
der Nachfolge Christi im dritten Alter eingehen.
Ich hoffe, dass einzelne Mitbrüder und die
(Vize)Provinzleitungen solche Unterlagen kennen
und zur Verfügung stellen. Vielleicht wird
dieser Brief Überlegungen über die wachsende
Zahl der Betagten in der Kongregation auslösen
und zur Einsicht führen, dass die Bedürfnisse
der Senioren größer sind als bloß die Sorge
um die Gesundheit und die Beschäftigung mit
Hobbys, denn das entscheidende Ja zu unserer
missionarischen Berufung, das wir bei der
Profess gesprochen haben, ist auch im Alter
noch aktuell (siehe Konstitution 54).
16. Ich will jetzt nicht alles erwähnen,
was man über das Alter sagen kann, sondern
nur auf den vermeintlichen Verlust hinweisen,
der doch die Möglichkeit eines geistigen Gewinns
mit sich bringt. Was jetzt folgt können Sie
am besten selber weiter überlegen und ergänzen,
besonders wenn Sie sich zu denen zählen, die
das Leben mit jener Weisheit betrachten, die
dem Alter eigen ist. Möge die Kongregation
einsehen, wie sie den Redemptoristen im dritten
Alter am besten helfen kann, ihre Hingabe
an den Erlöser zu vollenden, und zugleich
staunen, wie diese Mitbrüder unser Charisma
umsetzen.
Dorthin geführt, wo du nicht willst
17. Unter den Begegnungen des
auferstanden Herrn mit seinen Jüngern ist
die, welche im letzten Kapitel des Johannesevangeliums
beschrieben ist, besonders eindrücklich. Berichtet
wird von der Erscheinung Jesu am See von Tiberias,
und zwar mit spannenden Einzelheiten: zuerst
erkennen der Jünger Jesus nicht, dann fangen
sie erstaunlich viele Fische..., Petrus schwimmt
Ihm begeistert entgegen, und schließlich halten
sie Mahl mit Ihm. Darauf folgt die dreifache
Beteuerung des Petrus und der Auftrag vom
Herrn zu einem Leben in apostolischer Liebe.
Nun erklärt Jesus, wie dieses
Leben abschließt zur, Verherrlichung Gottes:
Wahrlich, wahrlich ich sage dir:
als du noch jung warst,
hast du dich selbst gegürtet,
und konntest gehen, wohin du wolltest.
Wenn du aber alt geworden bist,
wirst du deine Hände ausstrecken,
und ein anderer wird dich gürten
und führen, wohin du nicht willst.
(Joh. 21, 18)
Wenn ich über dieses Ereignis nachsinne, versuche ich mir vorzustellen, wie
Jesus diese letzten Worte an Petrus richtete.
Ich stelle mir vor, wie Er dem Petrus in die
Augen schaut, indem Er mit zärtlicher Teilnahme
und ruhiger Sicherheit spricht. Der Vater
hat einen Plan für Petrus: es wird nicht leicht
sein, aber sein Leben wird sinnvoll und wertvoll
sein. Petrus soll ein Leben voll apostolischer
Liebe führen, aber “Gott verherrlichen” wird
er in Wirklichkeit durch seinen Tod. Und die
letzten Worte zu Petrus (Joh. 21, 18 wiederholt
in Vers 22) sind dieselben wie die allerersten
an Petrus am Anfang des Evangeliums (Mk. 1,
17): Folge mir nach.
18. Hier sind einzigartige
Vorzüge jenes Alters erwähnt, über das wir
uns in diesem Brief Gedanken machen. Ich frage
mich, ob das prophetische Bild vom alten Petrus:
Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine
Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich
gürten und führen, wohin du nicht willst nicht
deutlich etwas Wesentliches über diesen Lebensabschnitt
aussagt. Der Vergleich mit dem, der gegürtet
und geführt wird, wohin er nicht gewollt hat,
ist offenbar eine treffende Beschreibung des
unvermeidlichen Verlustes, der mit dem Alter
auf die Menschen zukommt.
Verlust im dritten Alter
19. Die Tatsache des Verlustes zeigt sich
am deutlichsten in den Leiden mancher Mitbrüder,
die von körperlicher Behinderung gezeichnet,
an das Bett gebunden und von anderen abhängig
sind. Aber ist es nicht so, dass jeder Mensch,
unabhängig von seinem Gesundheitszustand,
auf eine Reihe von Dingen verzichten muss?
Auch die gesunden Greise sehen die Vergänglichkeit
der Dinge immer klarer. Die Zeit läuft schneller;
Tage, Wochen und Jahre eilen davon, praktisch
ohne dass man es gewahr wird. Man spürt, dass
etwas zu Ende geht, und spricht von Lebensabend
oder Herbst des Lebens. Die Reise führt uns
in eine Richtung, die wir nicht gewählt haben.
Doch vor dem endgültigen Sterben, müssen wir
in manch kleinen Dingen sterben.
20. Leben im dritten Alter heißt dem Verlust
unter seinen verschieden Gestalten begegnen.
Da ist die körperliche Schwächung, mit ihren
Behinderungen und Schmerzen. Auch die geistigen
Kräfte können schwinden. Der Tod vertrauter
Mitbrüder oder Verwandter stimmt uns wie verlassen.
Doch all das beschränkt sich nicht auf Körper,
Gemüt und menschliche Beziehung. Es trifft
auch das Verständnis, das wir von uns selbst
und unserem missionarischen Auftrag als Redemptoristen
haben, und veranlasst uns notgedrungen, neu
zu überdenken, was die Profess im hohen Alter
bedeutet. Das beschäftigte sicher auch unseren
Gründer.
Die Erfahrung des Alfonsus
21. Wenn Sie Scala, den Geburtsort der
Kongregation, besuchten, haben Sie wohl auch
in der Kapelle gebetet, wo die Grotte des
Alfonsus gezeigt wird. Hier fand unser Vater
Zuflucht in jenen stürmischen Wochen und Monaten,
die auf den denkwürdigen 9. November 1732
folgten. Alfonsus kam in diese kleine Höhle
und betete Stunden lang, erwägend, was aus
der Kongregation werden sollte nach dem Austritt
fast aller Gefährten, flehend um die Hilfe
Gottes und seiner Heiligen Mutter. Heute sieht
der Besucher eine einfache Holztafel in einer
Ecke der Grotte und liest darauf die Worte,
die Tannoia, der erste Biograph, dem Heiligen
zuschreibt: “O meine Grotte, o meine Grotte,
könnte ich doch in dir (wieder) strahlen vor
Freude” (II, 97). Diese Worte soll der betagte
Alfonsus gesprochen haben, als er davon träumte,
wieder zurückzukehren in “ die mystische Zelle,
die er trunken von göttlicher Liebe und grenzenlosem
Verlangen nach dem Heil der Seelen verlassen
hatte” (Tannoia, ibidem).
22. Ich glaube, dass es dem Alfonsus bei
diesen Worten nicht einfach um einen Ort geht.
Er vermisst, was er selber in dieser Grotte
einst war, im Gebet versunken, als junger
Priester von 38 Jahren. Vielleicht hat der
greise Alfonsus das Gefühl, ihm sei in der
kleinen Grotte alles klarer gewesen: er habe
klarer gesehen, wer er war und was er zu tun
hatte – Vierzig Jahre später, als er sich
von seiner Diözese nach Pagani zurückgezogen
hat, muss Alfonsus von neuem finden, was es
heißt Redemptorist zu sein. Er kann seine
Identität nicht weiter im Predigen von Missionen
sehen – er hat seit mehr als zwanzig Jahren
keine mehr gepredigt. Noch kann er erwarten,
dass er unter den Mitbrüdern wieder das letzte
Wort haben wird. Während seiner langen Abwesenheit
von 20 Jahren hat Andreas Villani die Kongregation
im Namen ihres Gründers geleitet und gibt
dieses Amt nicht ab, nachdem Alfons von Sant’Agata
dei Goti zurückgekommen ist. Zwar wird Alfonsus
nun wieder Bücher schreiben und in manchen
Dingen seinen eigenen Weg gehen, so zum Beispiel
wenn er sich kategorisch weigert, das schöne
Zimmer zu beziehen, das man für ihn vorbereitet
hat, an Stelle eines gewöhnlichen mit nackten
Wänden, wie die von Pagani in der Regel sind.
Aber er gibt sich nicht damit zufrieden, ein
Zimmer zu haben wie alle anderen: Alfonsus
muss herausfinden, was es nun für ihn bedeutet,
in seinem dritten Alter Redemptorist zu sein,
ein Bruder unter Brüdern in der Gemeinschaft.
23. Die meisten von uns haben ihre eigene
kleine Traumgrotte gefunden oder werden sie
noch finden: ein Ideal von sich selbst, wie
es in jungen Jahren vorschwebte, als man sich
mit voller Kraft und missionarischer Begeisterung
an große Aufgaben heranmachte. Wenn man nun
diese Zeit unwiderruflich in die Vergangenheit
absinken sieht und weiß, dass sie nie wieder
kommt, kann jene bittersüße Stimmung aufkommen,
in der Alfonsus an seine eigene Traumgrotte
dachte. Dieser Verlust gehört zum Menschsein
und muss durchgestanden werden. Doch würde
ein Hindernis für das geistige Wachsen entstehen,
wenn man unfähig wäre, die Wirklichkeit anzunehmen,
oder sich sträubte gegen die Rückschläge,
die im Alter unausweichlich sind, namentlich
die Minderwertigkeit, die man empfindet, weil
man nicht mehr dieselben apostolischen Arbeiten
verrichten oder dieselbe Verantwortung in
der Provinz tragen kann.
24. Alle Meister des geistlichen Lebens
betonen, dass Selbstkenntnis grundlegend ist
für die Entfaltung eines Lebens mit Gott.
Ein großer Feind meines geistigen Lebens ersteht
somit in der Weigerung, mich und meine Gegebenheiten
anzunehmen. Im Fall des betagten Redemptoristen
könnte das in der Versuchung liegen, sich
in die Traumgrotte zurückzuziehen und stur
in den vergangenen, vermeintlich glücklichen
Zeiten verharren zu wollen. Das ist ein unmögliches
Unterfangen, aber es gibt Mitbrüder, die sich
weigern, ihre apostolische Tätigkeit einzuschränken,
auch wenn ihre Kräfte und ihr Bildungsstand
es offensichtlich nicht mehr zulassen. Manchmal
muss ein Vorgesetzter den heiklen Entscheid
treffen und einen solchen, überforderten Mitbruder
versetzen. Oder es kommt vor, dass Mitbrüder,
die ihr ehemals ausfüllendes Apostolat aufgegeben
haben, nun dem Fernsehen oder anderen Ablenkungen
verfallen. Ohne es zu merken werden sie neidisch
auf junge Menschen und stellen mit Schadenfreude
die Mängel oder Versagen jüngerer Mitbrüder
fest. Wenn greise Mitbrüder zu Tyrannen der
Gemeinschaft werden, rührt das nicht vom Alter
an sich, sondern daher, dass sie den neuen
Lebensabschnitt nicht akzeptieren und als
betagte Redemptoristen keine gesunde Spiritualität
haben.
25. Auf unserer Pilgerschaft wird uns
immer mehr bewusst, dass wir auf einem Weg
sind, den wir nicht selber wählen. Das Abnehmen
der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit,
der Tod der Angehörigen und der Verzicht auf
die apostolischen Arbeiten, die einen Redemptoristen
viele Jahre lang ausfüllten, werden zu geistigen
Herausforderungen, die bezeichnend sind für
den letzten Abschnitt des Lebens. Wie können
nun Mitbrüder, an diesem Punkt angelangt,
bei so viel Entbehrung ihre Gelassenheit und
Freude finden?
“Ich sehe alles als Verlust an”...ohne zu verlieren
26. Im dritten Alter liegt
ein lebenspendender Paradox. Nämlich gerade
dann, wenn ein Redemptorist gegürtet und geführt
wird, wohin er nicht will, anstatt einen immer
steileren und immer gefährlicheren Anhang
hinunterzurutschen und im Tod zu enden, wird
er eingeladen, sich für größere Freiheit zu
öffnen. Menschen, die ernsthaft Gott entgegengehen,
sehen ein, dass sie die Bindung an vergängliche
Dinge lösen müssen. Alfonsus legte dar, dass
diese größere innere Freiheit dadurch erreicht
werden kann, dass man die Macht der Umstände,
die einen Menschen beherrschen, reduziert,
um stets freier für die Liebe zu Gott zu werden.
Die doppelte Bewegung – weg von Bindungen
und hin zum liebenden Gott – wird von Alfonsus
distacco (Loslassen) genannt. Das ist ein
zentrales Thema auf dem geistlichen Weg, den
Alfonsus vorschlägt im Buch “Pratica di amar
Gesù Cristo”, Kapitel XVII, 17; Alfonsus gibt
eine Kurzformel seiner Lehre:
Was unsere echte Gottverbundenheit hindert, das sind unsere
unlauteren Neigungen; darum, wenn Gott eine
Seele zur vollkommenen Liebe anleitet, will
er sie von allen Bindungen an geschaffene
Dinge lösen. Und so nimmt er ihr zuerst die
zeitlichen Güter, die weltlichen Freuden,
die Habseligkeiten, die Ehrungen, die Freunde,
die Verwandten, die körperliche Gesundheit.
Und durch solche Verluste, Abneigung, Verachtung,
Todesfälle und Krankheiten hebt er sie über
alles Geschaffene hinaus, damit sie auf ihn
ihr ganzes Wesen ausrichte.
27. Vielleicht weckt das
Wort distacco (Loslösung) schlechte Erinnerungen
an allzuviele Vorträge über dieses Thema in
der Zeit des Noviziates? Vielleicht sind die
vielen Hindernisse, die der hl. Alfonsus zu
seiner Zeit in Neapel zu überwinden hatte,
kein Problem mehr für uns heute. Was Alfonsus
meint ist, dass wir unser Leben ehrlich überprüfen
sollten und uns fragen, wer oder was auf unser
Herz Anspruch hat. Denn in unseren Herzen
will Gott sehnlichst wohnen. In Kapitel 11
(Pratica) fragt Alfonsus: “Hast du ein Herz,
das leer genug ist, dass der Heilige Geist
es ausfüllen kann?”
28. Es ist nicht zu übersehen, dass enge
Gottverbundenheit keine leichte Sache ist.
Manch einer hat Angst, diesen Weg einzuschlagen,
weil damit auch Entbehrungen verbunden sind.
Doch was gibt es für eine Alternative? Wir
könnten versuchen, uns darüber hinwegzusetzen
durch Arbeit, Prestige, Beziehungen, Alkohol,
und aus Angst oder Bitterkeit übersehen, dass
die Zeit vergeht, und was auf uns zukommt.
Doch in nüchternen Augenblicken müssten wir
mit Schrecken feststellen, dass das Leben
uns zwischen den Fingern entgleitet und dass
die Zeit, statt ein Kairos, in dem
Gott sich offenbart, unser Feind ist.
29. Auch wenn wir es noch so sehr wollen,
wir können die meisten Dinge, die uns zustoßen,
nicht ändern. Das sehen wir, je älter wir
werden, desto deutlicher. Aber es liegt an
uns, zu bestimmen, wie die Leute, die Orte
und die Dinge auf uns einwirken dürfen. Alfonsus
zeigt uns, wie die Entbehrungen im dritten
Alter zum Anlass werden, uns ganz Gott anzuvertrauen,
indem wir die Tiefe seiner treuen Liebe zu
uns entdecken und immer neu erfahren.
Der Weg des Loslassens
30. Paulus zeigt diesen Weg in seinem
Brief an die Philipper. Das dritte Kapitel
ist eine wunderbare Anleitung für das dritte
Alter. Wie beschreibt denn Paulus seinen Weg
zu Gott? Er beginnt, wie alte Leute es gern
tun: er zieht Bilanz über sein Leben (Phil
3, 4-6). Er findet keine Entschuldigung für
seine Vergangenheit, aber er hat eine neue
Bewertung: “Was für mich früher ein Gewinn
war, das habe ich um Christi willen als Verlust
erkannt (Vers 7). Paulus versucht nicht sich
abzusichern, sondern geht aufs Ganze: (Vers
7). Paulus versucht nicht sich abzusichern,
sondern geht aufs Ganze:
Ja noch mehr: ich sehe alles als Verlust
an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines
Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen habe
ich alles aufgegeben und halte es für Unrat,
um Christus zu gewinnen und in ihm zu sein.
Nicht meine eigene Gerechtigkeit suche ich,
die aus dem Gesetz hervorgeht, sondern jene,
die durch den Glauben an Christus kommt, die
Gerechtigkeit, die Gott auf Grund des Glaubens
schenkt. Christus will ich erkennen und die
Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft
mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen.
So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den
Toten zu gelangen. (Phil. 3, 8-11).
31. Paulus weiß, dass er das Ziel noch
nicht erreicht hat, aber dass er in dem richtigen
Weg geführt wird. Er nimmt an, was auf ihn
zukommt, sogar den Verlust von allem, was
ihm in seinem Leben kostbar schien. Diesen
Verlust nimmt er auf sich, um Christus zu
gewinnen. Er verachtet nicht, was er verlässt,
aber er kann es nicht vergleichen mit dem,
was er gewinnt in der unschätzbaren Lebensgemeinschaft
mit Jesus Christus.
Freiheit zu lieben
32. Paulus und Alfonsus lehren,
dass Verlust eine größere geistige Freiheit
bringen kann, die Befreiung vom Ich, um ohne
Vorbehalt zu lieben. Eine besondere redemptoristische
Art zu lieben heißt “apostolische Liebe“;
das ist die Teilnahme an der Sendung Jesu
Christi und die verbindende Kraft unserer
Leben (siehe Konst. 52). Apostolische Liebe
setzt voraus, dass die “Ehre Gottes und das
Heil der Menschen eins sind” und dass “Liebe
zu Gott und Liebe zu den Menschen zusammenfallen”
(Konst. 53). Darum sind Redemptoristen auf
jeder Etappe ihres Lebensweges dazu berufen
"ihre Verbundenheit mit Gott in apostolischer
Liebe zu leben und durch apostolische Liebe
seine Ehre zu suchen”. Das XXII. Generalkapitel
hebt die lebenslange Berufung zu apostolischer
Liebe hervor, indem es empfiehlt:
“Jedes Mitglied unserer Kongregation, unabhängig
von seinem Alter, möge nach Wegen suchen,
wie wir dem Dienst an den am meisten Verlassenen,
vor allem den Armen, treu sein können, für
die wir am Tag unserer Profess die Wahl getroffen
haben” (Orientierungen, 2.4).
33. Es gibt Dienste, die
ältere Redemptoristen den Verlassensten, vor
allem den Armen, leisten können. Ich denke
zum Beispiel an betagte Redemptoristen, die
mit anderen Betagten oder Kranken mitfühlen
und ihnen sehr wirksam Trost und Hoffnung
bringen. Doch sind unsere Senioren berufen
ihre apostolische Liebe zunächst im Kreis
der Mitbrüder zu entfalten, denn das Leben
der apostolischen Gemeinschaft ist die
wichtigste Form der Verkündigung des Evangeliums
(Orientierungen 3). Ich glaube, es gibt zwei
einzigartige Dienste, die ältere Redemptoristen
in unseren Gemeinschaften leisten können.
Die erste Art von Hilfe wurde von Alfonsus selber angeboten, als
er im November 1774 sich anschickte, Sant’Agata
dei Goti zu verlassen. Er schrieb: “Wenn
ich zurück in eines unserer Häuser gekommen
bin, kann ich den Mitgliedern noch nützlich
sein, namentlich den jungen”. Er dachte
vielleicht, er könnte als Ratgeber die Studenten
in Homiletik oder Moraltheologie begleiten.
Seine Biographen legen nahe, dass das Beispiel
seines Lebenswandels im hohen Alter auf die
jungen Mitbrüder Eindruck machte. Ein betagter
Redemptorist, der sich von seinen Leiden oder
Altersbeschwerden nicht überwältigen lässt,
sondern Freude, Liebe und Hoffnung ausstrahlt,
ist ein unschätzbarer Mentor für junge Mitbrüder.
34. Die zweite Art Dienst hat mit dem
Alltag in der Gemeinschaft zu tun. Man hat
beobachtet, dass oft vor lauter Lust, Grosses
zu leisten, die Gelegenheit etwas Wichtiges
zu tun verpasst wird, weil es an sich unauffällig
ist. Die Betagten können mit ganz gewöhnlichen
Dienstleistungen zur Qualität unseres gemeinschaftlichen
Lebens beitragen. Ich erwähne, wie die Bereitschaft
eines alten Priesters die Arbeit in einer
sehr beschäftigten Kommunität unterstützte.
Er war seit seinem Schlaganfall halb gelähmt,
aber jeden Abend übernahm er den Dienst am
Telefon, während die anderen Mitbrüder mit
seelsorglichen Aufgaben in der anspruchsvollen
Pfarrei beschäftigt waren. Ich erinnere mich
auch an meinen ersten Besuch in Rom, wo ich
sah, wie Pater Bernhard Häring sich in seinem
hohen Alter um die Blumen im Garten der Kommunität
kümmerte. Ich denke, dass die meisten von
Ihnen schon beeindruckt worden sind von der
Zuvorkommenheit eines alten Mitbruders.
Den besten Wein am Schluss entdeckend (Joh. 2,10)
35. Johannes vom Kreuz erinnert
uns daran, dass wir am Ende unseres Lebens
nach unserer Liebe beurteilt werden. Das ist
vielleicht der Grund, warum wir uns am Lebensabend
mit Entbehrungen auseinandersetzen müssen,
dass wir freier werden zum Lieben. Für Missionare
ist es ein Vorteil, wenn sie nicht zuviel
Gepäck mitschleppen. Alles, was wir am Schluss
unserer Pilgerreise brauchen, ist Liebe: Gott
lieben, wie Er es verdient, und einander wie
Brüder. Die Liebe eines alten Redemptoristen,
im Alltag vorgelebt, kann eine tiefe Wirkung
auf seine Mitbrüder, besonders die jungen,
ausüben.
36. Die Liebe wirkt reifend
auf unseren Geist wie das Alter auf den Wein.
Am Ende unseres Lebens gibt die Liebe uns
Milde und Qualität, nicht den sauren Geschmack
des Essigs. Doch ist diese Liebe nie endgültig
in unserem Griff, vielmehr müssen wir sie
unser Leben lang durch ständige Erneuerung
unseres Geistes (Konst. 41) hegen. Am 24.
November 2000 gelangte Pater Josef Pfab, Generaloberer
Emeritus, an das Ziel seiner Pilgerschaft.
Nach dem Begräbnis erzählte mir ein junger
Priester von seiner letzten Begegnung mit
Pater Josef. Es war ein oder zwei Tage vor
seinem Tod; man war bereit zur Eucharistiefeier
im Spitalzimmer. Der junge Priester fragte,
um was sie beten sollten? Pater Josef antwortete:
“Bete, dass ich bekehrt bin in meiner Sterbestunde”.
Paulus hatte dasselbe Verlangen:
Ich kann nur sagen: ich
vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel
vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis:
der himmlischen Berufung, die Gott uns in
Christus Jesus schenkt. (Phil. 3,13-14)
37. Möge unsere Mutter Maria, deren Gegenwart
und Gebet die erste apostolische Gemeinschaft
begleitete, und die nicht zögerte, sich selbst
in den Dienst anderer zu stellen, uns helfen
jeden Tag treu sein, ganz besonders wenn wir
“leiden und sterben für das Heil der Welt”.
Brüderlich in Christus, dem Erlöser,
Joseph W. Tobin, C.Ss.R.
Generaloberer
(Der ursprüngliche Text ist englisch.)
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