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Hl. Klemens
Maria Hofbauer
Schon
von früher Kindheit an verspürte Hofbauer den
leidenschaftlichen Wunsch, Priester zu werden.
Ein halbes Leben lang musste er um die Verwirklichung
seiner klar erkannten Berufung ringen. Nach einem
langen Weg mit den verschiedensten Stationen hat
er erst als 34 jähriger dieses Ziel erreicht.
Kindheit und Jugendjahre
Der hl. Klemens kam am 26. Dezember 1751 als neuntes
von zwölf Kindern des Ehepaares Hofbauer-Steer
in Tasswitz, einem kleinen Bauerndorf in Südmähren,
etwa 100 km nördlich von Wien, zur Welt und wurde
am gleichen Tag auf den Namen Johannes getauft.
Später wird er in Tivoli den Namen "Klemens" bekommen.
Darum sei er in dieser Lebensbeschreibung fortan
"Klemens" genannt.
In der Familie Hofbauer-Steer wurde der christliche
Glaube intensiv gelebt und gepflegt. Besonders
seine Mutter Maria hat in äußerst schweren Zeiten
Kraft und Trost bei Gott geholt. Als ihr Mann
im Alter von kaum 46 Jahren starb, führte sie
den 6jährigen Klemens unter ein Kreuz. Mit dem
Finger nach oben zeigend sagte sie: "Der da oben
ist jetzt dein Vater. Gib acht, dass du auf dem
Weg wandelst, der ihm wohlgefällt."
Über die ersten 16 Jahre von Klemens wissen wir:
dass er oft bei den Feldarbeiten geholfen hat;
dass er ein eifriger Ministrant war; dass er im
Pfarrhaus von Tasswitz Lateinunterricht genommen
hat, weil er Priester werden wollte. Seine Mutter
wusste das wohl, aber es fehlte einfach das Geld.
So besorgte sie ihm, als er 16 Jahre alt geworden
war, im nahe gelegenen Städtchen Znaim eine Bäckerlehre.
Gegen Ende seiner Lehrzeit bekam er im Prämonstratenserstift
Klosterbruck eine Anstellung, zuerst in der Klosterbäckerei,
dann als Diener des Abtes. Daneben, und das war
ihm das Wichtigste, konnte er die Klosterschule
besuchen.
Als dies nicht mehr möglich war, weil in Klosterbruck
nur die vier unteren Klassen geführt wurden, und
er auch das Geld nicht hatte, um in einem anderen
Gymnasium weiterzustudieren, entschloss er sich,
Einsiedler zu werden, um in der Einsamkeit Gott
zu dienen. Zuerst lebte er in einer Einsiedelei
in Mühlfrauen, dem Nachbardorf von Tasswitz, dann,
als die Regierung Österreichs das Eremitenleben
verbot, in einer Einsiedelei in der Nähe von Tivoli
(etwa 30 km von Rom entfernt).
Klemens blieb nur etwa ein halbes Jahr in Tivoli,
denn er fühlte sich gedrängt, seine Studien fortzusetzen,
weil er Priester werden wollte. So ging er nach
Wien. Er war jetzt 32 Jahre alt. Er hatte einen
großen Wunsch im Herzen aber kein Geld in der
Tasche. Da trat die Vorsehung in Gestalt von drei
adeligen Damen in sein Leben. Sie erfuhren von
seinem Herzenswunsch und ermöglichten ihm das
Studium an der Universität von Wien.
Klemens fühlte sich dort aber nicht sehr wohl.
Manche Professoren waren staatshörige Aufklärer
("Herr Professor, was Sie da sagen, ist nicht
mehr katholisch!" schleuderte er einmal einem
von ihnen während einer Vorlesung entgegen), und
als das Studium der Theologie an den so genannten
"Generalseminarien" obligatorisch wurde, zogen
er und sein Freund Thaddäus Hübl, mit dem er während
seiner Studienzeit Freundschaft geschlossen hatte,
nach Rom, um dort ihre Studien zu vollenden.
Eines Morgens läuteten die zwei Freunde an der
Pforte eines Redemptoristenklosters und nach einem
Gespräch mit dem Oberen baten sie am nächsten
Tag um Aufnahme. Vom 24.Oktober 1784 bis 19.März
1785 machten sie das Noviziat, das mit der Ablegung
der Gelübde abschloss, und schon am 29.März 1785
wurden sie zu Priestern geweiht. Klemens Hofbauer
war am Ziel!
Der Apostel von Warschau
Schon im Herbst des Jahres 1785 sandte der Generalobere
der Redemptoristen die beiden Freunde nach Norden,
damit sie die Kongregation in ihrer Heimat einpflanzten.
So zogen sie denn im Oktober nach Wien, um die
Möglichkeit einer Klostergründung zu sondieren.
Bald jedoch mussten sie ihren Plan begraben und
verließen Wien in Richtung Norden. Auf dem Weg
schloss sich ihnen Emmanuel Kunzmann, Hofbauers
Miteinsiedler in Tivoli, an. Er sollte der erste
Laienbruder der Kongregation nördlich der Alpen
werden.
Erst im Feber 1787, nach einer viermonatigen Reise,
kamen sie in Warschau an. Sie stellten sich beim
päpstlichen Nuntius vor, und der bat sie auf der
Stelle, die verwaiste Stelle an der Nationalkirche
der Deutschen, St. Benno, zu übernehmen. Nach
einer Bittschrift an den Generaloberen wurde dies
genehmigt, und P. Hofbauer wurde zum Oberen dieser
kleinen Gruppe ernannt.
Die Redemptoristen entfalteten eine unglaublich
segensreiche Tätigkeit in St. Benno. Die Seelsorge
in der Kirche wurde damals schon allgemein als
"immerwährende Mission" bezeichnet. Ab 6 Uhr früh
schloss sich täglich eine Feier an die andere:
eine Singmesse; eine katechetische Unterweisung
in polnischer Sprache; ein Amt mit Choralgesang;
dann eine polnische und eine deutsche Predigt;
schließlich ein feierlicher Gottesdienst mit Musik.
Am Nachmittag wieder eine deutsche Predigt. Anschließend
Besuchung des Allerheiligsten Altarsakramentes;
dann eine Predigt in polnischer Sprache; der Kreuzweg;
verschiedene Andachten; schließlich das gemeinsame
Abendgebet.
Das Bußsakrament galt als seelsorglicher Schwerpunkt.
Täglich von 4.30 früh bis spät in die Nacht hinein
hörten die Patres Beichte - mit einer kurzen Pause
um die Mittagszeit. Die Zahl der jährlichen Kommunionen
schnellte in 20 Jahren von 2.000 auf über 140.000
hinauf.
Nach und nach wirkte St. Benno wie ein Magnet.
Die feierlich gestalteten Gottesdienste, die Prozessionen,
die Sakramentsandachten gemeinsam mit dem Volk
zogen viele Leute aus nah und fern an: "In dieser
Kirche war es, als würde ein ununterbrochenes
Fest gefeiert."
Außerdem hatten die Redemptoristen die Armenschule
von St. Benno übernommen. Vorerst hatten sie nur
Platz für 100 Kinder. In der Folge stieg ihre
Zahl bis auf 500. Es wurden nur arme Kinder aufgenommen,
darunter auch Waisenkinder. Für diese gründete
P. Hofbauer auch ein Waisenhaus, das zwischen
40 und 50 Kinder beherbergen konnte. Schließlich
gab es auch eine Handarbeitsschule für Mädchen,
um ihnen eine praktische Ausbildung zukommen zu
lassen und sie von der Straße fern zu halten.
Wir können nur staunen ob der riesigen und vielfältigen
Arbeit, die P. Hofbauer und seine Mitbrüder in
Warschau geleistet haben. Sicher, es fehlte auch
nicht an Misserfolgen und Rückschlägen. Es lief
nicht immer alles glatt. Auch hatte P. Hofbauer
seine Feinde. Er musste allerlei Schikanen und
Verleumdungen erdulden. Sein bester Freund P.
Hübl starb, nachdem er brutal zusammengeschlagen
worden war.
Im Jahre 1808 spitzte sich die Lage dramatisch
zu. In einem Zeitungsartikel wurde behauptet,
dass die Redemptoristen ein staatsfeindlicher
Orden seien. Der neue französische Machthaber
von Warschau fand das bestätigt und nach einem
diesbezüglichen Brief an Napoleon verfügte dieser
höchstpersönlich die Auflösung von St. Benno und
die Vertreibung der Redemptoristen. Sie wurden
in der Festung Küstrin gefangen gehalten und nach
einem Monat in ihre jeweiligen Heimatländer geschickt.
Der Apostel und Patron von Wien
Im September 1808 kam P. Hofbauer als Verbannter
in Wien an. Ein Freund, Baron Penkler, vermittelte
ihm die Stelle eines Aushilfspriesters an der
Minoritenkirche. Vier Jahre wirkte P. Hofbauer
an dieser Kirche, dann ernannte ihn Erzbischof
Hohenwart zum Beichtvater der Ursulinen und zum
Direktor der Kirche St. Ursula in der Johannesgasse.
An der Seilerstätte besaßen die Ordensfrauen ein
kleines, dreistöckiges Zinshaus. Dort konnte er
im zweiten Stock ein Zimmer mit einem Nebenraum
beziehen. Diese Zimmer werden fortan vieles sein:
sein Arbeits - und Sterbezimmer, ein Gesprächs
- und Beichtzimmer, ein Treffpunkt berühmter Persönlichkeiten,
ein Versammlungsort für Jugendliche und Arme.
Es ist erstaunlich, wie beweglich P. Hofbauer
in seinen Seelsorgsmethoden blieb. Im Alter von
57 Jahren entdeckte er mit seinem missionarischen
Gespür die pastoralen Notstände einer Großstadt.
Mutig entwickelte er in Wien neue Initiativen,
einen ganz neuen Typ missionarischer Seelsorge,
der den konkreten Gegebenheiten am Ort meisterhaft
angepasst war. Was der Apostel von Wien während
kaum zehn Jahren in Bewegung gesetzt hat, grenzt
an ein Wunder.
Von der Kanzel aus hatte P. Hofbauer eine tiefe
und nachhaltige Wirkung auf seine Zuhörer, die
bald in Scharen aus ganz Wien in die kleine Kirche
von St. Ursula strömten. "Das Evangelium muss
neu gepredigt werden", pflegte er zu sagen und
so versuchte er, volksnah, schlicht und einfach
den Leuten die Liebe Gottes, das Evangelium Jesu
Christi und die Erlösung in Fülle näher zu bringen.
Seine Ausführungen haben mitgerissen und waren
nie langweilig. Er übte geradezu eine magische
Kraft aus, obwohl er nicht der geborene Redner
war. Seine Predigttechnik wies große Mängel auf
und sein Deutsch ließ zu wünschen übrig. Auf natürliche
Weise ist dieses Phänomen seines Predigterfolges
nicht zu erklären. Allgemein war man damals überzeugt,
das Mitreißende seiner Predigten liege in seiner
unerschütterlichen Glaubenskraft und in der besonderen
Geistesgabe seiner Person.
Als Seelenführer und Lebensberater zog P. Hofbauer
alle Berufs - und Gesellschaftsschichten an. Zu
seinen Beichtkindern gehörten Adelige und Reiche,
Gelehrte und Künstler, Bischöfe und Universitätsprofessoren,
kleine Handwerker und Arme. Seine Beicht - und
Gesprächsseelsorge wirkte zugleich in die Breite
und in die Tiefe. Er war ein Kenner der Herzen,
den niemand zu täuschen vermochte. Er hatte eine
grenzenlose Barmherzigkeit mit den Sündern und
übte über die Seelen eine große Macht aus, ohne
sich dazu vieler oder gesuchter Worte zu bedienen.
So ist es nicht verwunderlich, dass mit der Zeit
eine große Anzahl von Menschen regelmäßig bei
ihm das Bußsakrament empfing.
P. Hofbauer übte eine besondere Anziehungskraft
auf die Jugend, insbesondere die studierende Jugend,
aus. Seine kleine Wohnung wurde in den Abendstunden
zu ihrem Treffpunkt. Sie wurde bald ein missionarisches
"Jugendzentrum" oder ein pastoraler Ausstrahlungsort
für die Jugend. Nach und nach entstanden die bekannten
Abendzusammenkünfte. Jedes Treffen entwickelte
sich anders. Einmal war es eine Art von Forumsgespräch
über religiöse Themen oder kirchliche Fragen.
Eine andere Zusammenkunft glich den heutigen Bibel
- oder Gebetskreisen. Viele dieser jungen Menschen
wurden im Kontakt mit ihm wie umgewandelt. Eine
ganze Reihe von ihnen trat später in die Kongregation
der Redemptoristen ein.
Die Armen, die Zukurzgekommenen und Verlassensten
lagen P. Hofbauer besonders am Herzen. Für diese
war sein Haus immer offen, und der Tisch seiner
kleinen Klostergemeinde durfte ihr Treffpunkt
sein. Mittags war die Stube manchmal voll von
armen Soldaten, armen Studenten und Bettlern.
Er fütterte sie aus den Vorräten, die er in dem
kleinen Nebenzimmer bereithielt. Er besuchte die
Armen auch gern in ihren Wohnungen, besonders
wenn man nach ihm verlangte, um sie zu trösten
und zu ermutigen.
Allmählich wurde P. Hofbauer auch der geistliche
Begleiter von vielen Berühmtheiten aus Kunst und
Wissenschaft, aus dem Adel und der gesellschaftlichen
Oberschicht. Man bezeichnet dieses Beziehungsnetz
rund um den Apostel Wiens gewöhnlich als "Hofbauerkreis"
oder auch als "Romantikerkreis", weil er sich
im Haus von Friedrich Schlegel ("Fürst der Romantiker")
mehr oder weniger regelmäßig mit berühmten Romantikern
traf (Klemens Brentano, Zacharias Werner, Josef
Eichendorff usw.) Wenn wir fragen, warum sich
alle diese Hochgebildeten Menschen von ihm leiten
ließen, dann stehen wir einfach vor einem Rätsel.
Am besten hilft uns noch die Erklärung seines
Schülers Dr. Emmanuel Veith: es geschah "aus der
Kraft der Gnade".
Klemens Hofbauer war kein Wundertäter, er war
kein fehlerloser Übermensch oder ein in jeder
Hinsicht unerreichbarer Tugendvirtuose. Er hatte
seine Fehler und Schwächen, die ihm sehr zu schaffen
machten. Aber er hatte in allen Lebenslagen ein
unerschütterliches Gottvertrauen und eine tiefe
Liebe zu allen Menschen.
Er starb am 15. März 1820, wurde im Jahre 1888
von Papst Leo XIII. selig gesprochen und im Jahre
1909 von Papst Pius X. heilig gesprochen. Derselbe
Papst erhob ihn 1914 zum Stadtpatron von Wien.
Wenn Sie mehr wissen wollen:
www.redemptoristen.at/klemens/index.htm
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