Communicanda I - 1997-2003   

 


SPIRITUALITÄT

Unsere wichtigste Herausforderung


COMMUNICANDA
1

Rom, 25. Februar 1998
Prot. 0000 0028/98


Liebe Mitbrüder,

1.         “Wir danken Gott immerfort für euch alle, indem wir in unseren Gebeten euer gedenken. Unablässig denken wir vor unserem Gott und Vater an die Kraft eures Glaubens, an die Opferbereitschaft eurer Liebe und an die Standhaftigkeit eurer Hoffnung auf unseren Herrn Jesus Christus” (1 Thess. 1,2-3). Fünf Monate nach dem Abschluss des XXII. Generalkapitels und am Jahrestag der Approbation unserer Konstitutionen, lassen wir Ihnen dieses Schreiben zukommen, das dem Kapitel Nachwirkung verleihen und zugleich aufzeigen will, wie wir unseren Dienst an der Kongregation sehen.

2.         Das Kapitel hat der Generalleitung die Abfassung dieser Communicanda anvertraut zur Vertiefung der Botschaft und der Orientierungen, die schon der ganzen Kongregation zugestellt worden sind (Postulate des XXII. Generalkapitels, 1.1.4). Sie wissen bereits, dass in diesen Schreiben die Spiritualität zum Hauptanliegen erhoben und zu dem Thema erklärt wird, in dessen Licht die Kongregation während der nächsten sechs Jahre alle Spiegelungen ihres eigenen Lebens erfassen und leben will. Die Notwendigkeit, auf dieses Thema einzugehen, war bei den vorkapitularen Versammlungen immer wieder angesprochen worden und bestätigte ein in weiten Kreisen unserer missionarischen Familie spürbar gewordenes Bedürfnis.

3.         Doch möchten wir festhalten, dass dieses Herausheben der Spiritualität den ganzen in den letzten Jahrzehnten durchlaufenen Weg berücksichtigt, wie er vorgezeichnet wurde in den Generalkapiteln, in den betreffenden Schlussdokumenten und vor allem im Bestreben, “den Akzent auf die ausdrückliche, prophetische und befreiende Verkündigung des Evangeliums an die Armen zu legen und uns von ihnen herausfordern zu lassen” (XXI. Generalkapitel, Schlussdokument, 11). In diesem Zusammenhang wird die Sorge um die Spiritualität in ihrer ganzen Tiefe und Dringlichkeit offenbar.

4.         Diese “Communicanda” wollen das Thema Spiritualität nicht schulmässig ausschöpfend behandeln. Wir wollen zu einer Besinnung anregen über das Thema, das uns vom Generalkapitel aufgetragen ist, und jedem von Ihnen helfen, heute Redemptorist zu sein. Einerseits sind wir überzeugt, dass die Spiritualität ihrem Wesen nach persönliche und gemeinschaftliche Gotteserfahrung in Christus, unserem Erlöser, durch das Wirken des Heiligen Geistes ist; anderseits müssen wir die Bedürfnisse der verschiedenen Regionen im Auge behalten. Wir wünschen ferner, dass jede (V)Provinz nach ihren Möglichkeiten und ihrem Stil von diesem Schreiben den beabsichtigten Gebrauch macht.

5.         Wir sehen sehr genau die Gefahr – schon das Generalkapitel hatte diese Befürchtung – dass uns das Thema Spiritualität vom eigentlichen Anwendungsgebiet und den unbequemen Erfordernissen unserer Sendung ablenken könnte. Wir sagen darum sofort, dass “Spiritualität” nicht heissen will “Rückzug auf sich selbst” und auch nicht Flucht vor den persönlichen Verantwortungen oder vor der Umsetzung in unsere je eigene Geschichte. Wir wollen keine Theorien über Spiritualität ausbreiten, sondern konkret die normalen Aufgaben und die Nöte, die unseren Einsatz fordern, vor Augen halten. Dabei zählen wir neben unseren eigenen guten Bestrebungen auf die Zusammenarbeit mit den Laien, die in der letzten Zeit bei den Vorhaben der verschiedenen (V)Provinzen intensiver mitgearbeitet haben. Wie sie sich unsere Spiritualität aneignen können, indem sie mit uns leben, mit unserem Milieu vertraut werden und mit uns arbeiten, so können sie uns ebenso helfen, dass wir näher im Kontakt mit der Wirklichkeit des täglichen Lebens bleiben.

6.         Noch ein anderes Risiko wollen wir vermeiden, das darin bestünde, uns mit dem Thema Spiritualität einfach in die Strömung jener diffusen Religiosität zu begeben, die heute Mode ist. Wir wissen, in welchem Mass die Spiritualität zum Modeartikel und kommerziellen Erfolgsrezept geworden ist. Ein wahrer Supermarkt der Spiritualität, der von new age bis zu den esoterischen Sekten reicht, verlockt viele unserer Zeitgenossen. Doch wissen wir, dass das wenig zu tun hat mit den Voraussetzungen eines Offenbarungsglaubens, der ausgeht vom gehorsamen “Hören” auf das Wort und hinführt zur verantworteten Begegnung mit einer Person, nämlich Jesus Christus.

7.         Die Spiritualität ist ein Band der Einheit für die ganze Kongregation. Doch können wir im Hinblick auf die verschiedenen Regionen und Kulturen sowie auf die einzelnen Personen die grosse Mannigfaltigkeit von Situationen und Erwartungen nicht übersehen. Unter den Mitbrüdern besitzen manche glücklicher-weise eine gefestigte Spiritualität, andere sind sich eher einer inneren Spaltung bewusst, wieder andere sehen sich auf der Suche nach etwas, das sie noch nicht gefunden haben. Es sind innere Verhältnisse, die nicht registriert werden können, wo die Gnade Gottes und die Begebenheiten des Lebens ineinanderwirken, doch soll jede (V)Provinz mit Rücksicht auf diese Vielschichtigkeit der Gegebenheiten unsere Überlegungen auf ihre Situation abstimmen.

Begründung

8.         Zuerst halten wir es für wichtig, uns zu fragen, warum eigentlich das Generalkapitel die Spiritualität zur wichtigsten Herausforderung für die ganze Kongregation in diesen Jahren erklärt hat. Die Antwort auf diese Frage erlaubt uns, sinngemäss auf die Forderungen dieses Themas einzugehen. Hier nun einige Gründe, die unseres Erachtens der Wirklichkeit nahekommen, doch wünschen wir, dass unser Versuch auf lokaler Ebene erwogen und weitergeführt wird.

9.         Unser erster Eindruck ist es, dass die Kongregation einem übertriebenen Aktivismus verfallen ist oder wenigstens sich im Verhältnis zu den vielen Tätigkeiten zu wenig Zeit zum Nachdenken und zur Besinnung nimmt. Mit anderen Worten, wir haben es alle nötig, wieder die echte und tiefe Motivation für unser Handeln zu finden und wir wissen, dass für uns Redemptoristen die Motivationen wesentlich auf eine Person, die “einzig nötige” (Luk, 10,42), unseren Erlöser Jesus Christus, bezogen sind. Diese Erfordernis wird klar vom Generalkapitel selber ausgedrückt, wenn es sagt, dass die dringendste Frage die ist, welchen Platz Gott in unserem Leben einnimmt (Botschaft, 3). Das ist ein Hinweis, den wir nicht übersehen dürfen und der für jeden von uns zu einer Quelle der Freude wird, denn sofern wir Gott zum Mittelpunkt unseres Lebens werden lassen, verwirklichen wir uns selbst voll und ganz.

10.       Doch dürfen wir wohl noch eine weitere Erklärung annehmen für die Wahl, die das Kapitel getroffen hat, nämlich den Zusammenhang mit dem geschichtlichen Zeitabschnitt, in dem wir leben. Viele von uns erinnern sich an eine Ausbildung – in den Jahren vor dem II. Vatikanischen Konzil – die grösstenteils auf die Werte der Observanz ausgerichtet war. In den darauffolgenden Jahren setzte sich eine andere Anthropologie mit ihren Konsequenzen durch, gemäss welcher die Selbstverwirklichung der Person und die Freiheit im Vordergrund standen. Das Ergebnis der letzten Jahre hat gezeigt, dass sich diese Auffassungen nicht ausschliessen. Doch während die erste Auffassung, wie einige meinen, manchmal eine “herzlose Observanz” förderte, hat die zweite nach der Meinung anderer oft zu einer “ziellosen Freiheit” geführt. Das Gespräch in der Gemeinschaft hatte oft lähmende Folgen: die apostolischen Unternehmungen wurden kurzlebig und die Identität der Personen geriet in eine Krise. Wir halten fest, dass das Generalkapitel in der Spiritualität das wirksame Mittel gesehen hat, um die Freiheit in der Gemeinschaft zu gewährleisten, indem es einen möglichen und glaubhaften Weg für die nächste Zukunft weist.

11.       Unser Bedürfnis nach Spiritualität kann sich noch anders erklären. Wir leben in einer Zeit “ständigen Umbruchs” und technisch beschleunigten Fortschritts (auch wenn diese Entwicklung nicht in allen Regionen gleich ist). Wir haben Mühe, mit unserer Zeit Schritt zu halten. Nicht nur technologische und wissenschaftliche, sondern auch tiefer gehende kulturelle Neuerungen setzen unseren geistigen Horizont harten Prüfungen aus. Früher waren unsere Ordensregel und unsere Traditionen oder die Heiligen auf unseren Altären für uns einigermassen bewährte und zuverlässige Anhaltspunkte, heute hingegen stehen wir vor einer Zukunft, von der wir nicht wissen, was sie mit sich bringt. Wir stellen fest, dass weniger von Nachfolge Christi gesprochen wird in einer Welt, die scheinbar niemandem zu folgen hat. Darum brauchen wir ein heilsames “Gewicht”, das uns hindert, ständig an der Oberfläche zu leben. Wir spüren das Bedürfnis nach etwas, das in unserem Innern die Geschlossenheit bringt, unabhängig von den äusseren, sich stets ändernden Faktoren: das Kapitel hat dieses “Etwas” in der Spiritualität gefunden.

12.       Jedenfalls beobachten wir im Bereich der Theologie die Bemühungen, mit der Zeit Schritt zu halten. Was hat nicht in der letzten Zeit zum Beispiel der Begriff Erlösung für eine Erweiterung erfahren? Während noch viele von uns zum Beispiel zur Sorge um die “Rettung der Seele” erzogen wurden, konnten wir doch erleben, wie dieser Begriff sich zur Befreiung des ganzen Menschen geöffnet hat (vgl. Konst. 5). Wir entdeckten auch, dass die Copiosa Redemptio uns in ein neues Verhältnis zu anderen Kulturen und Religionen versetzt und uns gewisse Probleme, wie die Bewahrung der Schöpfung, die Menschenrechte usw., ernst nehmen lässt. Theoretisch ist es leicht, diese Zusammenhänge wahrzunehmen, aber wie viele haben praktisch in ihrem “missionarischen Eifer” nachgelassen, weil sie sich vor einer neuen Aufgabe sahen, die über ihre Kräfte geht.

13.       Es wurden uns viele Möglichkeiten des Studiums und der Ausbildung geboten und auch an Weiterbildungskursen nahm das Angebot zu, sowohl bei ausserordentlichen Anlässen (Jahrhundertfeiern unserer Heiligen, Seligsprechungen usw.) als auch im gewohnten Programm der Provinzen. Doch müssen wir eingestehen, dass nicht immer die tiefe Erneuerung unseres Lebens das Ergebnis des grossen organisatorischen Aufwandes war. Auch wir bekunden in unserem Äussern und noch mehr in unserem Innern jenen Bruch zwischen dem Glauben und dem Leben, der ein verwirrendes Zeichen unserer Zeit bleibt. Weil sich die Anlässe zur Unterweisung und Ermunterung mehren, empfinden wir um so schmerzlicher die Schwierigkeit, das Gelernte in den gelebten Alltag umzusetzen.

14.       Diese innere, existentielle Spaltung spiegelt sich auch in unserer Art und Weise zu beten. Schon das Generalkapitel von 1991 rief in Erinnerung: “Wir haben jene ‘Übungen’ aufgegeben, die wir als nicht überzeugend und für die Gegenwart ungeeignet befunden haben; es ist aber nichts Neues entstanden, das den entstandenen Leerraum zu füllen imstande wäre” (Schlussdokument, 33). Das Resultat ist das ständige Fehlen einer Gebetsordnung in diesen Gemeinschaften und generell eine gewisse geistige Leere, in der viele Mitbrüder Mühe haben, sich zu erneuern. Man muss sich fragen, wenn man in gewisse unserer – geistig blutarmen – Gruppierungen hineinschaut, ob da überhaupt noch von einer religiösen Gemeinschaft die Rede sein kann. Dürfen wir uns im Licht unserer “Weihe” auf ein säkularisiertes Zusammensein beschränken? Man muss sich fragen, ob ein solches Gestalten (oder Nichtgestalten) der Gemeinschaft ein Minimum an Anziehungskraft auf die jüngeren Generationen ausübt. Da sollte jeder seinen eigenen Anteil an Verantwortung wahrnehmen.

15.       Die geistige “Leere” gab Mitbrüdern Anlass zu einer “Zuflucht” zu anderen Spiritualitäten oder kirchlichen Bewegungen, um draussen zu suchen, was sie in unserer Gemeinschaft nicht finden. Wir sind der Meinung, dass man niemandem das Recht auf persönliche geistliche Entfaltung absprechen kann. Aber dort, wo das weiterhin geschieht, drängen sich ganz bestimmte Fragen auf: Ist die Gemeinschaft imstande, das geeignete Klima für die volle Entfaltung der Mitbrüder zu schaffen? Bietet sie den Personen den “menschlichen” Raum, damit sie ihre tiefsten Erwartungen äussern können? Strebt sie danach, auf diese Erwartungen mit einer “entsprechenden Ordnung” (Konst. 44-45; St. 041) und günstigen Voraussetzungen für das Gebet Antwort zu geben?

16.       Nicht gleichgültig kann uns die Anzahl jener lassen, die nach einigen Jahren aus der Kongregation austreten: die Tatsache, dass etliche von ihnen ihrer Enttäuschung Ausdruck geben, lässt uns fragen, ob wir ihnen geholfen haben, sich menschlich und geistlich zu entfalten. Auch wenn Ähnliches schon früher vorgekommen ist und heute ebenfalls in anderen Ordensgesellschaften geschieht, so kommen wir trotzdem nicht um einige Fragen herum: Was hatten diese Mitbrüder bei den Redemptoristen gesucht und nicht gefunden? Fühlen wir uns verantwortlich für die anderen, was ihren Beruf anbelangt? Diese Fragen lassen uns nicht nur an die Mitbrüder denken, die uns verlassen haben, sondern auch an jene, die zwar bleiben aber sich ohne Begeisterung einem Lebensstil anpassen, der die tiefste Motivation unseres Zusammenseins in Frage stellt.

17.       Ganz allgemein müssen wir zugeben, dass es uns nicht immer gelingt, in unserem Alltag, in unseren Beziehungen zu einander, in unserer Seelsorge die wahren Beweggründe unserer Weihe und unseres pastoralen Wirkens geltend zu machen und “einem jeden Rechenschaft zu geben, der uns nach dem Grund unserer Hoffnung fragt” (vgl.1 Petr. 3,15). Haben wir gelernt, unsere geistlichen Erfahrungen unter uns auszutauschen? Was würde in der heutigen Welt fehlen, wenn unversehens das redemptoristische Charisma ausbliebe? Was hat die Intuition des heiligen Alfonsus für eine Auswirkung auf unser Bildungsniveau? Gelingt es uns, die Aktualität der redemptoristischen Spiritualität den Laien mitzuteilen und sie jungen Menschen als Lebensrichtung vorzuschlagen? In welchem Sinn streben wir danach, uns als Schule evangeliumsgemässer Spiritualität darzustellen (vgl. Vita Consecrata, 93)?

18.       Diese Fragen rufen nicht nur nach ernster Ausbildung, sondern auch nach Wiedergewinnung persönlicher Identität und echtem Familiengeist. In diesem Sinn können wir vielleicht als Thermometer der Spiritualität die Freude betrachten, die von den einzelnen und der Kommunität ausgestrahlt wird. Wir sollten alle zurückfinden zu einem Sinn der Zusammengehörigkeit und einem gewissen Stolz, Redemptoristen zu sein. Vielleicht ist das der Grund, der alle anderen Gründe zusammenfasst und das Generalkapitel veranlasst hat, sich mit der Spiritualität zu befassen.

Grundzüge, redemptoristischer Spiritualität

19.       Wer am Generalkapitel teilgenommen hat oder es über die Medien verfolgt hat und wer das betrachtet, was das Kapitel reiflich überlegen und der ganzen Kongregation nahebringen wollte, wird vielleicht mit uns den Eindruck haben: in den meisten Fällen hat sich das Kapitel mehr mit “der Spiritualität” als mit der “redemptoristischen Spiritualität” befasst. Wir wollen keineswegs einen Gegensatz zwischen den beiden Begriffen aufstellen: die Spiritualität hat sich in unserem konkreten Redemptoristenberuf entwickelt und darum kann man diese Prägung nicht löschen. Wir möchten nur auf den Sprachgebrauch des Kapitels hinweisen. Die Konstanz, mit der es auf die einfache Spiritualität zurückgekommen ist, hat drei Konsequenzen:

20.       Erstens stellen wir fest, dass die Fundamente unserer Spiritualität wieder ins Licht gerückt werden. Wichtiger als die spezifische Kenntnis unseres Charismas, ist es, das Wesen eines Lebens aus dem Glauben und den wesentlichen Sinn der Weihe zu erfassen. Wenn die spezifische Kenntnis zum Selbstzweck wird, kann sie zu einer akademischen Übung ausarten.

21.       Zweitens dürfen wir nicht kurzsichtig sein, indem wir unsere Aufmerksamkeit nur unserem spezifischen Charisma schenken und den weiteren, fordernden Horizont, vor dem unser Charisma seinen Platz hat, ausser Acht lassen. “In der grossen, heiligen Kirche ist die Kongregation keine Seitenkapelle. Ihre Sendung weist ihr den Platz im Chor der Kirche an, dort wo der Altar steht und das Paschamysterium Christi für die Welt gefeiert wird. Sie ist berufen das zu verwirklichen, was zentral ist, nämlich Christus weiterzuführen und das Ereignis des Heiles, das in Christus ist. Was ist dann ihr Spezifisches im Gesamten der Kirche? - Ihr Spezifisches besteht in der Verwirklichung des Wesentlichen und zwar in reicher Fülle (F. X. Durrwell, Spicilegium 24, p. 96)”. Wir können auch nicht behaupten, dass unsere Spiritualität ausschliessliche, nur uns in der Kirche kennzeichnende Elemente enthält. Ein grosser Teil der Faktoren, die traditionsgemäss als redemptoristisch bezeichnet wurden (den Armen predigen, volksnahe Mission, usw.), finden sich auch in anderen Spiritualitäten und Ordensgenossenschaften. Eher kann die Art, wie das alles zusammenhängt, uns gewissermassen kennzeichnen. Und diese Art wiederum enthält viele andere Faktoren: den persönlichen Lebensstil, die Art aufzutreten und zu sprechen, ein gewisses Gemeinschaftsgefühl usw., Merkmale, die einen kompetenten Beobachter sagen lassen: “das ist ein Redemptorist”.

22.       Drittens – und das ist das wichtigste – richtet die Entscheidung für die Spiritualität die Aufmerksamkeit eines jeden auf unsere persönliche Beziehung zu Christus und stellt uns vor die Frage, wieweit wir wirklich aus einer persönlichen Christusbeziehung leben, und wieweit diese Beziehung die erste Motivation in unserer Lebensführung ist (Botschaft des XXII. Generalkapitels, 1).“Wie auch die äusseren Umstände sein mögen: Redemptoristen sind in dieser Zeit aufgefordert, den zentralen Gehalt unserer Spiritualität ins Licht zu rücken, nämlich wie wir unsere Glaubensbeziehung zu Jesus stärken und ausdrücken” (Botschaft, 3). Zu dieser Beziehung lockt und bewegt uns unablässig der Heilige Geist. Er weckt das Verlangen nach einer vollkommenen Antwort, indem er uns zu Personen gestaltet, die Christus gleichförmig sind. (Vita consecrata, 19). Er ist es, der unseren Verstand überzeugt, indem er ihn mit Freude und Liebe annehmen lässt, was in menschlichen Augen einfach “Torheit” ist.

23.       Die redemptoristische Spiritualität finden wir definiert in unseren Konstitutionen. Wenn wir diese studieren und mit ihnen beten, können wir das Warum und die Wesenszüge unserer Berufung erkennen. Auf diesen Seiten entdecken wir die kennzeichnenden Merkmale der redemptoristischen Identität, die wesentlich darin besteht “das Beispiel unseres Erlösers Jesus Christus weiterzuführen, indem wir den Armen das Evangelium verkünden” (Konst. 1). Vermehrte Vertrautheit mit unserer Lebensregel erlaubt uns, in einem Blick jene Spiritualität zu sehen, die uns eigen ist und die sonst undefinierbar wäre.

24.       Im Licht dieses Grundentscheides und der daraus folgenden Tradition können wir einige Grundzüge bestimmen, wobei wir allerdings die wesentlichen von den unwesentlichen unterscheiden müssen. Wir legen sie Ihnen vor, doch ohne dass wir Vollständigkeit und systematische Genauigkeit beanspruchen:

·   wir sind Redemptoristen: unsere Spiritualität hat ihren Platz in der Theologie der Menschwerdung;

·   wir sind Missionare und deshalb vor allem Verkünder des Evangeliums, dessen “Herz” das Erbarmen ist;

·   der Redemptorist hat Sinn für das “Volksnahe”, einen leichten Zugang zum “Volk” und eine einfache Sprache;

·   die redemptoristische Spiritualität ist Quelle und Frucht unserer Sendung (Botschaft, 6);

·   der Redemptorist fühlt mit den Armen;

·   unser pastorales Engagement für die Armen und Verlassenen gehört zum Wesen unserer Spiritualität (Botschaft, 8).

25.       Ebenso glauben wir, dass wir der Mutter von der Immerwährenden Hilfe eindeutig mehr Raum in unserer Spiritualität geben müssen. Ihre Ikone ist dank des Eifers und der Kreativität der Redemptoristen zum bekanntesten Bild der Madonna in der Welt geworden. Sie kann uns helfen, unser Charisma weiter bekannt zu machen. Dieser Titel “von der Immerwährenden Hilfe” steht ja auf der gleichen Linie mit der Erlösung in Fülle.

26.       Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Spiritualität gemeinschaftlich ist. Man erlernt sie in der Gemeinschaft und sie muss auch in einigen gemeinschaftlichen Einrichtungen zur Geltung kommen, wobei das Wort Gottes, die Liturgie und die Eucharistie den Vorrang haben (vgl. Konst. 27). Wir selber, auf die Geschichte unseres Berufes zurückblickend, können sagen, dass wir die Spiritualität nicht aus Büchern, sondern von den Mitbrüdern übernommen haben, von ihrer Lebensweise, von ihrer Art zu arbeiten und apostolisch zu wirken, die wir beobachtet und uns langsam angeeignet haben. Wenn wir noch weiter zurückgehen, müssen wir sagen, dass unsere Kongregation sich von Anfang an durch präzise und aktionsbedingte Entscheidungen ausgezeichnet hat (zum Beispiel durch ihren Beschluss, die Vorliebe Christi für die Armen weiterzuführen, indem sie den Standort der Häuser von ihrer Nähe bei den Armen abhängig macht). Jedenfalls muss unser Zugang zum Thema Spiritualität auch zur Frage führen, ob unser Zeugnis wirksam und ansteckend ist und ob unsere gemeinschaftlichen Einrichtungen diesem Zeugnis förderlich sind.

27.       Die Wahl, die das Kapitel zugunsten der redemptoristischen Spiritualität getroffen hat, ist darum von lebenswichtiger Bedeutung für uns, wenigstens aus drei Gründen:

·   ein psychologischer Grund will, dass mit der Spiritualität unsere Identität auf dem Spiel steht. Mit dem redemptoristischen Charisma haben wir unsere Existenz aufs Spiel gesetzt. Mit dieser Einsicht haben wir schliesslich unser eigenes Gesicht wiedergefunden. Die Schwierigkeiten unserer Zeit oder die unpassenden Einrichtungen sind gewiss ein Problem, aber eines, das gelöst wird, wenn wir uns die Wichtigkeit dieses Anliegens zu Herzen nehmen;

·   ein theologischer Grund legt uns nahe, was unser Gründer sagte: “Gott will uns alle als Heilige haben und zwar einen jeden in seinem Stand, den Ordensmann als Ordensmann, den Laien als Laien, den Priester als Priester, den Verheirateten als Verheirateten, den Kaufmann als Kaufmann, den Soldaten als Soldaten, und so weiter (Pratica d’amar Gesù Cristo, Kap. VIII.). Wenn jedermann berufen ist, in seinem Stand heilig zu werden, sind auch wir berufen, unseren Stand ernst zu nehmen und als Redemptoristen den Willen Gottes zu suchen;

·   ein apostolischer Grund sagt uns, dass zu den Armen zu gehen, ohne Gott mit uns zu haben, das Risiko in sich schliesst, sie auszunützen. Aus der Erfahrung der Liebe Gottes heraus war der heilige Alfonsus von der Not der Armen so tief betroffen. Das Niveau unseres geistlichen Lebens zu senken und dabei zu meinen, man sei glaubhafter bei den Armen, wäre eine Illusion unsererseits und eine Irreführung der Armen. Das apostolische Vorhaben selber wäre von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Einige Überlegungen zu unserem Leben

28.       “Wir sind der Überzeugung, dass der Kongregation die grosse Gnade einer erneuten Hinkehr zum Erlöser angeboten ist”. Dieser Satz der Botschaft des Kapitels (5) könnte in den Wind geschlagen werden wie viele andere Aufforderungen zur Lebensänderung. In gewissen Kreisen ist es bei uns schwer geworden von Bekehrung zu reden aus lauter Angst, erworbene Rechte zu verlieren oder einen unantastbaren Lebensstil aufgeben zu müssen. Doch die herrliche Wirkung der Spiritualität in unserer Existenz zielt nicht darauf ab, Schuldgefühle oder Versagerstimmung zu wecken, sondern uns zu öffnen für das Neue Gottes, hier und heute, wenn wir es nur wollen. “Siehe, ich erschaffe Neues. Schon keimt es. Seht ihr es nicht?” (Jes. 43, 19)

29.       Jede Bekehrung ist für heute. “Hört heute auf Seine Stimme: Verhärtet euch nicht!” (Psalm 95,8). Ein Blick in unsere Zeit macht klar, dass eine Verzögerung der Bekehrung sich für unsere Kongregation und die Bedeutung unserer Sendung verheerend auswirken könnte. Heute verstehen wir immer besser, was es heisst, das Werk des Erlösers unter den Verlassenen weiterzuführen. Heute entdecken wir, dass die Welt Hunger und Durst leidet nach geistlichem Leben. Heute stellen wir fest, dass dieser Hunger und Durst um so grösser ist, je stärker er verdrängt oder missbraucht wird. Heute haben wir noch genug persönliche und moralische Energie, um konkrete, mutige Entscheidungen zu treffen.

30.       Die Entscheidung für die Spiritualität fordert dringend eine neue Grundhaltung, die sich in apostolisches Wirken umsetzt. Wir sind zu einer “kontemplativen Sichtweise des Lebens” (Orientierungen zum Thema Spiritualität, Einleitung) aufgefordert, so dass uns der Reichtum unserer geistlichen Welt zum Bewusstsein kommt (vergl. Konst. 24). Vertraut mit dieser geistlichen Welt können wir als Söhne mit Gott reden und die Schritte erwägen, die Gott in unserer Geschichte gegangen ist, indem er uns zu den Seinigen machte. Wir müssen uns selbst als “erlöst” erfahren, um glaubhaft “Erlösermissionare” zu sein. Wer hingegen stets an der Oberfläche dahinlebt und nicht fähig ist zu meditieren, beim Wort Gottes zu verweilen und still zu sein, dem fehlt die Voraussetzung für gelebte Spiritualität. Das Problem verschärft sich noch, wenn diese Unfähigkeit zur üblichen gemeinschaftlichen Lebensweise geworden ist. Wir wissen wohl, dass es gemeinschaftliche und apostolische Situationen gibt, wo es schwer ist, ein Klima der Stille und des Gebetes zu wahren, und in manchen Fällen ist das richtig so. Aber jede Kommunität sollte danach trachten, sinnvolle Lösungen zu finden, um auf persönlicher und gemeinschaftlicher Ebene das Missverhältnis aufzuheben, das eventuell zwischen dem Bedürfnis nach Spiritualität und der dafür tatsächlich vorhandenen Zeit und Möglichkeit besteht.

31.       Während die Bekehrung unsere Aufmerksamkeit nach innen lenkt, dürfen wir nicht vergessen, dass sie zugleich nach aussen in Verbundenheit mit der Kirche und dem Reich Gottes, wo unser Charisma seinen Sinn hat, unternehmerisch sein will. Das verlangt, dass wir die nötigen Beziehungen zu den Einrichtungen der Kirche am Ort pflegen, die anderen Charismen besser kennen lernen, unseren Dienst immer mehr unentgeltlich anbieten. Es verlangt auch, dass wir uns erkundigen, wie die Kongregation heute - oft heldenmütig und schöpferisch - ihr Charisma in den verschiedenen Regionen der Welt entfaltet. Somit müssen wir uns bei unserer geistigen und kulturellen Vorbereitung anstrengen, um den Wert unseres Dienstes an Kirche und Welt zu verbessern.

32.       Diese Hinwendung nach aussen verlangt vor allem, dass wir unsere Sendung vor Augen haben, wenn wir von Spiritualität reden. “Unsere Spiritualität wird auch von der Herausforderung geprägt, sich auf die Kämpfe und Leiden der Armen einzulassen, in denen Jesus als der leidende Gottesknecht begegnet” (Botschaft, 6). Wie die Kapitularen es taten, müssen wir uns alle fragen, “auf welche praktische Weise unser Engagement für die Armen Ausdruck unserer Spiritualität wird und auf welche Weise dieses Engagement uns hilft, eine echtere Spiritualität zu entwickeln (Botschaft, 8).

33.       Es ist wichtig, dass diese Fragen unsere Auffassung von Spiritualität und den Stil unseres persönlichen und gemeinschaftlichen Gebetes prägen. Gewöhnlich gestaltet sich eine Spiritualität nach den Ereignissen, die uns als Personen treffen und in uns tiefgehende Fragen aufwerfen: es sind erschütternde Informationen, Konflikte mit uns selbst oder mit anderen, entscheidende Lebensabschnitte usw. Wir meinen, dass ein Redemptorist mitten in seinem persönlichen und gemeinschaftlichen Beten den Schrei der Armen, ihre Sorgen, die Probleme des Alltags, die Verhältnisse der Ungerechtigkeit und Unterdrückung mitempfinden soll. Das ermöglicht ihm, nicht nur an der Erlösung in Fülle mitzuwirken, sondern auch seine Bereitschaft zu einem grossmütigen und konkreten Apostolat zu läutern.

34.       Die Herausforderung der Spiritualität treibt auch einen jeden dazu, sich mit den Armen zu identifizieren, bei denen viele Redemptoristen, angefangen mit dem heiligen Alfonsus, eine entscheidende Bekehrung durchmachten. Diese Veränderung wirkt sich auf unsere Lebensweise aus und führt zur Einfachheit und Genügsamkeit. Sind wir gefeit gegen das Konsumverhalten? Wie können wir hellhörig bleiben, wenn der Lärm der Welt uns taub macht für die Stimme der Armen oder wenn unsere Gewohnheiten so verschieden sind von den ihrigen?

35.       Diese auf die Armen ausgerichtete Spiritualität muss auch mit der entsprechenden Ausbildung verbunden sein. Wir müssen unser Bestes tun, um unseren Dienst an den Armen theologisch und apostolisch zu begründen in dieser Zeit des Umbruchs, wo der Zusammenbruch der grossen Ideologien die Verlassenen noch weiter ins Abseits drängt. Mit Mut müssen wir immer neu aufbrechen, von Fragen ausgehend wie diese: in welchem Sinn ist unsere Spiritualität ein Zeichen des Widerspruchs in der Gesellschaft, in der wir leben? Lässt unser Dasein in der Welt (Joh. 17, 11.14) uns auf unkritische und passive Weise die Logik der Welt übernehmen? Passen wir uns der Gesellschaft an oder sind wir ein Zeichen für sie? Worin besteht das Prophetische in unserer Verkündigung des Evangeliums und in unserem Charisma? Inwiefern ist unser Charisma eindeutig und glaubhaft für junge Menschen, die vor ihrer Berufswahl stehen? Wie stellen wir uns zum Gespräch mit anderen Kirchen, Religionen und Kulturen?

36.       Diese Fragen scheinen so viel zu verlangen, dass sie entmutigen könnten, oder einen gewissen Pessimismus der Generalleitung vor dem jetzigen Stand und der Zukunft der Kongregation zu verraten. Ganz im Gegenteil wollen wir das grosse Vertrauen betonen, das uns bewegt bei unserem Dienst und bei der Einschätzung der Rolle, die wir im jetzigen historischen Moment zu spielen berufen sind. Die Spiritualität gibt uns den Anlass, diese Rolle glaubhafter zu machen und unseren Dienst schärfer zu prägen. Dieses Vertrauen gründet auf der Schönheit unserer Geschichte. In ihr finden wir Wurzeln, die tief genug sind, dass der Geist heute neue Triebe hervorbringt. Aussergewöhnliche und gewöhnliche Gestalten unserer Geschichte erzählen noch heute von einer frohen Heiligkeit, die sie menschlich erfüllte, obwohl es an Problemen nicht fehlte. Ihre begeisterte Verbundenheit mit unserem Erlöser Jesus Christus und ihre Bereitschaft, Ihn in den Armen zu erkennen, sagen uns, dass die Herausforderung weitergeht, weil Christus (Mt 28, 20) und die Armen (Mk. 14, 7) immer mit uns sind. Der Anlass zu grosszügiger Bereitschaft wird nicht ausgehen! Und die Spiritualität, mit der die Redemptoristen diese Bereitschaft in Taten umgesetzt haben, bleibt aktuell.

37.       Die Lokal- und Provinzobern sind zuerst angesprochen, um diese Bemühungen in unserer Zeit zum Erfolg zu führen. Bei den vielen Anforderungen an ihre Rolle und namentlich ohne die früher anerkannten Stützen (die Regel, die Tagesordnung, den unbedingten Gehorsam usw.) könnten sie sich unvorbereitet und mutlos fühlen. Doch die Spiritualität leitet sie an, sich auf die tieferen Wurzeln ihres Dienstes zu verlassen (die der Liebe und Aufmerksamkeit für die Personen) und lässt sie mehr Seelsorger als Verwalter sein. Wir wissen, dass damit ihr Auftrag noch nicht ideal erfüllt ist, aber es gibt ihm Sinn und begründete Hoffnung.

Schlusswort

38.       Wir meinen, dass diese Communicanda eine vom Generalkapitel begonnene Besinnung auch dort in die Wege leiten sollen, wo das Kapitel bis jetzt noch keine Wellen geschlagen hat. Es geht um ein Anliegen, dem niemand – vor allem nicht die Generalleitung – ausweichen darf. Der Auftrag des Kapitels wird seine Wirkung erreichen, wenn er entsprechende Auseinandersetzungen auslöst auf einem “Weg”, der am Ort gefördert wird und sich durch Taten auszeichnet. Einerseits soll man auf das Angebot (an Kursen, Anleitungen zur Besinnung, Provinzversammlungen usw.) der Provinzleitung eingehen, anderseits aber soll jede Kommunität die Anlässe vorsehen, wo über die Spiritualität (Lagebeurteilung, Organisation und Verbesserung der Qualität des Gebetes usw.) beraten wird und Beschlüsse gefasst werden: Anlässe, die wohl in jenen “Plan für das Gemeinschaftsleben” gehören, der vom Generalkapitel verlangt wird (Postulat 3.1).

39.       Um uns voll auf die Zielsetzung des Generalkapitels auszurichten, sind die Orientierungen zum Thema Spiritualität eine grosse Hilfe. Sie gehören zu diesen Communicanda. Wir meinen, dass das Kapitel mit diesen Orientierungen den verschiedenen (V)Provinzen wesentliche Vorschläge unterbreitet zu möglichen, konkreten Neuerungen, die auf lokaler Ebene fällig sind. Jede (V)Provinz wird darin finden, was nötig ist, um ein den eigenen Verhältnissen entsprechendes Programm aufzustellen. Dabei ist es wohl nützlich, die Hilfe in Anspruch zu nehmen, die unsere Mitschwestern aus dem Orden vom Heiligsten Erlöser und die anderen Ordensgemeinschaften der alfonsianischen Familie uns bieten können.

40.       Die Generalleitung ist beauftragt, “ein Erneuerungsprogramm für die Mitbrüder zu erarbeiten, das sich auf die alfonsianischen und redemptoristischen Quellen, wenn möglich an den alfonsianischen historischen Stätten”, gründet (Postulata: verbindliche Forderungen des Generalkapitels, 4.1), und “sich damit zu beschäftigen, dass mehr Kurse über Spiritualität in einer passenden Form angeboten werden” (4.2). Desgleichen erinnern wir uns, dass das Generalkapitel die Generalleitung beauftragt hat, gegen Mitte des Sexenniums Versammlungen der höheren Oberen und der Regionalobern in den Regionen durchzuführen, um die Antworten der Einheiten auf das XXII. Generalkapitel auszuwerten (Orientierungen zum Thema Spiritualität, 10.1). Im selben Sinn soll sie auch ein Treffen der neugewählten höheren Oberen der verschiedenen (V)Provinzen, wie es sich im letzten Sexennium erfolgreich erwiesen hat, gestalten. Wir hoffen, dass diese Communicanda bei der Visitation durch die Generalleitung in den Provinzen zu einer Aussprache über die behandelten Themen und deren konkrete Anwendung beitragen können. Wir zählen auf die Mitarbeit der (V)Provinzen bei der Durchführung dieser Programme und – noch wichtiger – es liegt uns viel daran, von den verschiedenen (V)Provinzen Rückmeldungen zu erhalten, wenigstens auf die folgenden Fragen: Welche Punkte der Communicanda spiegeln am treffendsten die lokalen Verhältnisse? Welche konkreten Massnahmen werden ins Auge gefasst? Welche Hilfe wird von der Generalleitung erwartet?

41.       Liebe Mitbrüder, diese Handreichung zur Besinnung empfehlen wir dem fruchtbaren, schöpferischen Wirken des Heiligen Geistes in diesem Jahr, das von der Kirche in besonderer Weise der Dritten Person der Heiligsten Dreifaltigkeit gewidmet ist. Er “lasse uns seine Freundschaft kosten, erfülle uns mit seiner Freude und seinem Trost, helfe uns die Schwierigkeiten überwinden, stelle uns auf nach einem Sturz, mache uns zu Spiegeln der göttlichen Schönheit. Er gebe uns den Mut, uns den Herausforderungen unserer Zeit zu stellen, sowie die Gnade, den Menschen die Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Retters Jesus Christus zu offenbaren (Vgl. Tit. 3, 4 und Vita consecrata, 111).

Ihnen allen senden wir unsere herzlichsten, brüderlichen Grüsse und bitten Sie, diese Grüsse auch an unsere Mitschwestern im Orden vom Heiligsten Erlöser und an die anderen Ordensgemeinschaften der alfonsianischen Familie auszurichten.

Im Namen des Generalrates,

P. Josef W. Tobin C.Ss.R.
Generaloberer


(Der italienische Text ist ursprünglich und massgebend.)